Kalter Frühling als Segen für unsere Bauern. Viel Feuchtigkeit und niedrige Temperaturen freuen Land- und Forstwirte: Der erste Schnitt sieht gut aus, der Schadholzanfall durch Borkenkäfer ist derzeit gering.

Von Teresa Lobinger. Erstellt am 02. Juni 2021 (05:02)
In Hainfelds „Mein Kaffee“ wurde trotz des Lockdowns und des schlechten Wetters die Eisvitrine an den sonnigeren Tagen bisher gut besucht, freut sich Markus Lampl.
Hörtzer, Hörtzer

Nass, kalt, dicke Luft vor lauter Ärger über den ausbleibenden Sommer? Mark Twain sagte: „Jeder schimpft auf das Wetter, aber keiner tut etwas dagegen.“ Das ist so nicht ganz richtig, denn Daniela Biberle aus Türnitz klärt auf und weiß, dass dieser Mai gar nicht so schlecht war. Beim Blick auf ihre Messdaten zeigt sich, dass der Niederschlag heuer im Mai sogar weniger als die letzten drei Jahre war.

Auch bei den Temperaturen gibt es wahrscheinlich keinen argen Ausreißer. „Es war der heurige Mai zwar keineswegs schön, aber die Niederschlagsmengen waren trotzdem weniger als in den vergangenen Jahren“, sagt Daniela Biberle. Man habe ein anderes Empfinden, „weil es immer wieder geregnet hat, nie aber wirklich viel“.

Nicht der Mai, der April fiel aus der Rolle

Klar ist hingegen, dass der April heuer viel zu kalt war: „Die Temperaturen waren viel geringer als die vergangenen Jahre, es gab auch 37 Zentimeter Schnee. Nur im April 2017 gab es sogar noch mehr weiße Pracht mit 88 Zentimeter“, schildert Daniela Biberle.

Sie kommt zu dem Schluss: „Zumindest bei uns in Türnitz sind diese Werte heuer alle nichts besonderes, es ist regional oft sehr unterschiedlich, ein paar Kilometer weiter kann es manchmal schon ganz anders ausschauen.“

Daniela Biberle aus Türnitz ist eine echte „Wetter-Fröschin“ und liebt die Messdaten.
privat

Biberle hat die Wetterstation von ihrem verstorbenen Stiefvater übernommen, der diese seit 1988 für das Amt der NÖ Landesregierung geführt hat: „Es war für mich ganz klar, nach seinem Tod, diese weiterzuführen, weil ich einfach damit aufgewachsen bin und mich die Entwicklungen auch sehr interessieren.“

Man wisse von einem Jahr auf das andere nicht, wie das Vorjahr war. „Dann nehme ich meine Ordner raus und es zeigt sich, dass es eh nichts besonderes ist, was sich da grad tut“, lacht Biberle. Und bekräftigt: „Der Jahresniederschlag hält sich auch fast jedes Jahr ungefähr die Waage.“

Der Begriff „Wonne-Monat“ leite sich von der Weide ab und „ein kühler, feuchter Mai wird auch in Bauernregeln als positiv für die Pflanzen genannt“, weiß Bezirksbauernkammer-Obmann Reinhold Mader. Bei den Wiesenflächen im Bezirk sieht der erste Schnitt gut aus, herausfordernd ist die Ernte aber wegen der kurzen Zeitfenster mit schönem Wetter, bestätigt er.

Für Franz Hollaus vom Grillenberg in Traisen und seinen Obstbau am Bio-Betrieb waren der kalte, nasse April und Mai ein Segen: „Es gab keine nennenswerten Frostnächte, die den Blüten geschadet hätten. Auch die Bestäubung durch Insekten funktionierte in den Regenpausen trotz Kälte. Es waren vorwiegend Hummeln, die man auf den Bäumen antraf.“ Die Vegetation sei im Gegensatz zum Vorjahr sicher zwei Wochen im Rückstand, was jedoch kein Nachteil sei: „Ein spätes Jahr ist ein gutes Jahr“, wussten schon die Ahnen.

Jetzt hofft die Familie Hollaus trotzdem auf genügend Sonnenschein und Wärme, damit die Früchte ausreichend Zucker bekommen. „Unsere alten Streuobstbäume sind ein etwas raueres Klima gewöhnt“, meint Hollaus. Die hätten mehr Probleme mit langen Hitzeperioden, wie sie in den letzten Jahren durch die Klimaveränderung aufgetreten seien. „So sehr auch ich die Sonne und die Wärme bevorzuge, um gesunde regionale Lebensmittel zu produzieren, brauchen wir genügend Regen“, unterstreicht der Bio-Bauer.

Der Borkenkäfer ist sehr zurückhaltend

Ebenfalls als „Segen“ bezeichnet Fortsekretär Johann Haas von der Bezirksbauernkammer die Niederschläge, vor allem nach den Trockenphasen der letzten Jahre: „Aufgrund der kühlen Temperaturen in Kombination mit dem Regen ist die Borkenkäferentwicklung sehr gehemmt und der Schadholzanteil fällt zur Zeit im Bezirk Lilienfeld sehr gering aus.“

Aufgrund der nassen Bodenbedingungen könne sich die laufende Holzernte gebietsweise etwas schwierig gestalten, doch „für die Aufforstungsflächen und Forstpflanzen wirkt sich das Nass auf jeden Fall sehr positiv aus“, sagt Haas.

Trotz Kälte wurde nicht auf das Eis verzichtet

Leider war der Wettergott nicht sehr gnädig, aber die Hardcore-Eisfans schlagen auch bei nicht so sonnigem Wetter zu, heißt es aus Lilienfelds Eisliebe. „So lange es nicht wie aus Kübeln schüttet, ist der Eisabsatz eigentlich ganz okay“, erzählt Florian Hink.

Eins ist zudem klar: „Je heißer es ist, umso mehr greifen die Kunden zu Saurem, also Fruchteis und Sorbet“, bestätigt Anna Mahonie von der Süßmeisterei in St. Aegyd. Noch einen Trend erkennt sie: „Weg von spacigen Farben, echte Schokolade, Früchte selbst kochen, zurück zur Natur. Denn man darf die Leute nicht für dumm verkaufen, sie haben Geschmack!“

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