Nach Lockdown: Wirte erwarten verhaltenen Start. Bezirk Lilienfeld: Gastronomen rechnen mit keinem Ansturm zur Öffnung und befürchten Konflikte und Diskussionen mit Testgegnern.

Von Teresa Lobinger und Eva Steyrer. Erstellt am 18. Mai 2021 (03:00)
Vorsichtig optimistisch zeigen sich Rohrbachs Gastwirt Johann Linsbichler und dessen Köchin Janja Pratljajic bezüglich der Öffnung der Gastronomie ab 19. Mai. Mit „Essen auf Rädern“ und dem Abhol- und Lieferservice wurde der Kochlöffel hier ohnehin nicht zur Seite gelegt.
Steyrer, Steyrer

„Der 19. Mai ist ein Mittwoch und somit eigentlich unser Ruhetag“, aber mit einem großen Gäste-Ansturm rechnet der Kaumberger Gastronom Walter Halbwax ohnehin nicht.

Auch bei vielen anderen Gastronomen sind die Erwartungen eher gedämpft und sogar verbunden mit Sorgen. Denn so wie Walter Halbwax fürchten viele Wirte, dass die Gäste kein Verständnis für die einzuhaltenden Auflagen zeigen werden. „Wir kennen das aus der Zeit vor dem Lockdown, diese Diskussionen sind mühsam und kräftezehrend; auf der anderen Seite muss man aufpassen, diese Gäste nicht zu verlieren“, schildert Halbwax und verweist dabei auf Betriebe, die sich – wie im letzten Lockdown – einfach nicht an die Auflagen halten würden. „Aber ich zähle darauf, dass unsere Stammgäste Verantwortung zeigen und die anderen Gäste schützen, in dem sie die Auflagen ernst nehmen“, unterstreicht Halbwax.

„Als Dienstgeber darf ich potenzielle Kandidaten für einen Job nicht nach ihrer Gesundheit fragen, aber als Wirt soll ich meine Gäste ausfragen?“ Gastronom Walter Halbwax

Zwiespältige Erwartungen hat zudem Robert Schüller vom gleichnamigen Landgasthof in Hainfeld . Obwohl es viele Stammgäste, die das Aufsperren wirklich herbeisehnen, gebe, sieht er die Konflikte mit den Testgegnern leider schon vorprogrammiert.

Egal, wie die Auflagen aussehen – es müsse so laufen, „dass der Gast die Richtlinien einhält, aber der Wirt nicht kontrollieren muss. Kommt es zu einer Kontrolle durch Exekutive oder Behörde trägt auch der Gast alleine die Verantwortung für die Übertretung“, betont Walter Halbwax. Und er stellt die Frage in den Raum: „Als Dienstgeber darf ich potenzielle Kandidaten für einen Job nicht nach ihrer Gesundheit fragen, aber als Wirt soll ich meine Gäste ausfragen?“

Franziska Nathaniel vom s‘Wirtshaus in St. Veit zeigt Verständnis für Auflagen und Kontrollen, vielleicht unter anderem deshalb, weil sie 15 Jahre in einer Arztpraxis gearbeitet hat: „Dass es aber eine beachtliche Zettelwirtschaft werden wird, ist auch klar.“

Hubert und Claudia Wochner von der Stiftstaverne Lilienfeld und Abt Pius Maurer setzen besonnene Öffnungsschritte, denn sie gehen davon aus, dass durch den Respekt vor der Pandemie und die Corona-Vorsichtsregeln nicht sofort ein normaler Gastronomie-Betrieb möglich sein wird: „Der Gasthaus-Besuch wird wohl erst langsam anlaufen.“

Daher gehen die Wochners in Urlaub: „Wir sind beim Stift Lilienfeld angestellt und haben die letzten Wochenenden immer Essen zur Abholung angeboten. Wir sind froh, dass diese Art des Services sehr gut angekommen ist und viele positive Begegnungen mit wohlwollenden Menschen möglich waren. Jetzt wollen wir in den nächsten drei Wochen, in denen der Gasthaus-Betrieb erst langsam anlaufen wird, zunächst einige Urlaubstage abbauen.“ Den Auflagen sieht man in der Stiftstaverne gelassen entgegen: „Sobald die Vorgaben genau ausformuliert sind, werden wir versuchen, sie einzuhalten. Die Stiftstaverne hat einen schönen Gastgarten. Bei schönem Wetter kann der natürlich genützt werden.“

„Sobald die Vorgaben genau ausformuliert sind, werden wir versuchen, sie einzuhalten."

