Neues Jugendschutzgesetz: Wirte wollen auf Alter achten. Polizei kündigt Kontrollen auch in Zivil an. Wirte, Veranstalter und Vereine sehen Änderungen zum Teil kritisch.

Von Gila Wohlmann, Nadja Straubinger und Corina Berger. Erstellt am 03. Januar 2019 (04:19)
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Rauchpause. Die Zigarette ist Jugendlichen unter 18 Jahren seitJahresbeginn verboten.

Mit dem Jahreswechsel steht auch die Änderung des Jugendgesetzes an. Auf die leichte Schulter nehmen, sollten das neue Gesetz sowohl die Jugendlichen als auch die Lokal-Betreiber und Gastronomen nicht: „Wir werden das wie bisher kontrollieren“, kündigt Raimund Schwaigerlehner von der Landespolizeidirektion (LPD) an.

Polizisten werden in Uniform, aber auch in Zivil, die Lokale besuchen, in denen sich Jugendliche aufhalten. „Wenn uns auffällt, dass Jüngere betrunken sind, werden wir vor allem auch hinterfragen, woher sie den Alkohol haben“, ist man bei der LPD entschlossen.

Skurril findet das neue Gesetz Kirchenwirt Walter Halbwax aus Kaumberg: „Am 31. Dezember dürfen die Jugendlichen noch bestellen, was sie wollen und dann kommt schlagartig die Umstellung.“ Aber natürlich werde er dieses, wie die „vielen anderen komischen Gesetze, die den Gastrobereich betreffen“ umsetzen. Halbwax kritisiert: „Mit 16 dürfen die Jugendlichen wählen, mit 17 Autofahren, aber man spricht ihnen ab, dass sie mit Alkohol und Zigaretten umgehen können.“

„Am 31. Dezember dürfen die Jugendlichen noch bestellen, was sie wollen und dann kommt schlagartig die Umstellung.“

Mit dem Rauchverbot für unter 18-Jährige haben Herbert Eder, Inhaber des Gasthauses Zwei Linden in Hohenberg, und Event-Organisator Gerhard Bauer kein Problem: Bei beiden herrscht Rauchverbot. Beim Eingang in die Bauer-Eventhalle werden außerdem verschiedenfarbige Armbänder ausgeteilt, die zu tragen sind. „Im Schankbereich und von den Kellnern wird dann genau darauf geachtet, was an welche Personen ausgeschenkt wird“, so Bauer. Was allerdings im Außenbereich passiert oder ob unter den Gästen Getränke getauscht werden, könne man bei Großveranstaltungen nicht mehr überprüfen.

„Wir werden sowohl im Schankbereich als auch im Lokal Gwölb auf das Alter der Jugendlichen achten und uns bei Verdacht den Ausweis zeigen lassen. Die meisten unserer Besucher sind Stammgäste, deren Alter wir kennen“, hebt Eder hervor. Was sich außerhalb des Lokals auf offener Straße abspiele, sei nicht mehr im Zuständigkeitsbereich der Wirte. „Bei den veränderten Ausgehzeiten sind die Eltern gefordert“, sagt Eder.

Gefordert bei der Umsetzung des neuen Gesetzes sind auch die Vereine, die im Bezirk viele Veranstaltungen organisieren. „Unsere Jugendleiter sind angewiesen, dass das Jugendschutzgesetz stets einzuhalten ist“, betont Feuerwehr-Bezirkskommandant Anton Weiß. Schon mit dem bisherigen Jugendschutzgesetz habe das gut funktioniert. Hermann Sochorec, Kommandant der FF Rotheau, hebt außerdem hervor, dass in der FF-Garage sowieso Rauchverbot herrsche. „Wir werden im Schankbereich darauf achten und uns bei Verdacht, dass jemand zu jung ist, auch einen Ausweis zeigen lassen.“ Dass es noch Aufklärungsbedarf gibt, zeigt die Bezirksleitung der Landjugend. Dort wird man sich aber bis zum nächsten Fest genauer informieren, was genau zu tun ist.

Bezirksmusikjugend-Gründer und Musiker Florian Lackinger hält die Gesetzesänderung für eine gute Sache, weil er persönlich Nichtraucher ist und kaum Alkohol trinke. Weist aber darauf hin: „Es ist schon zu bedenken, dass Jugendliche zwischen 16 und 18 öffentliche Veranstaltungen dann eher meiden und sich zu Hause unkontrolliert betrinken.“ Er fände es zielführender, Institutionen wie Checkpoint zur fördern und bekannter zu machen. „Wir haben diese auf unseren Jugendveranstaltungen immer dabei“, so Lackinger. An einem Stand wird dann über die Gefahren des Alkoholkonsums informiert, und die Mitarbeiter hätten auch einen Blick auf die Besucher.

Schulen sind von den Änderungen nur wenig betroffen. Denn: „Schon seit Beginn des Schuljahres herrscht Rauchverbot am gesamten Schulgelände“, informiert Schuldirektorin Bärbel Koupilek von der HLW in Türnitz.

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