Streit um Paket-Zustellung in St. Aegyd. Paketzustellerin der Post fühlte sich bedroht. Postkunde dementierte Vorwürfe vor Gericht.

Von Bernhard Herzberger. Erstellt am 04. Februar 2021 (03:08)
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Es sei ein „unfeines Gespräch“ gewesen, aber gedroht habe er der Paketzustellerin der Post nicht, sagte ein 38-jähriger Mann aus St. Aegyd, der sich wegen des Vergehens der Nötigung am Landesgericht St. Pölten verteidigen musste.

Die Vorgeschichte aus seiner Sicht: Da er ein Nachnahme-Paket erwartete, habe er extra Geld abgehoben. Just in dem Moment, als die Postbeamtin eingetroffen wäre, sei er aber Einheizen gewesen. Und auf ihn gewartet habe sie nicht. Deshalb wäre er ihr mit dem Auto nachgefahren.

Dann sollen laut Anzeige seine Worte gefallen sein: „Ich prack dir eine! Reiß das Packerl her, sonst hau´ ich dich nieder!“ „Ich habe es mit der Angst zu tun gekriegt, weil er mir gedroht hat“, sagte die Klägerin vor Gericht.

„Ich prack dir eine! Reiß das Packerl her, sonst hau´ ich dich nieder!“

Das passe gar nicht in seinen Wortschatz, entgegnete der bisher Unbescholtene. Er räumte ein, dass er verärgert gewesen wäre. Schimpfworte seien aber keine gefallen.

„Warum sind sie nicht gleich zur Polizei gegangen“, wollte der Richter von der Frau wissen, die den Vorfall erst Tage später angezeigt hatte. Ihre Chefin habe sie zur Anzeige überredet, „damit wir was schriftlich haben“, entgegnete diese. Sie selbst hätte eigentlich im Nachhinein nur ihre Ruhe haben wollen.

„Und fahren sie nun dieselbe Tour, oder haben sie versucht, diese zu wechseln, wenn sie sich bedroht fühlen?“, fragte die Verteidigerin des 38-Jährigen die Frau im Zeugenstand. Ein Wechsel komme gar nicht in Frage, gab diese zu verstehen.

„Wegen dir muss ich jetzt vor Gericht“

Verteidigerin und Angeklagter führten als Vorgeschichte weitere Konflikte mit der Zustellerin ins Treffen. „Wegen dir muss ich jetzt vor Gericht“, habe sie sich einmal beschwert und seine Mutter in  der Sache um die Paketzustellung der Lüge bezichtigt. Auf Nachfrage des Richters bestätigte die Postbeamtin, dass sie am Tag nach dem Vorfall am Bezirksgericht wegen einer anderen Angelegenheit aussagen musste, in der ihr vorgeworfen worden war, eine RSB-Sendung nicht korrekt zugestellt zu haben. Diese sei damals aber ordnungsgemäß erfolgt, behauptete sie und bekräftigte ihre Version vom Geschehen bei der Paketzustellung: Die Mutter des Beklagten habe beim Zustellversuch gesagt, dass ihr Sohn nicht da wäre und sie selbst kein Geld zuhause hätte, weshalb sie nur ein Paket abgegeben und das andere wieder mitgenommen habe. - Der Sohn bestritt diese Aussage seiner Mutter. Auf Antrag seiner Verteidigung wird die Mutter als Zeugin geladen — die Verhandlung wurde vertagt.