Fasten im Trend: „Es geht immer um das Zuviel“. Ärztevertreter Friewald rät, mitunter weniger zu essen. Intervall- und Heilfasten boomen laut Diätologin Mitterböck.

Von Markus Zauner. Erstellt am 25. Februar 2020 (03:56)
Fasten auf andere Art: Im Stift Lilienfeldladen Gästezimmer ein, um zur Ruhe zu kommen.
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 „Weniger am Teller“: Diesen Vorsatz fassen viele mit Beginn der Fastenzeit. „Der Insulinspiegel sinkt, der Stoffwechsel regeneriert sich: Fasten ist auf jeden Fall sinnvoll“, weiß Bezirksärztevertreter Richard Friewald.

Konkrete Ratschläge, worauf verzichtet werden soll, will der Mediziner nicht erteilen. Im Vordergrund solle das Reduzieren stehen: „Es geht immer um das Zuviel.“ Friewald selbst fastet regelmäßig, was bei ihm den befristeten Umstieg auf vegane Ernährung bedeutet. Das Allerwichtigste sei stets ausreichend zu trinken, appelliert Friewald.

Fleisch, Zucker und Alkohol zählen zu den Klassikern, die aus dem Alltag gestrichen werden, um zum Beispiel Gewicht zu reduzieren, weiß die Lilienfelder Diätologin Daniela Mitterböck. Aktuell boomen laut ihr das Intervallfasten und das Heilfasten (siehe Info-Box).

„Klar festzuhalten ist, dass das Heilfasten nur für den Gesunden geeignet ist, denn der Körper wird einer Extremsituation ausgesetzt“, betont die Diätologin. Heilfasten werde fälschlicherweise oft auch als Methode zur Gewichtsreduktion angesehen. „Dabei handelt es sich um einen Mythos. Denn Tatsache ist, diese Art von Fasten ist keine ,Diät‘, sondern ein Neustart für den gesamten Organismus. Die in dieser Zeit verlorenen Kilos baut der Köper nach Beendigung der Fastenphase rasch wieder auf, um für eine eventuell wiederkehrende Hungerperiode gestärkt zu sein“, klärt Mitterböck auf.

Untersuchungen zeigen indes laut Diätologin eine positive Auswirkung des Intervallfastens auf die Stoffwechselsituation. Allerdings: „Langzeitstudien dazu sind leider noch ausständig. Der Trend zeigt jedoch, dass oftmals bei dieser Methode eine ausgewogene Nahrungszufuhr zu kurz kommt und gesundheitsförderliche Lebensmittel wie Gemüse und Obst kaum gegessen werden“, so Mitterböck. Ebenso bestehe die Gefahr, dass Praktizierende bei dieser Methode wichtige Mahlzeiten streichen und daher Defizite in der Nährstoffzufuhr aufweisen. „So kommt man auch hier nicht um die klassische gesunde Ernährung herum“, sagt die Expertin.

Entscheidend für die geeignetste Fasten-Form sei oft der Alltag. „Schichtarbeiter werden mehr Schwierigkeiten haben, die Methode des Intervallfastens zu integrieren, als zum Beispiel nur auf Zucker zu verzichten“, bringt Mitterböck ein Beispiel. Der Appell der Diätologin: „Nutzen wir die Fastenzeit als Einstieg in ein gesunderes Ernährungsverhalten, so wird der Erfolg auf Dauer sein.“

Angebot: Ruhe im Stift Lilienfeld finden

Eine andere Art des Fastens bietet das Stift Lilienfeld mit den „Tagen der Stille“. Das Kloster hat Zimmer (ohne Fernseher und Internet), in denen Übernachter stets willkommen sind. Der Gästetrakt, der im 17. Jahrhundert gebaut worden ist und dadurch das barocke Flair eines österreichischen Stiftes mit großer Raumhöhe und breiten Gängen gut vermittelt, liegt in einer Zone des Stiftes, die für Tagestouristen nicht zugänglich und dadurch besonders ruhig ist. „In diesem Gästetrakt lässt sich besonders gut Abstand vom Trubel des Alltags und vom ,Stress der Welt‘ gewinnen“, informiert Stiftsabt Pius Maurer.

Immer wieder bekomme man von Gästen die Rückmeldung, wie beeindruckend diese Räume, Gänge und Gästezimmer seien, freut sich Pius Maurer.

Besucher, die Aufnahme finden, seien eingeladen, mit den Mönchen zu beten. „Es sind aber alle Gäste herzlich willkommen, unabhängig davon, ob sie bei uns mitbeten oder nicht. Und auch unabhängig davon, welcher Religion sie angehören“, unterstreicht der Abt.

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