Sicherheit für Radfahrer: Angst fährt am Rad immer mit. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Nadja Straubinger und Gila Wohlmann. Erstellt am 13. August 2019 (03:57)
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Lilienfelds Vizebürgermeister Manuel Aichberger berichtet von der Qualität der Radwege im Bezirk. Mancherorts, wie beim Holzsteg in Marktl, könnte der Fahrbahnbelag optimiert werden.

Eine Ausfahrt mit dem Rennrad kann im Bezirk Lilienfeld schon zu einem Abenteuer werden. Das berichten der begeisterte Rennradfahrer und Inhaber von „Radsport Bauer“ Ronald Bauer sowie der Obmann des URC Raiba Hainfeld, Gerald Sulzer. Immer wieder komme es zu gefährlichen Zwischenfällen. „Erst letzte Woche hat uns einer so extrem geschnitten, dass wir ihn anzeigen wollten. Das war lebensgefährlich. Die Angst fährt da immer mit“, sagt Sulzer. Bei acht von zehn Ausfahrten komme es zu solch gefährlichen Situationen. Grund dafür sei das Unverständnis vieler Autofahrer gegenüber den Rennradfahrern.

Wohlmann
Elomo-Chef Klaus Reiter zeigt einen E-Roller, der auf Radwegen erlaubt ist. Er kritisiert, dass es von den Radwegen im Bezirk meistens keine Anbindung in den Ort gibt.

Auf Radwegen können die Sportler nicht fahren, sie erreichen hohe Geschwindigkeiten und auch Spaziergänger nutzen die Wege. Auf den Hauptstraßen wie der B 18 und der B 20 „ist es aber zum Teil irr“. Sulzer erklärt: „Wir fahren hauptsächlich auf Nebenstraßen, da ist das alles kein Thema, aber die Bundesstraßen lassen sich oft nicht vermeiden.“ Angehupt und beim Vorbeifahren mit dem Scheibenwaschmittel angespritzt wurde Ronald Bauer schon. „Je heißer es wird, umso unruhiger werden die Autofahrer.“

Diese haben laut Bauer kein Verständnis dafür, dass die Rennradfahrer in Zweierreihen fahren, was jedoch legal ist. Für mehr Sicherheit in der Gruppe wird darauf geachtet, dass der Fahrer in der Fahrbahnmitte maximal 1,5 Meter vom weißen Strich an der Seite entfernt ist. „Es passieren Gott sei Dank wenig Unfälle, aber das Sicherheitsgefühl ist einfach nicht da“, sagt Bauer.

„Sowohl meine Mutter als auch ich wurden schon mehrmals von Fahrzeugen auf der B 18 gestreift.“ Klaus Reiter, Elomo-Chef

Negative Erfahrungen hat Elomo-Chef Klaus Reiter schon gemacht: „Sowohl meine Mutter als auch ich wurden schon mehrmals von Fahrzeugen auf der B 18 gestreift. Viele Lenker sind sehr rücksichtlos.“ Mehrmals sei er dadurch schon gestürzt. „Es wird beim Überholen zu wenig Sicherheitsabstand eingehalten“, gibt er zu bedenken. Er plädiert für markierte Fahrradstreifen entlang der Landesstraßen. Der Bezirk Wiener Neustadt, die Gemeinde Hirtenberg im Bezirk Baden und vor allem Kärnten seien vorbildlich.

„Die dortigen Radfahrmarkierungsstreifen bedeuten keinerlei Einschränkungen für Auto- oder Lkw-Verkehr. Außerdem heben diese das subjektive Sicherheitsgefühl der Radfahrer immens.“ Die Radwege im Bezirk hält er sicher, aber für den Alltag nicht immer geeignet. „Es mangelt an einer direkten Anbindung in den Ortskern. Wer schnell einkaufen will, muss Umwege fahren, wenn er am Radweg bleiben möchte“, so Reiter.

NOEN
„Radsport-Bauer“-Chef Ronald Bauer kam bei seinen Ausfahrten auch schon oft in gefährliche Situationen. Er vermisst das Verständnis der Autofahrer für die Situation der Rennradfahrer auf den Straßen.

Viel auf den Radwegen der Region ist die Vorsitzende der Naturfreunde Traisen mit den Mitgliedern unterwegs. Für die Sicherheit achtet sie auf ein Schlusslicht, den durchgehenden Blickkontakt und Helm.

„Da gibt es keine Diskussionen in unserer Gruppe“, betont Helga Beyerl, die Bundesstraßen so gut wie möglich meidet und hauptsächlich auf Radwegen und kleinen Landstraßen unterwegs ist. Als besonders positiv hebt sie die Radwege nach St. Aegyd und Türnitz hervor, negativ sei, dass der Pielachtal-Radweg vor Kirchberg aufhöre und man nach Weinburg oft die Straßenseite wechseln muss. „Es ist verständlich, dass es manchmal keine andere Lösung gibt.“ Beyerl sieht sonst keine Probleme, denn man müsse selbst auf die eigene Sicherheit schauen.

„Die Gemeinden werden um Einmeldung ihrer neuralgischen Punkte und Attraktivierungswünsche ersucht“,

Obwohl der Traisentalradweg und der Gölsentalradweg großteils abseits der Straßen mit viel Verkehr durch die beiden Täler des Bezirks führen, gebe es trotzdem neuralgische Stellen, weist Rohrbachs Bürgermeister Karl Bader hin: „Wichtig ist, dass wir zu einem stärkeren Miteinander im Straßenverkehr mit gegenseitiger Rücksichtnahme kommen. Dazu ist jeder aufgerufen.“ Es läuft eine Erhebung durch das Land, um Gefahrenstellen zu evaluieren und das Verbesserungspotenzial entlang des Traisentalradweges auszuloten.

„Die Gemeinden werden um Einmeldung ihrer neuralgischen Punkte und Attraktivierungswünsche ersucht“, berichtet Lilienfels Vizebürgermeister Manuel Aicherger. Seitens der Stadtgemeinde Lilienfeld sind die Optimierung von Fahrbahnbelägen, wie auf dem Holzsteg in Marktl, sowie eine Neubeschilderung angedacht. „Letztlich entscheidet die eco plus, welche Maßnahmen in welchen Gemeinden umgesetzt werden können“, so Aichberger.

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