Krems braucht das Mega-Projekt nicht!

Mit Befremden erfuhr ich aus der NÖN, dass die Häuser der Kremser Bank in der Oberen Landstraße bzw. Sparkasssengasse abgerissen werden sollen, um unter anderem einem Hotelneubau Platz zu machen.

Erstellt am 03. November 2020 | 18:27
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Ich kann nicht verstehen, dass der Kremser Bürgermeister dies zulassen wird, da ja dies nicht nur für die innerstädtische Nahversorgung eine enorme Verschlechterung bedeuten würde. Auch für die derzeitigen Mieter wäre es eine Katastrophe, aus einem Haus mit guter Bausubstanz ausziehen zu müssen.

Die Stadt und ihre Bürger haben jetzt wirklich genug andere Sorgen, um auch noch zwei Jahre Baulärm im Stadtzentrum mit allen negativen Folgen über sich ergehen zu lassen. Besser wäre es, würde Stadtchef Resch einen größeren Teil seiner Arbeitskraft für die anstehenden Verkehrsprobleme einsetzen. Ein Beispiel: die desolaten oder nicht vorhandenen Radwege. Es würde viel städtischer Autoverkehr wegfallen, wenn es in Krems ein gut ausgebautes Radwegenetz gäbe.

Wann war unser Bürgermeister zum letzten Mal im Ministerium für Verkehr und Infrastruktur, um für Verbesserungen im Bahnverkehr zu argumentieren? Beim aktuellen großzügigen Infrastrukturpaket geht Krems leer aus, obwohl Verbesserungen notwendig wären. Von einer Elektrifizierung der Bahnstrecke Krems – St. Pölten wird schon seit den 1960er-Jahren gesprochen. Die geplanten Batterie- bzw. Wasserstoffzüge sind in der Anschaffung und Erhaltung zu teuer. Die Wien-Pendler würden eine schnellere Verbindung benötigen. Fahrzeiten von knapp über einer Stunde wurden schon mit Dampflokomotiven erzielt. Ein zweites Gleis bis Absdorf würde hier Abhilfe schaffen.

Wie weit sind eigentlich die Planungen einer neuen Donauquerung zwischen Stein und Mautern gediehen?

Es gibt genug offene Fragen, die einer Lösung bedürfen, statt sich mit dem „Mega-Projekt“ den Unmut eines großen Teiles der Kremser Stadtbevölkerung zuzuziehen.

Berthold Schieb, Krems