Windräder finanzielles Nullsummenspiel für Gemeinden. Bürgermeister Leopold Bock hat gleich zu Beginn des Windkraftkonfliktes in der Gemeinde Sallingberg eine Diskussion auf Sachebene verhindert.

Erstellt am 26. Februar 2019 (15:23)
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„Denn was wir sicherlich nicht brauchen ist, dass uns Wanderprediger oder selbst ernannte Experten, die von sonst woher kommen und Unruhe zu stiften versuchen, uns sagen, was wir zu tun oder zu lassen haben…“ (aus der amtlichen Mitteilung der MG Sallingberg, I/2014)

Fremde Expertise? Fehlanzeige, Unruhe nicht erwünscht! Den Lobbyisten, von der IG Windkraft abwärts, wurde aber schon der Hof gemacht. Sog. „Informationsfahrten“ wurden durchgeführt bei denen die Teilnehmer über die möglichen Profite informiert und angefüttert wurden.

Eine Diskussion auf Augenhöhe mit Pro- und Contra-Argumenten gab es nicht. Logisch wenn man weiß, dass die Befürwortung von Windenergieanlagen in der Bevölkerung bei zunehmender sachlicher Aufklärung und Information immer weiter sinkt. Die Zustimmung sinkt übrigens auch bei eigener lokaler Betroffenheit und steigt, wenn man die Windräder selbst nicht sieht und nicht hört.

Um die „Akzeptanz der Anrainer positiv zu beeinflussen“ beschließt der Gemeinderat von Sallingberg vorsorglich schon im Jahr 2012 von den Windfirmen Standortentgelte laut „Waldviertler Windpakt“ zu kassieren. Zahlreiche weitere Beschlüsse und Verträge mit verschiedenen Windfirmen und potenziellen Einkommensquellen folgen. Die Gemeinde möchte selbstverständlich von der Energiewende überdurchschnittlich gut profitieren. Mit Geld geht es halt leichter, auch wenn es nur versprochenes ist.

Bei genauerer Betrachtung dieses Geschäftsmodells ist aber festzuhalten, dass Windkraftwerke nach wie vor zu etwa zwei Dritteln durch Förderungen finanziert werden. Diese zahlen wir selbst mit unserer Stromrechnung. Siehe Ökostrompauschale und Ökostromförderbeitrag. Nur etwa ein gutes Drittel der Kosten kann durch die Stromproduktion selbst aufgebracht werden. Diese Relation hat sich seit dem Bau der ersten Windenergieanlagen bis heute leider nicht verbessert. Mit der Weiterentwicklung der Technologie (hauptsächlich Größenwachstum) sollen jetzt nicht die Förderungen reduziert werden, sondern es sollen auch die Bürgermeister der windschwachen Standorte im Waldviertel in den Genuss „eigener“ Windräder kommen. Mit dem zunehmenden Anteil von Windstrom wird diese üppige Förderpolitik aber nicht ewig zu prolongieren sein. Was passiert, wenn es einmal keine Förderung mehr gibt? Üblicherweise kann Geld nur dort verteilt werden wo es auch Gewinne gibt. Kein Gewinn, kein Entgelt heißt es auch in den Verträgen der Windfirmen. An einer „guten Einnahmequelle“ darf daher aufrecht gezweifelt werden.

Außerdem werden zukünftige Sonderzuweisungen des Landes eher finanzschwachen Gemeinden zuzuteilen sein. An Windkraftgemeinden nicht, da ja ohnehin eigene Einnahmen zur Verfügung stehen könnte. Vermutlich deshalb wurde auch nicht über eine Zweckwidmung der zu erwartenden (Zusatz-) Einkünfte diskutiert, sondern sollen diese im allgemeinen Gemeindehaushalt „versickern“. Windräder sind ein finanzielles Nullsummenspiel für Gemeinden und keine Zusatzeinnahmen!

Anrainer sollen trotzdem die Verschandelung eines über Jahrhunderte gewachsenen Landschaftsbildes hinnehmen. Darüber hinaus Geräuschimmissionen, Schattenwurf und eine Entwertung von Haus und Grund. Nach dem beliebten Motto: „Jeder muss einen Beitrag zur Energiewende leisten!“ Richtig müsste es aber lauten: „Einige profitieren, viele zahlen drauf!“

In einer industrialisierten Welt mit hohem Bodenverbrauch durch Versiegelung und bereits stark gefährdeter Artenvielfalt liegt die Zukunft in der unberührten Natur, im sanften Tourismus, in der Biodiversität unserer Wälder und Erholungsräume. Dafür ist das Waldviertel (noch) bekannt, aber nicht für die Windkraft!

DI (FH) Christoph Terrer, Gemeinderat in der MG Sallingberg und Sprecher BI Unser Lebensmittelpunkt

Leserbrief zum Artikel Ärger und Flaute bei Wind