Musikschulen im Lockdown: Dankbar für das Musizieren. Bezirk Lilienfeld: Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Teresa Lobinger. Erstellt am 14. April 2021 (04:00)
Hanna und Sophia Lechner von der Musikschule St. Veit freuen sich, dass es Musikunterricht gibt. 
Hörtzer

Die Ausnahmesituation der Corona-Krise hat neue Erfahrungen in den Unterricht miteingebracht. Diese sollen zum Teil im Normalbetrieb fortgesetzt werden.

Allgemein brachte das Musizieren über Online-Schooling zwar einige Schwierigkeiten ein, aber auch mehr Selbstständigkeit, wissen Claudia Krones, Leiterin des Musikschul-Verbandes St. Veit - Traisen - St. Aegyd - Hohenberg, und Rudolf Ringer, Leiter des Gemeindeverbandes der Musikschule Lilienfeld.

„Selbst Erwachsene können vom Musizieren profitieren – es mobilisiert das Gehirn und produziert Glückshormone.“ Rudolf Ringer, Musikschulleiter

„Im Lockdown wird der Unterricht durch Telefonieren oder verschiedene Videotelefonie-Plattformen abgehalten. Jeder Lehrer vereinbarte das mit seinen Schülern und deren Eltern individuell nach den jeweiligen Voraussetzungen“, so Krones. Die Musikschullehrer verwenden dafür ihre privaten technischen Geräte. Für Ringer übrigens ein Punkt, in den investiert werden muss: die Musikschul-Infrastruktur. So können zukunftsorientierte Rahmenbedingungen geschaffen werden. Generell lägen die Probleme bei der Stabilität der Internetverbindung und vereinzelt bei der fehlenden digitalen Ausrüstung seitens der Schüler, sagt Krones. Das bestätige sich zudem beim Tanz-Unterricht: „Ein größerer Bildschirm, als der des Smartphones, wäre erforderlich, um bei der Bewegung durch den Raum auch noch einen Blick auf die Lehrperson werfen zu können“, veranschaulicht Krones.

Findet Fernunterricht statt, verbinden sich die Musikschulpädagogen via Skype, Zoom oder YouTube mit den Musizierenden. Elementare Musikpädagogik, etwa Almi TV mit Lehrerin Almalyn Griesauer, sei bei den Kleinsten im Vorschulalter nicht mehr wegzudenken, ist Rudolf Ringer stolz. Vieles, das im Präsenzunterricht nebenbei geschieht, sei nun schwierig: „Wenn besonders Anfänger im Fernunterricht die Gitarren, Violinen oder das Violoncello noch nicht stimmen können.“ Die Herausforderungen seien sehr unterschiedlich, stellt Ringer klar: „Im Fernunterricht ist das gemeinsame Zusammenspiel leider nicht möglich, so ist der didaktische Ansatz ein völlig anderer.“

„Im Fernunterricht ist das gemeinsame Zusammenspiel leider nicht möglich, so ist der didaktische Ansatz ein völlig anderer.“

An ein Präzisieren der Tonqualität sei beispielsweise nicht zu denken, so Claudia Krones: „Und doch ist Musikunterricht vielschichtig und die Aufmerksamkeit wird auf andere Details gelegt, etwa Musiktheorie.“ Ein weiterer problematischer Aspekt für Krones ist die häusliche, räumliche Situation der Schüler. Es gebe keinen ungestörten Platz zum Üben: „Manche trauen sich nicht, vor der versammelten Familie zu spielen und zu singen. Die geschützte Unterrichtssituation in der Schule zu zweit mit dem Lehrer fehlt.“

Andererseits sei die Mithilfe der Eltern, vor allem bei jüngeren Musikern in der Anfangsphase, wesentlich. „Das führte in einigen Fällen dazu, dass die Eltern ihr Instrument aus der Versenkung holten, um mit ihrem Kind zu musizieren“, schmunzelt Krones. Ein guter Austausch mit den Eltern sei sehr wichtig, um unterstützend eingreifen zu können. Dass die Kinder durch den digitalen Unterricht viel selbstständiger werden, beobachtet auch Rudolf Ringer. Beim Suchen der Takte oder Saiten des Instruments ist die direkte Hilfe der Lehrperson nicht mehr möglich. Ebenso könne die Motivation durch das noch intensivere Eingehen auf die Schüler, den Musikstil betreffend, gesteigert werden.

„Selbst Erwachsene können vom Musizieren profitieren – es mobilisiert das Gehirn und produziert Glückshormone.“ Rudolf Ringer, Musikschulleiter

Und Ringer denkt noch weiter: „Die Belastungen im Pflichtschulbereich und die Anforderungen an Selbständigkeit sind enorm. Da bietet sich das Musizieren als kreativer und schöner Zeitvertreib an. Musik kann Balsam für die Seele sein, aber auch die geistige und soziale Entwicklung von Kindern fördern. Selbst Erwachsene können vom Musizieren profitieren – es mobilisiert das Gehirn und produziert Glückshormone.“

„Die Belastungen im Pflichtschulbereich und die Anforderungen an Selbständigkeit sind enorm."

Grundsätzlich könne man feststellen, dass der Musikunterricht dankbar angenommen wird. 280 Kinder, Jugendliche und Erwachsene erlernen im Gemeindeverband der Musikschule Lilienfeld das Musizieren. Die Schülerzahlen konnten gehalten werden, einzig bei den tiefen Blasinstrumenten wie Tuba, Posaune oder Bariton „würden wir uns mehr Zugang wünschen. Das Thema Neueinsteiger und Bewerbung wird jedoch eine große Herausforderung“, so Ringer. Im Gemeindeverband von Claudia Krones sind es aktuell 535 Schüler, die von 19 Lehrern betreut werden.

Ein Bühnen-Auftritt vor Publikum kann jedoch durch nichts ersetzt werden. Übertrittsprüfungen, auch Abschlusskonzerte unter freiem Himmel sind angedacht. Aber das steht momentan alles noch in den Sternen.

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