Benziner haben Nase vorn . Rückgang bei den Verkaufszahlen von Diesel-Pkw im Bezirk Lilienfeld. Wenige kaufen Elektroauto.

Von Nadja Straubinger und Daniel Lohninger. Erstellt am 05. September 2017 (05:55)
Shutterstock/Ronni Olsson

Die anhaltende Diskussion um die Abgaswerte von Diesel-Pkw schlägt sich mittlerweile auch in den Verkaufszahlen nieder. Im Bezirk Lilienfeld sank seit Anfang des Jahres der Anteil der Diesel-Autos an den Neuzulassungen von 54,8 auf 49,6 Prozent, im Bezirk St. Pölten-Land sogar von 56,4 auf 47,6 Prozent. Gewinner der Entwicklung sind die Benziner.

„Es kommen nicht sehr viele, um sich diesbezüglich beraten zu lassen und wenn dann eher mit einem Schmunzeln“, so Martin Hartmann vom ARBÖ- Prüfzentrum in Traisen. Die Verunsicherung der Autofahrer sei aber groß und die Regierung verstärke das mit unbedachten Aussagen noch. Dabei seien moderne Diesel-Motoren besser als ihr Ruf.

„Die Autofahrer wissen nicht, wie es weitergeht, weil jeden Tag irgendjemand irgendwas anderes sagt.“ Wolfgang Schirak, Spartenobmann

Ähnlich sieht die Situation ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang, der vor allem die Einführung von Diesel-Fahrverboten in Städten fürchtet: „Es reicht, wenn eine deutsche Stadt wie München dieses Verbot erlässt – dann bricht der Markt ein.“ Insgesamt sei die Debatte völlig überzogen: „Würden die Städte ihre Ampeln verkehrsfreundlicher steuern, würde das eine Reduktion des Stickoxid-Ausstoßes bis zu 40 Prozent bringen.“

Autohäuser spüren Abgas-Debatte

Die Ratlosigkeit der Kunden spüren auch die Autohäuser. Die können sich zwar insgesamt über mehr Neuzulassungen freuen, die ungewisse Diesel-Zukunft drückt aber aufs Gemüt. „Die Autofahrer wissen nicht, wie es weitergeht, weil jeden Tag irgendjemand irgendwas anderes sagt“, meint Fahrzeughandel-Spartenobmann Wolfgang Schirak. Dabei seien Autos heute viel umweltfreundlicher als vor zehn Jahren: „Die Abgaswerte wurden seither um 60 bis 70 Prozent reduziert.“ Schirak betont zudem, dass der Individualverkehr nur 20 Prozent der Emissionen verursache: „Über die anderen 80 Prozent redet niemand.“

„Wenigfahrer greifen immer häufiger zu Benzinern“

Vieles sei noch ungewiss, sagt Bernhard Schmal vom Autohaus Bosch in Traisen. „Wenigfahrer greifen immer häufiger zu Benzinern“, weiß er. Unternehmer würden auch schon öfter auf Fahrzeuge mit Elektrobetrieb umstellen. „Die Fahrzeuge sind gut gefördert und vorsteuerabzugsberechtigt“, so Schmal. Generell sei das Interesse an Elektrofahrzeugen groß, aber gekauft werde von den Privatkunden eher selten. Zu groß seien noch die Vorurteile. „Besonders die fehlende Reichweite ist für viele ein Hemmnis“, sagt Schmal.

Unternehmerkunden, die eine hohe Kilometerleistung erwarten, greifen laut Schmal aber noch immer zum Diesel-Motor. Der sei in Bezug auf die Reichweite nicht zu schlagen. „Eine Alternative stellt dazu aber mittlerweile ein Benzin-Elektro-Hybridmotor dar“, ist der Geschäftsführer überzeugt. Diese werden klassisch im Außendienst eingesetzt.

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