Eschenau: 78 Prozent pendeln. Höchste Auspendlerquote für Ökodorf, niedriger Wert für Stadt Lilienfeld.

Von Markus Zauner und Gila Wohlmann. Erstellt am 10. Dezember 2019 (03:49)
Andreas Klos am Bahnhof Hainfeld, von dem aus er täglich nach St. Pölten pendelt. Robert Steineck
Robert Steineck

Seit 1984 ist Andreas Klos Bahn-Pendler. Der Hainfelder Vizebürgermeister fuhr 20 Jahre als Exekutivbediensteter in die Meidlinger Gendarmeriekaserne. Zwei Stunden war er damals unterwegs, um ans Ziel zu gelangen.

„Dass sich die Fahrzeiten im Vergleich zu früher jetzt so verkürzt haben, ist wirklich sehr angenehm“, betont er. Von St. Pölten brauche man nach Meidling heute lediglich 20 Minuten. „Das wäre damals für mich von großem Vorteil gewesen“, sagt Klos, der seit 2003 „nur“ noch von Hainfeld nach St. Pölten pendelt, wo er in der Landespolizeidirektion Niederösterreich beschäftigt ist.

„Der Anteil unserer Auspendler wird auch in Zukunft mit dem Anstieg der Bevölkerung steigen.“ Eschenaus Bürgermeister Alois Kaiser

Apropos Hainfeld: Das ist jene Gemeinde im Bezirk, die von 1991 bis 2017 die höchste Steigerung der Auspendlerquote (plus 18,5 Prozent) zu verbuchen hat. Das geht aus einer Auflistung der Rechercheplattform „addendum“ hervor. „Hainfeld ist auch die Gemeinde, die sich seit 1991 am meisten verändert hat“, analysiert Bürgermeister Albert Pitterle und verweist auf die positiven Aspekte: „In Hainfeld finden mit 1.713 Personen die meisten Menschen im eigenen Ort einen Arbeitsplatz im Bezirk. Der Pendlerindex mit 220 Prozent ist der höchste im Bezirk, und Hainfeld hat mehr Einpendler als Auspendler.“ Die Steigerungen seien durch bessere Ausbildungen, flexibler Beschäftigte und mehr Arbeitsplätze in den Ballungsräumen Wien und St. Pölten, aber auch in Hainfeld erklärbar, ergänzt Pitterle.

Auf eine nur minimal höhere Auspendlerquote als Hainfeld (57,4 Prozent) kann Hohenberg (58,1 Prozent) verweisen. Das bedeutet im Bezirksranking hinter dem Führungstrio Annaberg (48,4 Prozent), Lilienfeld (52,2 Prozent) und St. Aegyd (52,9 Prozent) sowie eben Hainfeld Platz fünf. Für Hohenbergs Bürgermeister Heinz Preus ist das gute Abschneiden ein Beweis dafür, dass es sich auszahlt, die Entwicklung beziehungsweise Vergrößerung von Betrieben zu fördern. „Wenn es möglich war, haben wir in Hohenberg Flächenumwidmungen durchgeführt“, schildert Preus ein Beispiel. In eine ähnliche Kerbe schlägt Lilienfelds Bürgermeister Wolfgang Labenbacher. Bei der Firmengruppe Neuman-Prefa habe die Gemeinde in der Vergangenheit alle Ausbaumaßnahmen unterstützt. Zusammen mit dem Landesklinikum als zweitgrößtem Arbeitgeber in der Bezirkshauptstadt, das auch stets auf Hilfe der Stadt zählen könne, und dem geschaffenen Betriebsgebiet Perlmoos seien wesentliche Gründe vorhanden, „dass viele nicht auspendeln müssen“, betont Labenbacher.

Schlusslicht in der „addendum“-Auswertung ist Eschenau, das mit 77,7 Prozent die höchste Auspendlerquote ausweist. Die Gründe liegen für Bürgermeister Alois Kaiser auf der Hand: „Die günstige Lage zwischen der Bezirkshauptstadt und der Landeshauptstadt macht uns zu einer beliebten Wohngemeinde in ruhiger Lage. Der Anteil unserer Auspendler wird auch in Zukunft mit dem Anstieg der Bevölkerung steigen.“ Denn Eschenau als Zuzugsgemeinde habe in den letzten 20 Jahren einen deutlichen Anstieg von 1.016 auf 1.320 Einwohner zu verbuchen. „Gleichzeitig fehlt unserer Gemeinde aber die Möglichkeit für Betriebsansiedelungen“, weiß der Ortschef.

Dieser Pendler-Report wurde mit Daten der Rechercheplattform „addendum“ der Quo Vadis Veritas Redaktions GmbH. erstellt.