Ehrenamt Nikolaus: „Nähte mir eigenes Kostüm“. Wilfried Breitler und Wolfgang Schädl sehen sich als Freudenfigur.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 03. Dezember 2019 (03:07)
Wilfried Breitler, im Bild mit Enkelin Luisa, besucht seit 43 Jahren Kinder wie Erwachsene als Nikolo. Breitler
Breitler

Nüsse, Orangen, Schokolade: Gaben, die der heilige Nikolo damals wie heute in seinem Geschenkesack mitführt. Erinnerungen von damals werden heute wieder wahr, wenn ihm Eltern mit ihren Kindern begegnen. In Rohrbach ist der Nikolo von 2019 derselbe Mann wie jener in der Kindheit vieler Rohrbacher. Seit fast 43 Jahren ist Wilfried Breitler der Nikolo der Dorfgemeinde. Von der Kindergartentante wurde er einst angesprochen, ob er denn nicht als heiliger Mann die Kinder besuchen wolle. Er ließ sich nicht lange bitten. Bis heute versteht er sich als „Sendbote Gottes“, wie er betont. Seither besucht er die Kindergärten und manchmal auch Volksschulkinder im Ort, auch in anderen Gemeinden war er schon mit Mütze und Bart zu Gast.

Der Traisner Wolfgang Schädl hat sich sein zweites Nikolokostüm selbst genäht. Schädl
Schädl

Was Breitler als Nikolo im Gölsental hervorstechen lässt: Er besucht nicht nur Kinder, sondern zieht durchs Rohrbacher Gemeindegebiet und beschenkt die Bürger mit selbst gefärbten goldenen Nüssen, sei es nun auf offener Straße, in Geschäften oder der Ordination der Gemeindeärztin. Die Freude sei auch bei den Großen über die kleine Geste gegeben. „Eine Dame hat mich einmal sogar gefragt, was sie denn für die Gabe schuldig sei“, schmunzelt er. Natürlich verlangt Nikolo Breitler in seiner privaten ehrenamtlichen Mission von niemandem Geld. Die Kinder seien einst wie jetzt erfreut über den Besuch des heiligen Mannes, manche ein wenig verschreckt. „Ich bin aber kein Moralapostel“, betont er.

Daher hätte er es vor vielen Jahren verweigert, im ehemaligen Kinderheim Edelhof aus einem goldenen Buch die dortigen Kinder mit ihren guten und schlechten Eigenschaften zu konfrontieren. Denn das ist für ihn klar: „Einschüchtern möchte ich niemanden.“ Die Botschaft des mittlerweile 71-Jährigen an Jung wie Alt lautet: „Es zahlt sich einfach aus, gut zu sein!“

Er ist indes als Traisner Nikolo bekannt: Wolfgang Schädl. Seit 37 Jahren übt er nun stolz dieses „Amt“ aus. Wie er dazu kam, erinnert er sich noch ganz genau: „Im damaligen Kaffeehaus Lurger wurde ein Nikolo gesucht, da hat man mich spontan gebeten.“ Damals borgte sich er vom Traisner Pfarrer die Robe aus. Da er aber 1,90 Meter groß ist, war diese relativ kurz.

„Ein Kind war ganz erstaunt, dass ein Nikolo Jeans unter der Robe trägt“, erzählt er, dass er eben „ein moderner Nikolo“ sei. Das Nikolodasein machte ihm so großen Spaß, dass er es von nun an fortsetzte. Bis heute. „Meine Mutter nähte mir damals ein Gewand, welches gute Dienste leistete. Vor einigen Jahren zerfiel leider der Stoff und ich nähte mir mein eigenes Nikolokostüm“, berichtet er.

„Ich werde sicher keinem Kind als Nikolo sagen: Du darfst nicht mehr bettnässen!“ Wolfgang Schädl, Traisner Nikolo

Der 53-Jährige besucht Volksschule wie Kindergärten und kommt im Rahmen der Kinderfreunde als Nikolo auf Bestellung nach Hause. Das Verhalten der Kinder hätte sich in den letzten vier Jahrzehnten nicht verändert, bei jenen, die sich fürchten, macht er sich klein, um ihnen die Scheu zu nehmen. Was ihm ganz wichtig ist, zu betonen: „Ich habe den Nikolo nie zur Erziehungsmaßnahme gesehen, sondern als eine Person, die Brauchtum weitergibt.“ Manch abstrus wirkende „Wünsche“ der Eltern verweigert er, zu sagen. „Ich werde sicher keinem Kind als Nikolo sagen: Du darfst nicht mehr bettnässen“, unterstreicht Schädl. Denn das Schönste für ihn ist, das Lächeln und die strahlenden Augen der Kinder zu sehen.

Umfrage beendet

  • Feiert ihr das Fest des Heiligen Nikolaus?