Erst Lehrling, dann Chef: „Tag der offenen Lehrwerkstätte“ in Traisen

Erstellt am 17. Juni 2022 | 05:22
Lesezeit: 3 Min
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Ob männlich, weiblich oder divers: Wer eine gute Ausbildung im Metallbereich machen möchte, hat bei Georg-Fischer-Lehrlingsausbildungsleiter Johannes Falkensteiner beste Chancen.
Foto: Foto Wohlmann
Georg Fischer hat Ausbildungsplätze frei, Suche nach Lehrlingen wird schwieriger.
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Der Fachkräftemangel - eine Tatsache, mit der sich auch Metallunternehmen wie die Firma Georg Fischer Fittings GmbH in Traisen auseinandersetzen müssen. Mit rund 420 Beschäftigten ist der Betrieb einer der größten Arbeitgeber in der Region.

Um den stetig zunehmenden Fehlen an ausgebildetem Personal entgegenzuwirken, bildet die Firma als staatlich ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb laufend Lehrlinge in den Bereichen Gießereitechnik, Metalltechnik (Zerspanung und Maschinenbau mit dem Spezialmodul Automatisierungstechnik), Elektrotechnik und Mechatronik (Automatisierung/SPS Technik) in der hauseigenen Lehrwerkstätte aus.

„Zwischen offenen Lehrstellen und Interessenten liegt sowohl regional- als auch interessensbedingt ein Missverhältnis vor.“ Personalchefin Michaela Bandion und Lehrlingsausbildner Michael Wollinger

„Derzeit befinden sich am Standort 20 Lehrlinge der Georg Fischer Fittings GmbH in Ausbildung, zusätzlich werden Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Grundausbildung der Lehrlinge für die daneben liegende Voestalpine Traisen erbracht“, informiert Personalleiterin Michaela Bandion.

Doch die Suche nach Lehrlingen wird nicht einfacher. Daher veranstaltete das Unternehmen am Freitag einen „Tag der offenen Lehrwerkstätte“.

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Jan Baumann ist im zweiten Lehrjahr als Maschinenbau- und Automatisierungstechniker bei Georg Fischer Fittings in Traisen tätig.
Foto: Wohlmann

Die Besucher, vom Polyschüler bis zu dessen Eltern oder Großeltern, erfuhren Details zum Unternehmen und Produktionsprozess, konnten danach die Lehrwerkstätte besichtigen und einigen Lehrlingen unter Aufsicht von Lehrlingsausbildner Michael Wollinger bei der Arbeit zusehen.

Anschließend führten die Lehrlinge durch das Produktionswerk, um einen Einblick in den Gießereibetrieb zu geben. Dabei erläuterte Lehrlingsausbildungsleiter Johannes Falkensteiner der NÖN die Herausforderungen der Lehrlingssuche. „Normalerweise ist diese schon mit März abgeschlossen, doch aktuell haben wir noch sechs Ausbildungsplätze frei“, führt er eingehend aus.

Er und Personalchefin Bandion kennen die Gründe: Bedingt durch den demographischen Wandel, insbesondere wegen geburtenschwächerer Jahrgänge, stehen regional weniger Interessenten zur Verfügung. „Zwischen offenen Lehrstellen und Interessenten liegt sowohl regional- als auch interessensbedingt ein Missverhältnis vor“, bedauern sie.

Tolle Karrierechancen für Mädchen, wenig Interesse

Der Kampf um Lehrlinge wächst, selbst ausgezeichnete Lehrlingsausbildungsbetriebe konkurrieren nicht nur mit anderen Betrieben, sondern insbesondere auch mit mittleren und höheren Schulen. Und die Qualität der Bewerber lässt manchmal zu wünschen übrig. „Das für technische Berufe notwendige MINT-Grundwissen – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik – wird in den vorangehenden Ausbildungsstätten oftmals nicht ausreichend oder nachhaltig vermittelt“, bemerkt Falkensteiner.

Im Kampf und die „besten Talente der Zukunft“ setzt Georg Fischer auf zielgruppenorientierte Ansprache über verschiedenste Medien. Die Karrierechancen im Haus bis in die Führungsebene sind für junge Leute gut. Falkensteiner hat hier selbst vor vier Jahrzehnten seine Ausbildung gemacht. Lehrlinge können externe Zusatzausbildungen machen und der Lehrlingsaustausch erfolgt über verschiedene Standorte hinweg.

Finanzielle Zusatzleistungen bieten weitere Anreize. Über einen „Girl´s Day“ hat die Firma bereits versucht, mehr Mädchen für die Technik-Sparte zu begeistern. Doch auch hier hält sich das Interesse in Grenzen, was Falkensteiner bedauert, denn: „Die Entlohnung in unserer Sparte ist sehr gut, ebenso sind es die Aufstiegschancen auf der Karriereleiter. Durch eine strategische Nachfolgeplanung können wir außerdem derzeit allen Jung-Facharbeitern eine Übernahme in ein fixes Arbeitsverhältnis garantieren.“

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