Wie man Gutes schlechtreden kann. Über die aktuellen Diskussionen zum Thema Stadtbus kann ich nur den Kopf schütteln: Welches Motiv liegt so mancher Kritik zugrunde, die seit Wochen in Krems herumgeistert?

Erstellt am 23. Februar 2021 (15:51)
Der Stadtbus ist auch bei den NÖN-Lesern das Thema der Stunde.
Martin Kalchhauser

Liegt es an dem Corona-bedingten Mangel an anderen Themen? Oder steckt parteipolitisches Kalkül dahinter? Als ich als damaliger Vizebürgermeister Anfang der 1990er-Jahre meinen Vorschlag die Einführung eines Stadtbus-Systems in Krems zur Umsetzung brachte, habe ich von Anfang an auf eine Positiv-Strategie gesetzt. Und in dem damaligen Bürgermeister Erich Grabner einen konstruktiven Partner gefunden.

Diese Tugend scheint so manchen heute Verantwortlichen in der Stadtpolitik verloren gegangen zu sein, wenn sie nach dem Motto „Zuerst eh zustimmen, dann aber dagegen agieren“ handeln. Unsere gemeinsame Strategie war damals: Positiv denken, positiv handeln, positiv werben – tue Gutes und rede Gutes darüber! Heute reden einige Krems und seine Einrichtungen nur schlecht. Erich Grabner und ich haben uns damals in den Zug nach Vorarlberg gesetzt, um dort die vorbildlichen Stadtbussysteme gründlich zu studieren, um Ähnliches in Krems dann umzusetzen. Und das Wesentlichste für den großen Erfolg in Dornbirn, Bregenz, Feldkirch war die Positiv-Strategie.

Danach haben wir dann in Krems gehandelt und ein Erfolgsmodell geschaffen. Wie würde man sich diese Gemeinsamkeit heutzutage in Krems wünschen! Hier wird kleinkariert über die Breite und das Fassungsvermögen der Busse diskutiert, die durch die Altstadt fahren. Zugleich klagen andere über die Überfüllung der Schülerbusse. Was jetzt? Zu groß? Zu klein? Ganz besonders Schlaue kritisieren die Fahrt durch Gassen der Innenstadt.

Was jetzt? Sollen die Geschäfte von Kunden erreicht werden oder nicht? Wenn die Kritik ausgerechnet von Geschäftsleuten kommt, die vom Einkauf ihrer Kunden leben, ist das ja besonders pikant (ich könnte auch einen anderen Ausdruck verwenden)! Und jene, die sich beklagen, dass man ohnehin verbotenes Parken auf Gehsteigen nicht mehr darf, dann hätten sie eigentlich bei der Führerscheinprüfung durchfallen sollen ...

Und die ewige Diskussion um Parkplätze in der Innenstadt! Herrgott noch einmal, welche Werbestrategie steht dahinter, seinen eigenen Standort dauernd schlechtzureden? Ich hatte mir nach 20 Jahren in der Kremser Kommunalpolitik vorgenommen, keine Zurufe aus dem Hintergrund zu machen. Aber angesichts der aktuellen Diskussionen brennt es in mir, zu mahnen: Redet Krems nicht schlecht, nur weil in einem Jahr wieder Wahlen sind! Kritik ja, Schlechtreden nein! Sagt Gutes über eure Stadt, wenn sie Gutes tut!

Prof. Ewald Sacher, Nationalratsabgeordneter a. D., Vizebürgermeister a. D.