Betrugsprozess: Naiven Investor geprellt?. Ein 65-jähriger Unternehmer soll einen Investor getäuscht und ihn dadurch um viel Geld gebracht haben. Drei Jahre Haft und fast 400.000 Euro Schadenersatz. Er geht in Berufung.

Von Stefanie Marek. Update am 21. Juli 2021 (18:04)
Symbolbild
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„Ich war ein vertrauensseliger Idiot“ – die angenehme Stimme des grauhaarigen Mannes, wird während seiner Einvernahme als Zeuge immer emotionaler. Kein Wunder, es geht um fast 500.000 Euro, um die er sich als Investor gebracht sieht. Herr T., der aus Niederbayern kommt, ist vor Gericht empört, über die eigene Naivität, wie er sagt, und über den Mann, der ihn hinters Licht geführt haben soll.

Nachdem er schon einige Jahre zuvor selbst ein bestimmtes Produkt entwickeln wollte, war er im Jahr 2015 auf das Unternehmen des Angeklagten im Bezirk Lilienfeld aufmerksam geworden. Es entwickelte genau jenes Produkt, dass es Herrn T. so angetan hatte und schien damit erfolgreich zu sein (Anm.: Der Redaktion sind die Details bekannt. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wird das Produkt hier aber nicht genannt).

Man traf sich, man redete und man verstand sich gut. Noch beim ersten Treffen wollte Herr T. als Investor einsteigen, doch der Angeklagte lehnte ab. Er brauche das Geld nicht, er habe selber mehrere Millionen und auch bereits mehrere Millionen in das Unternehmen investiert. Noch am selben Abend änderte er seine Meinung: Weil er ihm so sympathisch sei, dürfe Herr T. sich mit 10 Prozent an der Firma beteiligen. So erzählt es Herr T. Sie gaben sich die Hand drauf und das reichte dem Herrn T. – über Rechtliches sollen sie nie gesprochen haben.

Anteile gekauft und nie bekommen

Herr T. lukrierte daraufhin 80.000 aus der Schweiz und überweist es auf das Privatkonto des Angeklagten für die Weiterentwicklung des Produktes. Dann folgten weitere 35.000 Euro, weil der Angeklagte die Firma wegen Steuervorteilen in der Schweiz gründen wollte. Nachdem Herr T. das überwiesen hatte, gründete der Angeklagte aber doch nicht in der Schweiz. Er bat ihn, das Geld trotzdem in der Firma zu lassen. T. war einverstanden. Auch danach flossen immer wieder Geldbeträge von T. an die Firma, weil der Angeklagte ihm nahelegte, er könne nicht immer nur alles selbst bezahlen. Das sei nun noch kein Betrug, so der Richter.

Interessant wird es aber im Jahr 2018. Herr T. wollte damals 20 Prozent der Firmenanteile des Angeklagten für seinen Sohn kaufen. Er bezahlte 80.000 Euro dafür, die Anteile bekam er aber nie und zurück bekam er es trotz Aufforderung auch nicht. Unmittelbar nachdem die 80.000 Euro eingingen soll der Angeklagte 57.000 Euro davon auf das Firmenkonto und sein eigenes überwiesen haben. Die Firma musste dringend Schulden begleichen. Davon wusste Herr T. aber nichts. Kurz darauf kaufte sich der Angeklagte mit dem Geld der Firma einen teuren BMW für berufliche Zwecke und auch eine Villa soll er sich im angeklagten Tatzeitraum zugelegt haben.

Auch 180.000 Euro - das Geld für seine eigenen Anteile soll der Angeklagte auch nicht eingebracht haben, während Herr T. seinen Anteil sehr wohl zahlte. Zu T. soll er gesagt haben, er habe seinen eigenen Anteil bereits gezahlt. Herr T. sagt dazu: „Ich habe in der Immobilienbranche gearbeitet. Aber so einen perfekten Lügner und Hochstapler habe ich bis jetzt noch nie kennengelernt.“ Der Angeklagte protestiert gegen die Vorwürfe. Er habe extrem viel an Ideen, Arbeitszeit, auch Geld in die 2017 gegründete Firma investiert und sich nicht bereichert. Die Firma ist derzeit in Konkurs.

Verteidiger sieht keine Bereicherung

Am Ende des Verfahrens ist der Staatsanwalt klar für eine Verurteilung. Er glaubt Herrn T. Dass sich auch ein vernünftiger Mensch von einem Betrüger übertölpeln lässt, sei keine Seltenheit. Ausschlaggebend sei, dass der Angeklagte vorgab, sehr vermögend zu sein und diesen Eindruck aufrechterhielt, damit Herr T- weiterhin investierte.

Verteidiger Georg Thum sieht die Sache anders: Ja, möglicherweise habe sich sein Mandant gegenüber von Herrn T. „schöner gemacht, als er tatsächlich ist“. Aber T. habe sich dem Angeklagten als Investor ja nahezu aufgedrängt. Die Investition hätte sich über längere Zeit schon gerechnet. Bereichert habe sich sein Mandant sicherlich nicht.


Gefängnis, Schadenersatz und Berufung

Doch, das hat der Angeklagte schon, stellt der Richter fest: Mit dem Geld des Herrn T. habe der 65-Jährige sich selbst und die Firma bereichert, ohne, dass der Investor etwas davon hatte. Der Schöffensenat spricht den Angeklagten teilweise schuldig. Das Urteil: Drei Jahre Haft. Der Strafrahmen beträgt ein Jahr bis maximal zehn Jahre.

Zwei einschlägige Vorstrafen und das nicht vorhandene Geständnis des Angeklagten sind wesentliche Erschwerungsgründe. Damit ist laut Richter auch keine Fußfessel möglich.
Der Schöffensenat korrigiert die gesamte Schadenssumme von den angeklagten 446.000 Euro jedoch herunter auf 390.000 Euro. Diese Summe muss der Angeklagte dem Geschädigten als Schadenersatz zahlen. Verteidiger Georg Thum ist empört und legt Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein. Die Staatsanwaltschaft gibt keine Erklärung ab.