„Wie prügeln auf der Blutwiese“. Zum Chaos rund um die Corona-Impfanmeldung in der Vorwoche gingen die Wogen hoch. 

Erstellt am 16. Februar 2021 (10:23)

Ich war eine jener Tausenden, die für ihre über 80-jährigen Angehörigen einen Impftermin „erkämpfen“ wollten, leider umsonst. Ich bin bis am späten Nachmittag gesessen und habe versucht, einen der immer wieder freigeschalteten Termine irgendwo in NÖ zu erwischen, leider vergebens.

Bei 50.000 Vorregistrierungen lässt man die Menschen aufeinander los, um sich um 10.000 Impfdosen zu streiten. Die Anwendung war nicht benutzerfreundlich, die Verbindung war immer wieder unterbrochen.

Bei der Helpline sagte man mir, dass sie keinen Support geben können und ich die Leitung freimachen soll. Ich war am Abend dann extrem frustriert und enttäuscht.

In einer Zeit, in der die Menschen müde und mürbe von den Maßnahmen sind, mutet man ihnen nun zu sich um Impftermine zu streiten, es herrscht das „Faustrecht“, wer eine stabilere Internetverbindung hat und mehr Leute und PCs einsetzen kann, der ist im Vorteil. Ich empfinde das als eine absolute Zumutung. Darüber hinaus weiß ich, dass viele Angehörige jetzt irgendeinen Termin irgendwo in NÖ genommen haben und jetzt ihre alten Angehörigen quer durch NÖ zur Impfung karren. Eine koordinierte Impfstrategie stelle ich mir anders vor.

Warum ist es nicht möglich, die vorhandenen Impfdosen gestaffelt nach Alter zuzuteilen und den Menschen einen Impftermin zu schicken? So würden auch jene Menschen zu einer Impfung kommen, die keine Angehörigen haben, die sich auf der „Blutwiese“ um einen Impftermin prügeln.

Ich bin zutiefst frustriert, denn nächsten Mittwoch wird dasselbe nochmals ablaufen, nur dieses Mal werde ich mit allen Angehörigen und Freunden gleichzeitig versuchen, einen Impftermin für meinen Vater zu erkämpfen.
Roswitha Esberger, Wolkersdorf