Hollabrunner hatte Alleinstellung …. Auch eine gebürtige Hollabrunner Persönlichkeit hat ihre Spuren zur Republikgründung hinterlassen: Ferdinand Schirnböck hat schon als 13-jähriger Schüler 1873 eine Zeichnung mit dem Konterfei von Pallas Athene, der griechischen Göttin der Weisheit, hinterlassen, deren Figur den Brunnen vor dem österreichischen Parlament schmückt.

Erstellt am 13. November 2018 (13:42)

Als ausgebildeter akademischer Kupferstecher war Schirnböck Jahre später auch maßgeblich an der Entstehung von Banknoten und Briefmarken beteiligt, da er der einzige Stecher an der Staatsdruckerei wie auch in der österreichisch-ungarischen Bank in Wien zu dieser Zeit gewesen ist.

Nachdem sich die deutschsprachigen Abgeordneten aus den Kronländern des 1911 gewählten Abgeordnetenhauses am 21.10.1918 zur Gründungsversammlung zusammengefunden hatten, konstituierten sich diese als Provisorische Nationalversammlung des selbstständigen Deutsch-Österreichischen Staates. Aus deren Reihen wurden drei gleichberechtigte Präsidenten des Staatsrates gewählt: der Lehrer Karl Josef Seitz für die Sozialdemokratie, Richter Dr. Franz Seraph Dinghofer für die Großdeutsche Vereinigung, Deutsch Nationale Volkspartei, sowie Prälat Johann Nepomuk Hauser für die Christlich Soziale Partei.

Die politische Veränderung hatte auch Auswirkung auf Postwertzeichen und Banknoten, sodass in der Eile zu provisorischen Maßnahmen gegriffen werden musste. So behalf man sich, Marken aus den Beständen der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn mit dem schrägen schwarzen Aufdruck Deutschösterreich“ auszugeben.

Für die Geldpolitik galten die gleichen Maßnahmen und so wurden wiederum Banknoten der K.u.K.-Zeit mit roten und schwarzen Aufdrucken „DEUTSCHÖSTERREICH“ versehen und in Umlauf gesetzt.

Alle in dieser Zeit hergestellten Briefmarken und Banknoten stammen aus der Hand von Ferdinand Schirnböck, welcher über Jahrzehnte als alleiniger Stecher bei der österreichisch-ungarischen Bank wie auch in der K.u.K. Hof- & Staatsdruckerei und deren Nachfolgern fungierte.

Im Vertrag von Saint Germain wurde 1919 der Staatsname „Republik Österreich“ vorgeschrieben und der laut Verfassung vorgesehene Beitritt zur neuen Deutschen Republik durch diese Verpflichtung zur Unabhängigkeit untersagt. Das Verbot des Staatsnamens „DEUTSCHÖSTERREICH“ hatte somit neuerlich Auswirkung auf die Geldpolitik des neuen Staates und es wurde auf den Kronen-Banknoten ein neuer Aufdruck – „Ausgegeben nach dem 4. Oktober 1920“ – aufgebracht.

Interessant ist, dass all die nachfolgend ausgegebenen Briefmarken bis 1937 nicht die Staatsbezeichnung Republik, sondern nur den Staatsnamen Österreich und den Nennwert aufweisen. Auch 1945 – bei den österreichischen Provisorien der Nachkriegszeit, Marken Deutsches Reich sowie die Ausgabe der Westalliierten – ist nur Österreich als Landesbezeichnung angegeben.

Erst bei der zur gleichen Zeit für die russische Besatzungszone herausgegebenen Briefmarkenausgabe erscheint erstmals „REPUBLIK ÖSTERREICH“ als Hinweis auf die österreichische Staatsform.

Dies sollte bis zur Ausgabe der Weihnachtsmarke am 30.11.2001 so beibehalten werden.

Seit Einführung der Eurowährung am 1.1.2002 fehlt auf den Markenausgaben Österreichs wieder die Bezeichnung Republik – bis auf eine Ausnahme.

Walter Sendlhofer, BSV Hollabrunn, Großstelzendorf

Leserbrief zum Artikel „Österreich feiert 100 Jahre Republik