Nächtigungsbilanz: Einbruch um mehr als ein Viertel. Obmann Manuel Aichberger analysiert das 27-Prozent-Minus im Traisen-Gölsental und blickt auf 2021.

Von Markus Zauner. Erstellt am 11. Februar 2021 (03:30)
„Die Corona-Situation hat den Trend hin zum ,sanften Tourismus‘, mit seinen Natur- und Bergerlebniswelten, massiv verstärkt“, weiß Manuel Aichberger.
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Die Corona-Krise samt Lockdown-Wochen hat auch in der Jahresbilanz des Tourismusverbandes Traisen-Gölsental zum befürchteten Kahlschlag bei den Nächtigungen geführt. Im Vergleich mit anderen Regionen steht man mit minus 26,9 Prozent aber gut da. Die NÖN bat Manuel Aichberger, den Obmann des Tourismusverbandes Traisen-Gölsental, zum Interview.

NÖN: Welche Ursache könnte es haben, dass der Tourismusverband Traisen-Gölsental noch am besten von allen Verbänden im Mostviertel abgeschnitten hat?
Manuel Aichberger: Grundsätzlich hat das Tourismusjahr 2020 auch bei uns in der Region ganz gut begonnen. Die Monate Jänner und Februar waren in den Wintertourismushotspots des Bezirkes noch positiv. Dann kam in manchen Destinationen – die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache – der Einbruch. In unserem Verbandsgebiet waren die Sommermonate ab Juli, aber vor allem dann der August, September und auch noch der Oktober viel besser als in vielen anderen Teilregionen im Mostviertel.

In diesem Zusammenhang denke und betone ich auch immer wieder, dass die Corona-Situation den Trend hin zum „sanften Tourismus“, mit seinen Natur- und Bergerlebniswelten, massiv verstärkt hat. Auslandsreisen waren und sind auch aktuell verständlicherweise nicht so hoch im Kurs. Eine Tourismusregion wie unsere, im Alpenvorland gelegen, mit Top-Tourismusgemeinden wie Annaberg, Mitterbach oder St. Aegyd profitiert augenscheinlich von dieser Entwicklung. Natürlich haben wir uns im Tourismusverband auch um entsprechende begleitende Marketingmaßnahmen bemüht, um auf unser Angebot aufmerksam zu machen. Die Besuche unserer Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner sowie unseres Tourismuslandesrates Jochen Danninger etwa bei der Zipline in Annaberg oder beim Eibl-Jet in Türnitz waren per se kein Zufall.

Bei den Gästen besonders geschätzt sind vor allem der Erlaufsee und der Naturpark Ötscher-Tormäuer mit den Ötschergräben. Wir hatten insgesamt mehr als 50.000 zahlende Eintritte und damit ein Plus von mehr als fünf Prozent im Naturpark. Aber auch der allgemeine Hype ums Biken und Radfahren kommt unserem Traisen- und Gölsentalradweg zugute. Die Radwege und das Pilgern waren ab Juni stark nachgefragt.

„Die Corona-Situation hat den Trend hin zum ,sanften Tourismus‘, mit seinen Natur- und Bergerlebniswelten, massiv verstärkt“, weiß Manuel Aichberger.
Mostviertel Tourismus

Wie fällt Ihre Kurzanalyse jener Gemeinden aus, die in der Nächtigungsbilanz 2020 am besten und am schlechtesten abgeschnitten haben?
Wie schon erwähnt konnten unsere Tourismusgemeinden Mitterbach, St. Aegyd und Annaberg recht gut mit ihrem Angebot punkten. Die im Sommer NÖ-weit gestartete Kampagne zur „Wiederbelebung“ der Sommerfrische hat natürlich Mittberbach mit dem Erlaufsee sehr gut getan. Gerade im heißen Sommer suchten offenbar viele die Abkühlung — nach dem Motto: „See statt Meer“.

St. Aegyd hat definitiv von den Radfahrern und Pilgergästen profitiert. Annaberg verzeichnete einen starken Jänner, aber auch August. Die Wilde Wunder Card hat sich in Richtung JUFA im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt gemacht. Die Annaberger Ferienwohnungen und Privatquartiere waren im Sommer durchwegs gut gebucht. Andererseits haben aber die Lockdowns auch ihre Spuren hinterlassen. Vor allem auch der Einbruch bei den „Wirtschaftsnächtigungen“ muss in diesem Zusammenhang bedacht werden.

In Eschenau hatten wir das Thema mit dem ehemaligen Gasthof Wochner, in Türnitz die Situation rund um die Schließung des Traditionsgasthofes Punz-Bertl. Auch Hohenberg war vom Lockdown und den sich daraus ergebenden touristischen Auswirkungen offenbar hart getroffen.

Stichwort Wilde Wunder Card (WWC): Wie wurde diese im Tourismusverband Traisen-Gölsental 2020 angenommen?
Im Tourismusverband Traisen-Gölsental ist die Wilde Wunder Card vor allem in Mitterbach und Annaberg im Einsatz. Im Hinblick auf die Buchungslage beim JUFA hat das Angebot sehr gut funktioniert. Generell gilt auf den Punkt gebracht: Überall dort, wo Betriebe die WWC im Angebot mitberücksichtigt hatten, fiel das Minus wesentlich geringer beziehungsweise das Plus höher aus, als in anderen Betrieben.

Wie fällt Ihr Ausblick auf das Jahr 2021 aus? 
Die Wintersaison ist wohl leider gelaufen. Ich würde es der Region, den Gästen und Betrieben wünschen, glaube aber eher nicht daran, dass wir vor Ostern noch aufsperren können. Corona ist noch nicht vorbei. Ich bin aber optimistisch und gehe davon aus, dass wir ähnlich wie im letzten Jahr mit Mai, spätestens zu Pfingsten, halbwegs im „Normalbetriebsmodus“ fahren können. Der Sommer wird sich dann wohl ähnlich wie 2020 entwickeln.

Tourismusdestinationen und ihre Betriebe werden überall dort profitieren, wo die Gäste Natur-, Berg-, Wander-, Rad- und Seenerlebnisse genießen können. Den allgemeinen Trend zum sanften Tourismus mit Wandern, Radfahren, auch Pilgern, habe ich bereits angesprochen. Er wird sich weiterhin gut entwickeln. Die Arbeit des Tourismusverbandes konzentriert sich daher auf diesen Trend. Der Wirtschaftstourismus hingegen wird wohl noch länger brauchen, bis er sich wieder erholt hat.

Die Wintermonate bis April werden uns in der Statistik vermutlich wehtun. Ob wir dies dann in den restlichen Monaten aufholen können und substanziell mehr Nächtigungen als 2020 haben werden, traue ich mich noch nicht zu prognostizieren. Es wird auch davon abhängen, wie stark und rasch der Wirtschaftstourismus wieder anspringt. Mit Geduld, gemeinsamer Kraftanstrengung und den richtigen, gezielten Maßnahmen werden wir einen touristischen Restart aber bestimmt erfolgreich hinbekommen.