Erstellt am 07. Dezember 2010, 00:00

Ärger über Zuschlag der ÖBB. GÜTERVERKEHR / Manche Betriebe im Bezirk, zum Beispiel in Hohenberg und St. Aegyd, müssen künftig mehr für den Transport der Waggons bezahlen. Erste wechseln auf Lkw.

VON ASTRID KRIZANIC-FALLMANN

BEZIRK LILIENFELD / Einen Aufschub bis Mitte nächsten Jahres bei der Einstellung des Güterverkehrs von St. Aegyd nach Freiland erwirkte eine Intervention der Kleinregion bei den ÖBB (die NÖN berichtete).

Nun könnte sich die Causa von selbst erledigen, denn vergangene Woche flatterte Betrieben wie zum Beispiel der Hohenberger Forstverwaltung Wittgenstein ein Brief der Rail Cargo ins Haus. Dessen Inhalt: Zu den Frachtkosten müsse ein Zuschlag von 150 Euro pro Waggon dazugerechnet werden. „Ob das jetzt mit 12. Dezember oder erst ab 1. Jänner gilt, konnte ich aus dem Schreiben nicht herauslesen“, sagt DI Dominik Bancalari von der Forstverwaltung. Aus „Umweltschutzgründen“ hätte man bisher den Transport der Baustämme nach Oberösterreich zur Papier verarbeitenden Industrie auf der Schiene durchgeführt. „Von den Kosten her war die Bahn nicht eklatant billiger“, erzählt Bancalari. Mit der Preiserhöhung hätte sich die Sache aber erübrigt. „Wir haben zwei Waggons die Woche, müssten jedoch mindestens für vier Waggons bezahlen“, sagt er über eine weitere unerfreuliche Auflage, „diese zusätzlichen Kosten von 600 Euro sind nicht tragbar.“ Der Wechsel auf Lkws sei laut Bancalari unvermeidlich. Und das zu einer Zeit, in der „die EU Österreich gerade gerügt hat, weil zu viel auf der Straße transportiert wird“, so der Hohenberger.

Empört über das Schreiben ist auch ÖVP-Landtagsabgeordneter Karl Bader. „Die ÖBB-Infrastruktur weiß offensichtlich nicht, was die Rail Cargo tut“, ätzt er, „es ist unerträglich, dass wir als Region das Desaster der Rail Cargo in Ungarn ausbaden sollen.“ Der Transport auf der Strecke würde somit „bewusst abgeschossen“ werden.

Seitens der ÖBB wurde „im Mai erklärt, die Strecke sei zu 100 Prozent ausgelastet“, ergänzt Dominik Bancalari. Dass die Vorgaben derzeit dauernd erhöht werden, berichtet hingegen Karl Bader. „Zuerst hieß es 200.000 Tonnen, dann 250.000 Tonnen, mittlerweile sind es schon 300.000 Tonnen“, sagt er, „da müssten die ÖBB alle Nebenbahnen zusperren.“ Bader fühlt sich „verschaukelt“ von der Forderung, dass Land und Gemeinden für das Weiterbestehen einspringen sollen. „Das Bundesministerium und die ÖBB verabschieden sich von ihrer Verantwortung“, urteilt der Landtagsabgeordnete.

„Eine Strategie, Kunden zu verjagen und den Güterverkehr abzudrehen“, will gleichfalls Lilienfelds Bürgermeister Herbert Schrittwieser, der Obmann der Kleinregion, erkennen.

„Es gibt eine österreichweite Liste, auf der für bestimmte Bedienerbahnhöfe künftig Zuschläge verlangt werden“, erklärt Schrittwieser, „aus dem Bezirk werden Hainfeld, St. Veit, St. Aegyd und Hohenberg genannt, Freiland und Schrambach stehen nicht drauf.“ Die jetzige Neuerung mache laut Kleinregionsobmann auf der Route nach St. Aegyd „alle Nachfolgebestrebungen schwieriger“. Schrittwieser: „Die Verlässlichkeit des Partners ÖBB leidet darunter, wenn die Vereinbarungen nicht sicher sind und ihnen wieder irgendetwas einfällt.“