Umstrittener Zaun bei Radweg in Ramsau. Gruber hat sein Grundstück abgegrenzt. Baurechtliche Prüfung folgt, Grenzverlauf ist fraglich

Von Markus Zauner. Erstellt am 17. April 2021 (03:28)
Debatten gibt es um den ab der Ramsauer Kläranlage von Friedrich Gruber errichteten Zaun.
Privat

Plötzlich war er da, der Zaun entlang des Radweges von der Ramsauer Kläranlage in Richtung Hainfeld. Diesen habe er mit gutem Grund errichten lassen, betont Unternehmer und Bürgerlisten-Mitglied Friedrich Gruber im NÖN-Gespräch: „Der vor Jahren errichtete Radweg wird in der Corona-Krise verstärkt auch zum Spazierengehen genutzt.“ Und da gebe es viele, die ihre Vierbeiner zum Verrichten der „großen Seite“ in seine etwa vier Hektar große Wiese entlassen würden, ärgert sich Gruber. Die Verunreinigungen könnten dazu führen, dass Kühe beim Verzehr des eingeholten Heus ihre Kälber verlieren, macht er auf unliebsame Folgen aufmerksam.

Laut gewordene Kritik an der Abgrenzung seiner Wiese kann Friedrich Gruber nicht nachvollziehen. Zum einen sei der Zaun genau an der Grundgrenze errichtet worden, zum anderen gebe es auch anderswo Einfriedungen entlang von Radwegen. Und: Die Strecke könne von den Pedalrittern weiterhin „ganz normal befahren werden“, unterstreicht Gruber.

privat

Bürgermeisterin Gertraud Steinacher (ÖVP) bezweifelt hingegen, dass der besagte Streckenabschnitt tatsächlich sicher befahren werden kann. Sie ortet etwa Gefahrenpotenzial, weil die Radfahrer mit dem Lenker im Zaun einfädeln könnten. Die Ortschefin kündigt eine baurechtliche Überprüfung an. Zusätzlich wurde die Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld um wasserrechtliche Überprüfung gebeten, ob die Zaunerrichtung bewilligungspflichtig ist.

Friedrich Gruber: „Der Zaun bleibt so“

Sauer stößt der Bürgermeisterin außerdem die Vorgangsweise der „Grenzfindung“ auf. „Herr Gruber hat an den mehrmals versuchten gemeinsamen Grenzbegehungen nie teilgenommen, sondern die Grenze seiner Meinung nach, ohne Absprache mit den Nachbarn, festgelegt“, klagt Steinacher.

Ein Vermessungsbüro hat Pflöcke für den mutmaßlichen Grenzverlauf eingeschlagen. Der errichtete Zaun weicht davon etwas ab, wie die Fotos zeigen.
Privat

So habe im Vorfeld ein Vermessungsbüro Pflöcke für den vermutlichen Grenzverlauf eingeschlagen – der Zaun sei allerdings um einige Zentimeter versetzt errichtet worden, wie der NÖN übermittelte Fotos belegen. Steinacher kündigt nun für Ende April eine von der Gemeinde beauftragte Grenzverhandlung an. Aus seiner Sicht würden Zaunverlauf und Grundgrenzen übereinstimmen, unterstreicht wiederum Gruber. Für ihn steht fest: „Der Zaun bleibt so.“ Einer allfälligen Klage auf dem Zivilrechtsweg schaue er gelassen entgegen.

Ein Vermessungsbüro hat Pflöcke für den mutmaßlichen Grenzverlauf eingeschlagen. Der errichtete Zaun weicht davon etwas ab, wie die Fotos zeigen.
Privat

Mittlerweile hat beim Radweg Ramsau die Kanalverlegung zwecks Anschluss an die Zentralverbandskläranlage begonnen. Daher kommt es ab sofort zu einer Sperre des Radweges. Diese wird – zumindest auf Teilstrecken – voraussichtlich bis Mitte September andauern. Pedalritter werden über die Straße umgeleitet.