Kinderarzt-Misere im Bezirk: Nächste Pleite ist gewiss. Neue Ausschreibung für Kinderarztstelle im Bezirk Lilienfeld wieder ohne Bewerber. NEOS thematisieren Misere und ernten Kritik.

Von Markus Zauner. Erstellt am 16. September 2020 (04:00)
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Die „unendliche Geschichte“ um die einzige Kassen-Stelle im Bezirk für Kinder- und Jugendheilkunde ist um eine Facette reicher. Auch der erst vorgestern zu Ende gegangene neue Besetzungsversuch hat nichts gebracht. „In dieser Ausschreibungsrunde haben sich keine Bewerber auf die freie Stelle gemeldet“, bestätigt Barbara Mann von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK).

Bis Ende 2016 hat Bettina Steininger in der Bezirkshauptstadt ordiniert. Seit 1. Jänner 2017 ist ein Kinderarzt mit Kassenvertrag eine Fehlanzeige. Das verkünden nun auch die NEOS. „Im Bezirk Lilienfeld gibt es überhaupt keinen Kassenarzt mehr, der sich mit Kinder- und Jugendheilkunde befasst. Das geht aus einer Anfragebeantwortung hervor“, heißt es in einer aktuellen NEOS-Presseaussendung. Für diese „späte“ Feststellung gibt es gleich Häme von Lilienfelds ÖVP-Bürgermeister Wolfgang Labenbacher: „Das zeigt doch, dass die NEOS in Niederösterreich nicht wirklich verankert und auf keinem für die Landespolitik notwendigen Informationsstand sind. Nur gehässige und zynische Reden im Parlament halten hilft niemandem.“ Falls es bei den NEOS einen Kinderarzt gebe, der bereit sei, in Lilienfeld eine Kassenstelle zu übernehmen, werde man sie/ihn aber „dabei unterstützen“, versichert der Ortschef.

Stelle erneut ausgeschrieben

Ein neuer Versuch, um zum Erfolg zu kommen, ist bereits angelaufen. Die vakante Kassen-Stelle wurde erneut zu Mindestordinationszeiten von zehn Stunden an zwei Tagen die Woche ausgeschrieben. „Die Ordinationsstätte kann vom Bewerber im gesamten Bezirk Lilienfeld frei gewählt werden“, präzisiert Barbara Mann von der ÖGK.

NEOS-Gesundheitssprecherin Edith Kollermann warnt in diesem Zusammenhang vor einem sich landesweit zuspitzenden Vertragsärztemangel in der niedergelassenen Kinder- und Jugendheilkunde. „Wir haben in Niederösterreich mittlerweile eine Situation, die für Eltern und Kinder inakzeptabel ist“, erklärt sie am Beispiel Lilienfelds. Kollermanns Fazit: „Wer es sich leisten kann, geht mit den Kindern zum Wahlarzt. Wer es sich nicht leisten kann, bleibt zu Hause und hofft auf Besserung. Das ist keine Perspektive für ein lebenswertes Niederösterreich.“