Nahversorgung hat Zukunft: „Ich habe es nicht bereut“. Als Kauffrau und Greißlerin deckt Karin Steyrer Einkauf ab. Blumen gibt es bei Cordula Mitterbacher.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 26. November 2019 (03:26)
Hannelore Vanicek (rechts) ist Stammkundin im Hainfelder „Stadtgreissler“ bei Karin Steyrer (links) und ihrer Angestellten Romana Schönhofer (hinten).
NÖN

Das Jausensemmerl für den lieben Nachwuchs, Brot, Nudeln und ein Kilo Äpfel stehen auf der Einkaufsliste. Und das Waschpulver ist auch noch ausgegangen. Zeit, zum nächsten Groß-Diskonter zu fahren und dort lange in der Schlange an der Kassa zu stehen, ist auch keine mehr. Zum Glück hat noch das kleine Geschäft im Ort offen.

Was wäre ein ländlich strukturierter Bezirk wie Lilienfeld ohne seine ambitionierten Nahversorger? Karin Steyrer ist eine von ihnen. Eigentlich ist die 38-jährige Ramsauerin ja Volksschullehrerin. Oder zumindest war sie es. Bis sie vor zwei Jahren „nach einer neuen Herausforderung gesucht hat“, wie sie im NÖN-Gespräch schildert. Im März 2015 hat sie als Quereinsteigerin das Kaufhaus Eichberger am Hainfelder Hauptplatz übernommen.

„Und bis jetzt habe ich es nicht bereut“, betont sie. Ihr war es damals auch ein großes Anliegen, dass dieses Hainfelder Traditionsunternehmen, das ein allumfassendes Sortiment an Haushalts- und Bastelwaren, Dekomaterialien, weiters Spielzeug und Babysachen bis hin zu Werkzeug und Eisenwaren bietet, weiterbesteht. Ihre Kunden kommen aufgrund ihres großen Angebots aus dem ganzen Bezirk. Eine Stammkundin ist Tatjana Grundböck. „Ich gehe gerne zum Eichberger, weil ich von den Damen immer sehr freundlich bedient werde und weil man hier wirklich alles bekommt, was man braucht“, sagt die 42-jährige Bankangestellte.

„Außerdem ist es mir sehr wichtig, Geschäfte im Ortzentrum zu besuchen, damit diese bestehen können.“ Hannelore Vanicek, Stammkundin beim Hainfelder „Stadtgreissler “

Vor zwei Jahren ging Steyrer einen Geschäftsschritt weiter und eröffnete, ebenfalls im Ortskern von Hainfeld, den „Stadtgreissler“. Hier bietet sie das Vollsortiment an Lebensmitteln an. „Meine Kunden sind wirklich jeden Alters“, ist sie zufrieden. So wie Hannelore Vanicek. „Ich gehe gerne zum ,Stadtgreissler‘ einkaufen, denn hier bekomme ich alles fürs tägliche Leben. Außerdem ist es mir sehr wichtig, Geschäfte im Ortzentrum zu besuchen, damit diese bestehen können.“

Zum „Stadtgreissler“ gehört ein kleiner Bistro-Bereich, wo es Mittagsmenüs – gut bürgerliche Hausmannskost – gibt. „Auch das wird sehr gut angenommen“, freut sich Steyrer.

Eine Nahversorgerin der anderen Art ist Cordula Mitterbacher. Die Meisterfloristin betreibt seit 16 Jahren den „Blumenzauber“ in Traisen.

„Ich habe viele Stammkunden aus der ganzen Region bis in die Steiermark. Es kommen aber auch immer wieder Tagesausflügler zu mir, wenn sie unsere Blumen vor dem Geschäft sehen“, erzählt sie. Ihre Spezialität ist das Kreieren von Blumensträußen für diverse Anlässe, sei es nun zum Geburtstag oder für eine Hochzeit. „Auch die Gemeinde Traisen ist Kunde bei mir, wenn es um Gratulationssträuße geht“, berichtet sie weiter. Ebenso die Blumentischdekoration für große Firmenevents der nahe gelegenen Betriebe zählen zu ihren Aufträgen. Ein sehr kleines Blumengeschäft wie der „Blumenzauber“ hat es nicht immer leicht. Die Konkurrenz ist deutlich spürbar. „Damit meine ich aber nicht nur die Großmärkte in der Landeshauptstadt, jeder Supermarkt im Ort hat heute schon Schnittblumen“, sagt sie und befürchtet künftig ein Aussterben der kleinen, echten Floristen.

Mitterbacher punktet daher mit Meisterfloristik. „Jedes Werk bei uns ist ein Einzelstück. Ich kaufe nur inländische Blumen am Wiener Großmarkt“, lässt sie wissen. Bei ihr im Geschäft gibt es aber noch mehr als Schnittblumen und Topfpflanzen. So finden sich mitten im bunten „Blumenzauber“ auch verschiedene Artikel zur Dekoration, Geschenkbillets und auch Modeschmuck.

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