„Herzblut ist über Kritik erhaben“. Als musikalischem Leiter der aktuellen Theaterproduktion in Oberfellabrunn ist es mir ein dringendes Anliegen, Christian Pfeiffers letztwöchiger Kritik mit einer Stellungnahme entgegenzutreten.

Erstellt am 13. November 2018 (13:50)

„Die Vorstellung ließ die Leichtigkeit vermissen“, heißt es. Man muss kein Experte sein, um nachvollziehen zu können, dass nach intimer Probenzeit eine Erstaufführung vor Publikum immer mit einem gewissen Maß an Stress und Anspannung verbunden ist. Gerade weil Premieren oft noch „menscheln“, sind sie für viele Personen die erste Wahl.

Zentrum der Kritik des Autors bilden jedoch die Gesangsstücke. Mit einem Liedzitat spielt er sinngemäß darauf an, den Inszenierungsball künftig wieder flach zu halten. Nun, solche Vorschläge versetzen jeder Kunst den Todesstoß. Sie warnen engagierte Schauspieler vor persönlicher Weiterentwicklung, belächeln Visionen mutiger Regisseure und rauben dem Publikum die Ausdehnung des kulturellen Rahmens.

Pfeiffer kritisiert ebenfalls, dass „der Sprechgesang mit Verlauf des Abends zunahm“ und schreibt das fälschlicherweise einem Mangel an Zeit und Talent zu. Dabei scheint er zu vergessen, dass das Rezitativ jene Stilform ist, die mitunter erst den „Charme dieses Klassikers österreichischer Operettenkunst“ ausmacht.

Mit absoluter Überzeugung möchte ich noch Folgendes anmerken: Was der Oberfellabrunner Theaterbesucher von Oberkellner Leopold, sämtlichen Darstellern und nicht zuletzt der hervorragenden Regisseurin Sigrid Brandstetter serviert bekommt, ist ein liebevoll inszenierter Bühnenklassiker, in den alle Beteiligten ihr Herzblut fließen lassen. Und diese Qualität ist über jegliche Kritik erhaben.

Christoph Hahn, Sierndorf

Zum vorwöchigen Bericht über die Premiere von „Im weißen Rössl“ der Theatergruppe Oberfellabrunn: „Singspiel als Premiere: Hübsch bescheiden sein