442 Jobs sind aktuell im Bezirk Lilienfeld frei. Erstmals weniger Jobsuchende seit erstem Lockdown. Die Frauen sind die Verlierer am Arbeitsmarkt. Corona-Risikogebiet kein Grund, Jobangebot nicht wahrzunehmen.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 06. April 2021 (10:53)
AMS-Leiterin Margareta Selch: „Haben strenges Hygienekonzept in AMS-Stelle.“
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Ein Jahr nach Beginn der Corona-Krise sinkt die Arbeitslosigkeit im Bezirk erstmals unter das Niveau des Vorjahres: Ende März sind mit 870 Personen (knapp 30 Prozent) weniger Menschen auf Jobsuche als vor einem Jahr. „Dabei ist allerdings zu beachten, dass der Rückgang zum großen Teil ein Basiseffekt ist, da der Vergleichswert Ende März 2020 mit 1.228 Personen mitten in den ersten Lockdown fällt“, erklärt die Geschäftsstellenleiterin des Arbeitsmarktservice Lilienfeld (AMS), Margareta Selch.

Doch die Corona-Krise hat deutliche Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen: 84,2 Prozent (221 Personen) der Arbeitslosen suchen ein Jahr oder schon länger einen Job. „Wir werden alles tun, um den Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit einzudämmen“, betont die AMS-Chefin. Neben konsequenter Vermittlung hat das AMS Lilienfeld das Angebot an Schulungen in Zukunftsberufen ausgeweitet. 191 Jobsuchende nutzen aktuell das Qualifizierungsangebot. Das sind um 23,2 mehr als im März des Vorjahres.

Kein Altersunterschied

Nach Altersgruppen analysiert, gibt es aber bei allen Gruppen im Jahresvergleich ein Minus: Bei Personen bis 25 Jahre sind 59,9 Prozent weniger arbeitslos; bei den über 50-Jährigen 17,5 Prozent weniger. Insgesamt sind 29,2 Prozent weniger ohne Beschäftigung. Frauen sind die Verlierer am Arbeitsmarkt: Hier beträgt der Rückgang nur 23,4 Prozent, bei den Männern hingegen 33,2 Prozent.

Noch klarer zeigt sich dies bei ausländischen Frauen: Während 47,8 Prozent der ausländischen Männer weniger auf Jobsuche sind, ist der Rückgang bei Frauen nur 21,4 Prozent. 51,2 Prozent weniger jugendliche Frauen sind auf Jobsuche, jugendliche Männer weisen ein Minus von 66,2 Prozent auf. Am deutlichsten zeigt sich diese Differenz wieder bei den Langzeitbeschäftigungslosen. Frauen verbuchen hier ein Plus von 139,5 Prozent, Männer hingegen nur 58, 5 Prozent.

Ein Plus bei Jobangeboten

Ende März standen 442 Jobangebote zur Verfügung. Das sind um 254 (+135,1 %) mehr als im März 2020. Das Bild nach Branchen zeigt sich sehr differenziert. „Daher zählt es, Arbeitssuchende rasch zu vermitteln, wo Personal gebraucht wird wie in der Produktion und im Verkehrswesen. Dort, wo eine Vermittlung nicht möglich ist, helfen wir mit Aus- und Weiterbildungen“, sagt Selch. Bei den offenen Lehrstellen stehen mit 41 (+11) bzw. 36,7 Prozent mehr Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Das AMS hat den Auftrag zur Vermittlung auch in Corona-Zeiten zu erfüllen. Es gelten im AMS strenge Hygieneauflagen. Dazu stellt die AMS-Chefin übrigens klar: „Es ist unerheblich, ob sich ein Jobangebot in einem Covid-19-Risikogebiet befindet. Es kann von Jobsuchenden erwartet werden, dass zumindest eine telefonische oder elektronische Kontaktaufnahme mit dem potenziellen Arbeitgeber erfolgt.“