Kremser Kardiologie-Schließung wäre fahrlässig.

Erstellt am 14. Mai 2019 (14:12)

Die invasiv-kardiologische Versorgungsstruktur in NÖ ist an ihren kapazitiven Grenzen angelangt. Das bezieht sich nicht auf kardiologische Akutfälle oder die Qualität einer Behandlung im Spital, denn hier wird mit hoher Zuverlässigkeit Spitzenmedizin geboten. Augenscheinliches Hauptproblem sind vielmehr die im internationalen Vergleich zu langen Wartezeiten vor planbaren Eingriffen, insbesondere Untersuchungen und Dehnungen der Herzkranzgefäße (in Krems 1.600 bzw. 1.100 pro Jahr, Wartezeit in NÖ: bis zehn Wochen).

Dieses Phänomen ist ortsunabhängig. Patienten nehmen oft weitere Distanzen als jene zwischen Krems, St.Pölten oder Zwettl auf sich, und organisieren sich notgedrungen in Wien oder OÖ eine raschere Behandlung. Der Versorgungsengpass in NÖ beruht also nicht auf der geographischen Lage der Behandlungszentren, sondern auf der niederösterreichweiten Gesamtkapazität aller Zentren.

Die oberste Priorität, lebensbedrohliche Ereignisse während der Wartezeit zu verhindern, darf durch Umstrukturierungen nicht gefährdet werden. Vor diesem Hintergrund bedarf es einer Stärkung der bestehenden und erfahrenen Strukturen, ehe man geographische Schwerpunkte überdenkt. Die Entwicklung eines neuen Eingriffszentrums auf die Kapazität von jenem in Krems würde viele Jahre in Anspruch nehmen – diese Erfahrung hat man in NÖ bereits mehrmals gemacht.

Es wäre absolut fahrlässig, das zweitgrößte kardiologische Eingriffszentrum und jenes mit der längsten Expertise Niederösterreichs zu schließen.

Dr. Martin Kaufmann, Kardiologe, Langenlois

Zum Bericht über die drohende Abwanderung der Kardiologieabteilung des Kremser Klinikums nach Zwettl