Verbot von Ölheizungen: „Umstieg rechnet sich immer“. Seit 1. Jänner dürfen Öl-Heizungen nicht mehr eingebaut werden. Die NÖN zeigt, wer im Bezirk profitiert und wer verliert.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 08. Januar 2019 (03:20)
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Symbolbild

Niederösterreich ist das erste Bundesland, in dem es in Neubauten keine Öl-Heizungen mehr geben wird. Dennoch: Jeder sechste Haushalt heizt immer noch mit Öl. Auch im Bezirk Lilienfeld liegt der Anteil des Heizöleinsatzes in Haushalten für den Energiebedarf für Raumwärme und Warmwasseraufbereitung bei etwa 17 Prozent. Ungefähr 1.600 Anlagen gibt es im Bezirk. Um ihnen den Umstieg zu erleichtern, gibt es einen Bonus. Bis zu 5.000 Euro erhält, wer von Öl auf ein alternatives Heizsystem umsteigt.

Sehr positiv sieht die Entwicklung der Bezirksvertrauensmann der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker, Herbert Kollar: „Ich baue seit 15 bis 20 Jahren keine Ölheizungen mehr ein. Ich werde zwar manchmal noch von Kunden danach gefragt, aber ich mache es nicht.“ Bei einigen Kollegen seien Ölheizungen noch immer ein Thema, da aber vor allem im Sanierungsbereich und nicht bei Neubauten.

„Meiner Meinung nach rechnet sich ein Umstieg weg vom Öl hin zu erneuerbarer Energie immer. Für die Umwelt und die Region“, ist Kollar überzeugt. Dann müsse man das Öl auch nicht aus Krisengebieten herholen. Es gibt jedoch auch bei Sanierungen Alternativen zu fossilen Energieträgern. „Wenn man sich für eine Ölheizung entscheidet, dann ist das eine Entscheidung für die nächsten 20 Jahre“, gibt der Bezirksvertrauensobmann zu bedenken. „Mit jeder neuen Ölheizung, wenn auch durch Brennwerttechnik, wird wieder eine Chance vergeben und werden wieder fossile Brennstoffe mit allen bekannten und bereits spürbaren Konsequenzen verbraucht“, sagt Kollar. Dabei gebe es auch bei der Sanierung Alternativen, wie Pellets und Biomasse, aber auch Wärmepumpen.

Für Genossenschaften ist fossile Energie tabu

Bei den Wohnhausanlagen der Allgemeinen Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft St. Pölten, die auch im Bezirk Lilienfeld immer wieder Projekte umsetzt, werden vor allem Luft-Wasser-Wärmepumpen verwendet. „Auch Hackschnitzel-Anlagen gibt es immer wieder“, weiß Genossenschafts-Obmann Willi Gelb. Auch Alpenland-Obmann Norbert Steiner hebt hervor: „Fossile Energie ist für uns tabu.“ Wenn immer es möglich ist, wie etwa in der Landeshauptstadt, setze die Wohnungsgenossenschaft bei Neubauten auf Fernwärme. „Ansonsten schauen wir, auch im Bezirk Lilienfeld, welche regionalen Wärmeanbieter es gibt“, meint Steiner.

Regionaler Wärmeanbieter ist etwa die Bio-Energie Köflach mit Geschäftsführer Jakob Edler. Diese betreibt Fernwärmeanlagen in Lilienfeld und Traisen. „Wir verwenden in den Anlagen Biomasse und Reservekessel für Öl oder Gasbetrieb“, betont Edler. Das sei aber nur die Ausbaureserveheizung. „Sollte der Biomassekessel serviciert werden oder wir einen Störfall haben, läuft automatisch die Ölheizung“, so Edler. Der Vorteil sei, dass der Ölkessel automatisch startet, bei Biomasseanlagen muss man das händisch machen . „In Summe wird aber sehr wenig Öl eingesetzt, weil die Anlagen vorausschauend gewartet werden“, erklärt Edler. Fernwärme sei ein sicheres System, deswegen rechnet die Bio-Energie Köflach auch mit zusätzlichen Anschlüssen, ist dafür aber schon jetzt bestens gerüstet. „Wir haben unsere Netze schon so ausgelegt, dass wir noch weitere aufnehmen können“, so Edler.

Auch das Lagerhaus, das Heizöl von Genol verkauft, rechnet nicht mit Umsatzeinbußen durch das Verbot von Heizöl. „Wir sehen die Entwicklung zweischneidig“, meint Philipp Magdits. Einerseits will man die etwa 3.000 Kunden, die regelmäßig Heizöl kaufen, weiter versorgen und bestens betreuen. „Andererseits forcieren wir Pellets. Außerdem entwickelt Genol grünes Heizöl, das aus Wasserstoff und Kohlendioxid besteht“, erklärt Magdits.

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