Urlaub im Winter: Planung ist heuer kurzfristig. Reiseunternehmen im Bezirk Lilienfeld stehen auf Stand-by. Kunden warten ab oder setzen auf Ausflüge in der Region.

Von Bernhard Herzberger. Erstellt am 25. November 2020 (04:00)
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 „Eine Geisterbahn ist belebter als unser Büro“, beschreibt Josef Wachter die Situation in seinem Reiseunternehmen in Lilienfeld. Nachdem ab September das Geschäft langsam Fahrt aufgenommen hatte, steht zu Beginn der Wintersaison nun wieder alles auf Null. Von den sechs firmeneigenen Bussen, die ansonsten für Skikurse und Wochenendausflüge unterwegs sind, sind fünf abgemeldet. Das Programm für die Advent-Ausflüge ist gestrichen. „Vielleicht können wir die Fahrt zum Wolfgangsee am 19. Dezember halten, weil die ein gutes Hygiene-Konzept haben“, sagt Wachter. Aber er könne erst nach dem 6. Dezember kurzfristig planen — und da nur mit gezielt kontaktierbaren Stammkunden. Denn große Werbung sei momentan nicht drinnen.

 „Eine Geisterbahn ist belebter als unser Büro“

Auch Busreise-Unternehmer Hermann Grabner aus Hainfeld fehlt die Motivation, jetzt Programme zusammenzustellen: „Die Wintersaison ist ein großes Fragezeichen. Man weiß nicht, wie es weitergeht.“

Brigitte Hartmann vom Reisecenter Hainfeld verzeichnet schon Kundenanfragen, aber Buchungen für Fernreisen, die normalerweise das Hauptgeschäft zur Winterzeit ausmachen, gibt es keine: „Die Leute wollen wissen, wann es wieder losgeht. Da können wir nur sagen, wir wissen es auch nicht.“ 

Der Lockdown hat auch Rieder Reisen in Lilienfeld und Kleinzell  erfasst. „Wir dürfen als Reisebüro geöffnet halten, aber es kommt eh keiner“, gibt sich Geschäftsführerin Elisabeth Habersatter desillusioniert. Fernreisen bucht niemand: „Die meisten Anbieter haben für den Winter gar keinen Katalog herausgegeben“, sagt sie. Auch das Bus-Geschäft steht: „Wir haben unsere vier Busse abgemeldet und in der Garage stehen. Von den Schulen gab es zwar Anfragen wegen der Skikurse, aber jetzt kommen die Absagen.“ Somit entfällt auch hier das Winter-Geschäft. Pensionisten-Ad-ventfahrten und Skiausflüge gibt es zudem keine. „Da wird sich auch nach dem 6. 12. nicht viel ändern“, so Habersatter.

NOEN

Und wie sehen das die Kunden der Reisebüros? „Konkrete Pläne während der Wintersaison zu verreisen, habe ich noch nicht gemacht“, sagt etwa Lilienfelds Vizeortschef und Tourismusobmann Manuel Aichberger. Es gelte auf die Coronasituation Bedacht zu nehmen und die weitere Entwicklung abzuwarten. Außerdem werde der Hausbau noch einiges an Zeit beanspruchen. „Fest steht jedoch, dass ich mir über Weihnachten und Neujahr einige Tage Auszeit zum Abschalten und Krafttanken mit der Familie gönnen werde.“ Wenn es die Schneelage erlaubt, geht es mit den Tourenskiern auf den Muckenkogel oder zu einzelnen Skitagen nach Annaberg oder Mitterbach. Alternative wäre ein Thermenaufenthalt in der Steiermark mit einem Besuch der Familie seiner Frau. So oder so werde es für ihn „Urlaub daheim“. Nach dem Motto: „Das Gute liegt oft so nahe“, freue er sich auf ruhige Weihnachtsfeiertage mit seinen Lieben.

Kaumbergs Bürgermeister Michael Wurmetzberger ist vorsichtig mit den Urlaubsplänen: „Wir haben heuer nichts vor, da wir im Frühjahr ein Kind erwarten und bezüglich Infektionsgefahr nichts riskieren wollen. Voriges Jahr waren wir in Mitterbach Langlaufen, das ist in jedem Fall zu empfehlen.“

Auch Kleinzells Bürgermeister Reinhard Hagen will heuer zu Hause bleiben und möchte die Gesundheit nicht aufs Spiel setzen: „Ich werde mit meiner Frau Schneeschuhwandern und auf die Ebenwaldhöhe Langlaufen gehen.“ Und vielleicht bleibe dann auch noch etwas Zeit für etwas Sport am Laufband und ein gutes Buch.

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