Ob Outdoor oder Indoor, hier manifestieren sich weitere Zweifel bei den Wirten, denn Tatsache ist, es stehen allen viel weniger Sitzplätze zur Verfügung. „Durch die Abstandsregelung haben wir um 60 Prozent weniger Sitzplätze, zur Registrierung haben wir im Vorjahr schon die App angekauft, um es den Gästen so einfach wie möglich zu machen“, stellt Robert Schüller fest. Bei ihm werde im Eingangsbereich eine Person stehen, die die Bestimmungen kontrolliert und auf die Registrierungspflicht hinweist. Schüller habe zudem einen schönen Außenbereich – eine große Terrasse mit Markise überdacht. „Bei Bedarf können wir auch mit dem Heizstrahler, betrieben durch die Photovoltaik-Anlage, arbeiten“, so Schüller.

Aktuell gebe es über die ÖHT, die Hotellerie/Tourismusbank, eine Förderung für Außenanlagen, erzählt Walter Halbwax: „Wir haben unsere Terrasse neu eingerichtet, leider bleiben es trotzdem nur 20 Sitzplätze.“ Außerdem würden sich drinnen etwa 25 bis 30 Gäste ausgehen, „statt 55“. Und: „Das Schankstehen im Wirtshaus gehört einfach für viele dazu“, so Halbwax. In den letzten Jahren wurden Veranstaltungen wie sein Grillen & Chillen am Marktplatz in Kaumberg sehr gut angenommen. Diesen Weg will Halbwax jedenfalls weiter einschlagen.

Rohrbachs Gastwirt Johann Linsbichler bestätigt indes: „Ob das Gasthaus wirklich wirtschaftlich betrieben werden kann, das wird sich erst zeigen. Denn dazu müssen auch Veranstaltungen wie Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und Vereinstreffen ohne größere Einschränkungen möglich sein.“

„Ob das Gasthaus wirklich wirtschaftlich betrieben werden kann, das wird sich erst zeigen."

Bezogen auf die Zahl der Sitzplätze, die damit verbundene Wirtschaftlichkeit, die Gästegewohnheiten und auf die unterschiedlichen räumlichen Gegebenheiten der Gasthäuser wird es wohl keine einheitliche Lösung geben. Man kann nicht alle Betriebe über einen Kamm scheren. Im s‘Wirtshaus der Nathaniels sitzen die Stammgäste gern in der Gaststube um zwei Tische, „nachdem sie aus verschiedenen Haushalten kommen, wird das in der Form auch nach der Öffnung nicht möglich sein.“ Denn wie „zerreiße“ man am besten Stammtisch-Gäste?

Weit entfernt voneinander, auf zwei Tische aufgeteilt? Vielen geht‘s nicht nur um „das Essen gehen an sich“, sondern um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben – die Kommunikation, ums „Karteln“. Auch die Gäste sind zum Thema Öffnung geteilter Meinung, die einen können es nicht erwarten, für die anderen macht unter diesen Bedingungen ein Wirtshaus-Besuch keinen Sinn. Gleichwohl sich die Gastronomen einig sind, dass Liefer- und Abholservices sehr gut angenommen worden sind: „Trotzdem, sehr viel mehr als eine Art Vormittagsbeschäftigung war es auch nicht“, bleiben die Nathaniels humorvoll.

Abholen ist bei vielen Wirten weiter möglich

„Das Abholen wird natürlich weiter möglich sein. Wir haben dazu sogar eigene Produkte erstellt, wie zum Beispiel unsere Schnitzelbox für zwei Personen, und setzen auch weiterhin auf Hausmannskost aus regionalen Produkten“, so Walter Halbwax. Robert Schüller bekocht seine treuen Stammgäste seit November für Zuhause – und dort können sie weiter genießen.

Hubert und Claudia Wochner hatten bisher überhaupt nur die Chance, ihren Gästen ein Abhol-Service zu bieten, wurde die Stiftstaverne doch inmitten der Corona-Pandemie „eröffnet“. Sie wurde bis jetzt sehr reduziert geführt, war Corona-bedingt ganz auf das Abholen von Essen konzentriert. „Für uns besteht jetzt die Herausforderung darin, den Normalbetrieb der Stiftstaverne einzuführen. Dazu brauchen wir zu Zeiten mit Hochbetrieb mehr Personal als zu ruhigen Zeiten. Das muss sich alles erst einspielen. Wir haben diesbezüglich aber keine Befürchtungen. Im Laufe der ersten Wochen wird sich vieles einspielen“, sind sich die Wochners gemeinsam mit Abt Pius Maurer einig. Vorreserviertes Essen werde man aber natürlich weiterhin in Zukunft abholen können.

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