Bezirk Lilienfeld: Schulen kämpfen mit Lockdown. Rohrbacher Direktorin kritisiert Schließung der Volksschulen. Aussetzung des Regelunterrichts stört auch St. Veiter Pädagogen Gastegger.

Von Markus Zauner. Erstellt am 18. November 2020 (04:00)
Die Schüler der Volksschule Türnitz haben laut Direktorin Emilie Brandl bereits am Freitag alle Schulsachen mit nach Hause genommen.
NÖN

Vereinzelt überrascht vom Lockdown, aber einheitlich gerüstet für das Distance-Learning zeigen sich befragte Schulvertreter des Bezirkes. Mit Kritik wird teils nicht gespart. So macht etwa Magdalena Fertner, Direktorin der Volksschulen Rohrbach und Eschenau , auf die Probleme der Schulschließungen aufmerksam: „Die größte Herausforderung sind die Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache, die Kinder, die mehr Förderung brauchen, und natürlich die ersten und vierten Klassen. Es geht wertvolle Zeit zum Erlernen neuer Inhalte verloren. Wo bleibt das Recht der Kinder auf Bildung?“

Die Corona-Zeit habe man bis dato vorbildlich über die Bühne gebracht. „Ich kenne meine zwei Schulen und deren Umfeld sehr gut. Wir sind bis jetzt einen sehr guten Weg gegangen, um den Kindern und den Eltern einen entspannten Schulalltag zu ermöglichen. Wir haben alles richtig gemacht und uns an die Hygienemaßnahmen und Verhaltensregeln gehalten“, betont Fertner. Die Aussetzung des Regelunterrichts an der Neuen Mittelschule St. Veit stört auch Pädagogen Johann Gastegger: „Hier hätte noch die Möglichkeit der ,Ausdünnung‘ der Klassen in Form eines Schichtbetriebes wie im Frühjahr bestanden.“

Emilie Brandl, Direktorin der Volksschulen Türnitz , Annaberg und Mitterbach , macht indes aufmerksam: „Das größte Problem bei den Kindern ist das Fehlen der sozialen Kontakte.“ Sie habe mit dem harten Lockdown schon im Vorfeld ein wenig spekuliert. „Deshalb haben unsere SchülerInnen bereits am Freitag alle Schulsachen mit nach Hause genommen.“ Etwas überrumpelt wurde Karin Heindl, die Leiterin der Volksschule Lilienfeld : „Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass die Volksschulen in das Distance-Learning übergehen müssen. Trotzdem haben wir uns darauf vorbereitet. Wir haben mit Schoolfox eine einheitliche Kommunikationsplattform eingerichtet, die bei den Eltern gut angenommen wird.“

Das digitale Lernen sei in der Volksschule noch nicht sehr ausgeprägt, da die Kinder vieles durch haptisches Arbeiten erlernen. „Daher werden wir, wie viele andere Volksschulen, den Schülern und Schülerinnen wieder wochenweise Lernpakete zusammenstellen, die dann zu Hause bearbeitet werden können“, kündigt Karin Heindl an.

„Bildungsfortschritt ist geringer“

Seine Erfahrungen mit dem Distance-Learning beschreibt Josef Heindl, der Direktor des BG/BRG Lilienfeld , so: „Beim ersten Lockdown hatten wir unterschiedliche Kommunikationskanäle, diese wurden gebündelt und vereinfacht. Das Distance-Learning funktionierte meist gut.“ Dieses Mal seien alle besser digital vorbereitet: „In der Oberstufe funktionierte es in den letzten Wochen sehr gut und ich bin überzeugt, dass es auch in der Unterstufe funktionieren wird.“ Ein Problem mit dem Lockdown sieht der Gym-Direktor aber: „Die größte Herausforderung wird sicher der geringere Bildungsfortschritt in dieser Zeit werden.“

Martin Simader, Direktor der NMS und MD Ski Lilienfeld , verweist auf einen Stolperstein im Distance-Learning, auf den das Lehrerteam keinen Einfluss hat — die digitale Infrastruktur in den Wohnungen und Häusern der Schüler. „Mehrere Kinder haben uns mitgeteilt, dass es viele Probleme mit dem Internet zu Hause gibt. Durch die Tatsache, dass sich viele Eltern im Homeoffice befinden, kommt das WLAN schnell an die Kapazitätsgrenzen. Zusätzlich sind fallweise auch die bekannten Online-Plattformen überlastet, da ja in ganz Österreich auf Distance-Learning umgestellt wurde“, berichtet Simader aus der Praxis. So könne es immer wieder vorkommen, dass die Schüler dem Online-Unterricht nicht live folgen können.

„Wo bleibt Recht der Kinder auf Bildung?“

Unterm Strich sei die Schule aber für die kommenden Wochen vorbereitet, befindet der Direktor mit Verweis auf die Vergangenheit: „Wir haben bereits im Frühjahr das Distance-Learning zur höchsten Zufriedenheit der Eltern und SchülerInnen gemeistert. Die Eltern haben uns bei der schulinternen Online-Befragung ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt und positive Rückmeldung gegeben.“

Und: „Ich bin überzeugt, dass wir das Distance-Learning wieder bestens meistern“, teilt Simader die Meinung aller befragten Schuldirektoren im Bezirk. Er freue sich aber jetzt schon wieder auf den Präsenzunterricht. „Schule lebt vom persönlichen Austausch und von ,Beziehung‘. Online-Unterricht kann dabei nur ein Instrument der Krisenbewältigung darstellen“, unterstreicht Simader.

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