Hundehaltegesetz: Viel Skepsis zu neuer Regelung. Generelle Beißkorb- und Leinenpflicht löse Probleme nicht, so der Tenor im Bezirk Lilienfeld. Hundeerziehung sei wichtiger.

Von Gila Wohlmann und Markus Zauner. Erstellt am 12. November 2019 (05:40)
Erich und Gudrun Lux mit Retriever-Mischling „Nolo“, 10 Jahre, und Annemarie Lux mit Hovawart-Mischling „Pippi“, 13 Jahre, können dem neuen Hundehaltegesetz nur wenig abgewinnen. privat
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Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich im Bezirk um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Für „übertrieben“ hält etwa Heidi Heistermann vom Hunderennsportverein Hohenberg das neue Gesetz. Sie appelliert vielmehr an die Eigenverantwortung der Hundehalter, die ihren Vierbeiner am besten kennen würden. „Einen aggressiven Hund nehme ich nicht mit ins Restaurant. Und auf einen Kinderspielplatz gehe ich auch nicht mit dem Hund“, betont Heistermann.

„Ich glaube nicht, dass sich die Mehrzahl der Bissunfälle durch die Auferlegung einer generellen Beißkorb- und Leinenpflicht in Gasthäusern und bei Menschenansammlungen verhindern lässt. Viele Unfälle passieren leider im familiären Umfeld und werden oft gar nicht zur Anzeige gebracht“, gibt Ulrike Hirtl, Tierärztin in Traisen, zu bedenken.

"Gefährlichkeit eines Hundes ist nicht abhängig von Rasse oder Größe, sondern von der Erziehung" Tierarzt Franz Plank

Viel wichtiger wäre es, dass sich zukünftige Hundebesitzer über das Sozialverhalten von Hunden im Vorfeld informieren und Kinder im Umgang mit Hunden geschult werden, meint Hirtl. Ihr Fazit: „Das einzig ,Gute‘ an dem neuen Gesetz ist, dass endlich einmal alle Rassen als mögliche Beißer genannt werden und nicht nur die sogenannten ,Listenhunde‘“.

Auch der Traisner Tierarzt Franz Plank, selbst Besitzer einer reinrassigen deutschen Schäferhündin, glaubt nicht, dass dieses Gesetz zielführend ist. „Die Gefährlichkeit eines Hundes ist nicht abhängig von Rasse oder Größe, sondern von der Erziehung. Das Problem liegt meist am anderen Ende der Leine.“ Das Tragen eines normalen, gut sitzenden Maulkorbes, also keiner Maulschleife, die dem Tier den Mund komplett versperrt, sieht er nicht als gesundheitliche Beeinträchtigung. Dennoch findet Plank es nicht sinnvoll, dass ein Vierbeiner permanent in der Öffentlichkeit einen Beißkorb trägt: „So ein Gesetz muss genau und überlegt definiert sein, für welche Bereiche die Maulkorbpflicht gilt.“

Auf Mängel des Gesetzes macht auch Heinz Heistinger, Präsident der Tierärztekammer NÖ und Betreiber der Tierklinik Lilienfeld, aufmerksam: „Die Ausnahme der Beißkorbtragepflicht in Lokalen bei Kleinstrassen ist fachlich nicht argumentierbar. Minihunde in Handtaschen stellen zum Beispiel beim Anstellen bei Heurigenbuffets nicht nur ein Sicherheitsrisiko dar, sondern sind ebendort auch aus lebensmittelhygienischen Gründen abzulehnen.“ Klar sei auch, dass jeder Gastwirt über das Hausrecht verfüge, um selbst zu bestimmen, wer in sein Lokal dürfe und wer nicht. „Am besten ist es, dass ein Hund im Vorhinein gar nicht in ein Lokal mitgenommen wird, wenn es offensichtlich zu Problemen mit anderen Gästen und/oder Stresssituationen für den Hund kommen kann“, empfiehlt Heistinger, der selbst Hundebesitzer ist.

Der Hainfelder Unternehmer Erich Lux hält den zehnjährigen Golden-Retriever-Mischling „Nolo“, seine Mutter Annemarie Lux die 13-jährige Mischlingshündin „Pippi“. Diese werden auch regelmäßig zu Veranstaltungen, bislang ohne Beißkorb, mitgenommen. Probleme gab es laut dem Baumeister noch nie. Zum Gesetz meint Lux: „Es ist traurig, wenn man so etwas regulieren muss. Viele Hundehalter wissen aber leider nicht, was ihr Hunde können oder eben nicht.“ Sogenannten „Listenhunden“ steht er eher skeptisch gegenüber: „Leider beweisen immer wieder Negativbeispiele, dass bei diesen Rassen sichtlich ein gewisses Gefährdungspotenzial, insbesondere bei mangelnder Erziehung und Kompetenz des Hundehalters, vorliegt.“

Anzeigen im Bezirk leicht gestiegen

Apropos Gesetzesänderung: Neu ist auch, dass Gemeinden einen „sensiblen Ort“ bestimmen können, wo Hunde, so wie in Lokalen oder vor Schulen, einen Beißkorb tragen und angeleint sein müssen. Ob es dazu etwa in der Bezirkshauptstadt kommt, sei noch offen, bestätigt Bürgermeister Wolfgang Labenbacher. Damit müssten sich erst die Gremien beschäftigen.

Die Anzeigen nach dem Hundehaltegesetz steigen bezirksweit indes leicht. 2018 landeten bei der Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld 14 Anzeigen, von Jänner 2019 bis 7. November 2019 stehen 17 zu Buche.

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