„Die Filmchronisten“: An Geschichten erinnern. Pilgern, Skifahren, Besatzungszeit, Zusammenleben der Konfessionen oder das „Ameiseln“ waren unter den gesammelten Themen in Annaberg und Mitterbach.

Von Astrid Krizanic-Fallmann. Erstellt am 26. Juli 2020 (03:15)

Nachdem das LEADER-Projekt „Die Filmchronisten“ im Frühjahr aufgrund der Coronakrise pausieren musste, konnte es nun anlässlich der Gemeindetournee Station in Annaberg und Mitterbach machen. Trotz Wetterpech ließen sich zahlreiche Besucher sowie Zeitzeugen nicht davon abhalten, ihre Hinweise und Unterlagen bei der mobilen Filmwerkstatt – einem zu einem Mini-Kino und Produktionsstudio umgebauten Elektrobus – zu deponieren.

„In Annaberg war eines der Themen das Pilgern“, berichtet LEADER-Projektkoordinatorin Isabella Größbacher-Stadler. Die Bedeutung der Wallfahrt für die Gemeinde hält zudem der Pilgerverein „Via Sacra“ hoch, dessen Obfrau die ehemalige Bürgermeisterin und Pilgerbegleiterin Petra Zeh ist. In Erinnerung gerufen wurde in Annaberg außerdem das „Ameiseln“. Bis in die 1960er-Jahre war es üblich, dass in der Gegend um den Ötscher gesammelte Ameiseneier (Ameisenpuppen) am Wiener Naschmarkt als eiweißreiches Futter für die früher weit verbreiteten Singvögel in Käfighaltung und auch für Fische, vor allem Forellen, verkauft wurden. Der Wald und die Holzwirtschaft standen gleichfalls am Programm.

Eine Vielzahl an Informationen und ein Berg an Film- und Fotomaterial wurde von der Mitterbacher Bevölkerung an das Projektteam herangetragen. „Mitterbach ist eine Gemeinde mit zahllosen Geschichten und Bewohnern, die großes Interesse an der Bewahrung dieser Geschichten haben“, zeigte sich Projektleiter Ernst Kieninger von der Nachfrage beeindruckt. In der Erlaufsee-Gemeinde kristallisierte sich heraus, dass besonders die Bereiche Skifahren, die Besatzungszeit an der russisch-britischen Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg, das Zusammenleben der evangelischen und katholischen Gläubigen damals und heute, aber auch die Bemühungen rund um die Erhaltung des örtlichen Nahversorgers für eine Verfilmung relevant sein könnten.

Archiv für nachfolgende Generationen geplant

Parallel dazu fanden in den vergangenen Monaten bereits erste Dreharbeiten über Mitterbach statt. So erzählten Mitglieder der Familie Spielbichler, wie sie als so genannte „Ötscherkinder“ in der Waldeinsamkeit des Hinterötschers aufwuchsen. Gemeinsam mit den „Filmchronisten“ besuchten sie die Orte ihrer Kindheit.

Filmaufnahmen fanden weiters in der Naturparkschule in Annaberg statt, in welcher besonderes Augenmerk auf das praktische Lernen in der Natur gelegt wird und die sich auch mit den besonderen Herausforderungen im Zusammenhang mit den Corona-Eindämmungsmaßnahmen auseinander set-zen musste.

„Die Filmchronisten“ rund um Ernst Kieninger und der Verein Original TV sammeln mit Unterstützung der LEADER-Region Mostviertel-Mitte aufschlussreiche Sachverhalte, historische Bilddokumente, Ideen und Hinweise. Ausgewählte Ereignisse werden in Form von rund zehnminütigen Dokumentarfilmen aufbereitet. Mit der Initiative soll altes Wissen, das oft nur mündlich überliefert ist, in moderner Weise festgehalten und für nachfolgende Generationen archiviert werden.