EU-Vorgabe: Auf die Weide mit den Pflanzenfressern!

Ab heuer müssen Kühe, Schafe, Ziegen und Equiden regelmäßig auf Grünflächen. Im Bezirk Lilienfeld sind die Möglichkeiten meist gegeben.

Erstellt am 12. Januar 2022 | 05:38
Lesezeit: 2 Min
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Die Charolais-Rinder der Familie Heinz-Buchhas kommen regelmäßig raus. Im Bild Jungbäuerin Nadine Buchhas mit Tochter Anna. Buchhas ist mit Leib und Seele Landwirtin, ebenso Seniorbäuerin Vroni Heinz.
Foto: Heinz

Bis Jahresende galt die Übergangsfrist, jetzt ist es Pflicht: Ab 2022 müssen Bio-Betriebe all ihren Pflanzenfressern Zugang zu Weideflächen gewähren, wann immer es die Umstände wie Witterung, Bodenzustand und jahreszeitliche Bedingungen (Saison) erlauben.

Als Weidesaison gelten die Monate April bis Oktober, wobei das Weiden während der Wintermonate nicht verboten ist. Dabei muss der Tierbesatz auf der Fläche so sein, dass eine Überweidung, Zertrampeln des Bodens, Erosion und Umweltbelastungen möglichst geringgehalten werden.

Akzeptable Gründe für die Nichteinhaltung der Vorgaben: nicht passende Witterung, klimatische Bedingungen und der Zustand des Bodens sowie Bestimmungen zum Schutz von Mensch und Tier wie Seuchenfall.

Hermann Kraushofer vom Biohof „Rosenöd“ in Inzenreith, der für seine Schafmilchprodukte bekannt ist, nimmt es locker: „Wir machen das schon immer so. Unsere Schafe sind nicht nur im Laufstall, sie kommen regelmäßig, auch im Winter, auf die Weide.“ Aufgrund der exponierten Berglage seines Hofs und ausreichend Flächen ist bei ihm die Umsetzung der Weidepflicht kein Problem.

Wir machen das schon immer so. Unsere Schafe kommen regelmäßig auf die Weide.“ Hermann Kraushofer Bio-Landwirt aus Eschenau

Bezirksbauernkammerobmann Rudolf Buchner vom Traisner Hubhof ist kein Bio-Bauer. Mit seinem Vorgänger Reinhold Mader aus St. Veit, der ebenfalls kein Bio-Landwirt ist, gibt er sich einhellig: „Da bei uns die meisten Gehöfte in Streulagen sind und viele die Möglichkeit haben, die Tiere auszutreiben bzw. ausreichend Weideflächen haben, wird die Umsetzung nicht so kompliziert sein.“ Andere Regionen, wie das Waldviertel, seien da mit großen Herausforderungen konfrontiert. „Dort liegen viele Höfe mitten im Ort. Da wird es schwierig, diese regelmäßig auf eine Weide zu bringen und wieder einzutreiben“, meint er.

Die langjährige Bezirksbäuerin Vroni Heinz aus Hainfeld betreibt mit ihrer Familie eine Bio-Landwirtschaft. „Wir haben einen Laufstall. Die vorgegebenen Tage der Weidepflicht können wir bei normalen Witterungsbedingungen leicht erfüllen. Außerdem gibt es einen befestigten Auslauf.“ Sie weiß jedoch, dass für Landwirte, die ihre Weiden nicht direkt neben dem Anwesen haben, die Durchführung sehr umständlich ist. „Wenn die extra ihre Tiere verladen müssen, ist das eine Katastrophe.“

Dass das Tierwohl gefördert wird, begrüßt sie, ortet in der verschärften Auflage aber mitunter als Grund, dass „die Bioschiene bislang den Spielraum ließ, frei zu entscheiden“. Einige hätten deswegen, obwohl sie die Möglichkeit gehabt hätten, die Tiere aus Bequemlichkeit nicht regelmäßig rausgegeben.

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