Hilfswelle quer durch den Bezirk Lilienfeld. Freiwillige stellen sich vielerorts in den Dienst der guten Sache, um Ältere mit notwendigen Gütern zu versorgen.

Von Markus Zauner, Gabi Zeller und Eva Steyrer. Erstellt am 23. März 2020 (08:30)
Nicht nur die großen Lebensmittelketten, auch die kleinen Nahversorger, wie die St. Veiter Bäckerei Käppl, sichern die Versorgung der Bürger. Strikt hält man sich freilich auch an das Nicht-Händegeben, wie Elisabeth Baldrian und Vizebürgermeister Christian Fischer hier demonstrieren.
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Die Bezirkshauptstadt Lilienfeld hat in der Coronakrise auf Initiative von Vizeortschef Manuel Aichberger als eine der ersten Gemeinden bis auf Widerruf ein kostenloses Einkaufsservice für ältere Menschen eingeführt.

Hilfe in Lilienfeld: Gemeindemitarbeiter Hannes Weissenböck, Vizebürgermeister Manuel Aichberger und die freiwilligen Helfer Marvin Riegler und Jaqueline Schroffenauer.
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Die Gemeinde nimmt Bestellungen von Lilienfeldern über 60, die dringenden Bedarf an Lebensmitteln oder rezeptfreien Medikamenten haben, auf. „Bisher haben sich 15 Freiwillige gemeldet, die 19 Einkäufe inklusive Apotheken-Abholung getätigt haben“, berichtet Aichberger zur Bilanz der ersten Woche. Um die engagierten Helfer bei der Auslieferung bestmöglich zu schützen, stellt die Stadtgemeinde auch Schutzmasken und Einweghandschuhe zur Verfügung. „Ich spüre eine große zwischenmenschliche Solidarität in der Lilienfelder Bevölkerung. Jetzt sind einmal die Jungen für die Älteren da“, konstatiert der Vizeortschef.

„Es ist wichtig, einen Pool vieler Freiwilliger zu haben.“ Zivilschutzbeauftragter Werner Eigelsreiter, Türnitz

In Türnitz hat Bürgermeister Christian Leeb eine Initiative freiwilliger Helfer ins Leben gerufen. „Hier geht es besonders darum, Personen der Risikogruppen mit Lebensmitteln und Medikamenten zu versorgen. Es freut mich, dass sich nach kurzer Zeit ein Team von 15 Personen formiert hat“, teilt Leeb mit. Weil die Nachbarschaftshilfe sehr gut funktioniere, sei die Nachfrage noch eher gering. „Es ist aber wichtig, einen Pool vieler Freiwilliger zu haben“, verweist Zivilschutzbeauftragter Werner Eigelsreiter auf den noch länger andauernden Ausnahmezustand.

Die Gölsentalmetropole Hainfeld unter Bürgermeister Albert Pitterle hat ebenfalls rasch reagiert und bietet Zustellung von „Essen auf Rädern“ sowie Lieferservice für Einkäufe und Medikamente.

Der Betrieb des Traisner Einkaufsbusses wurde bis auf Weiteres eingestellt. Für Mitbürger, die selbst nicht einkaufen können, hat die Gemeinde einen Einkaufsdienst eingerichtet.

In Zusammenarbeit mit den Kaumberger Betrieben bietet die Marktgemeinde Kaumberg ebenfalls ein Lieferservice an.

Rohrbachs Bürgermeister Karl Bader appelliert indes: „Wir befinden uns in einer außerordentlichen, ja dramatischen Situation. Besonders die ältere Generation ist dringend aufgefordert, keinesfalls das Haus zu verlassen.“ Im Dorf sei eine Welle der Hilfsbereitschaft spürbar, bestätigt der Ortschef. „Viele freiwillige Helfer haben sich in den Dienst der Mitmenschen gestellt“, verlautet aus der Gemeindestube. Hier wurde eine Hilfskette für all jene Personen eingerichtet, die diverse Besorgungen, wie Einkäufe oder Medikamentenabholungen, nicht selbst erledigen können. Gastwirt Johann Linsbichler vom gleichnamigen Gasthaus hat (wie viele andere im Bezirk, siehe Seite 33) auf Lieferservice umdisponiert und stellt in nächster Zeit die Speisen von „Essen auf Rädern“ selbst zu.

„Viele freiwillige Helfer haben sich in den Dienst der Mitmenschen gestellt“

„Die Hilfsbereitschaft im Ort ist sehr groß, es melden sich immer mehr Personen für die Erledigung diverser Hilfsdienste. Die Wichtigkeit, ältere Menschen zu schützen, ist nun allen bewusst geworden“, berichtet der St. Aegyder Bürgermeister Karl Oysmüller.

Das Angebot von „Essen auf Rädern“ wurde in St. Aegyd ausgebaut, ehrenamtliche Helfer unter 65 Jahren für die Auslieferung werden gesucht. Infos gibt es unter der Service-Hotline der Gemeinde: 02768/2290-22. Im Bild Bürgermeister Karl Oysmüller, Sonja Mitterböck, Silke Perthold und Gemeinderat Andreas Zuser (v. l.).
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Das Abholen von Medikamenten und Einkäufe werde organisiert, das Angebot von „Essen auf Rädern“ sei in St. Aegyd ausgebaut worden, so der Ortschef. Er macht sich auch bereits Gedanken für die Zeit nach der Coronavirus-Krise. „Man wird sehen, wie sich die Situation noch entwickelt, aber es könnte sein, dass bereits geplante Projekte zugunsten der Wirtschaft möglicherweise neu zu überdenken sind. Ich habe große Sorge, wie unsere ortsansässigen Betriebe die Krise wirtschaftlich überstehen und ob die versprochenen Unterstützungen bei ihnen ankommen. Hier wird auch die Gemeindepolitik sehr gefordert sein.“ Jetzt sei es aber Zeit, aufeinander zu schauen, um die Krisensituation gut zu meistern.

In der einwohnerstärksten Bezirksgemeinde St. Veit vermeldet Vizebürgermeister Christian Fischer stolz, dass 44 Freiwillige allen, die Bedarf haben, „Essen auf Rädern“ zustellen. Einkäufe des täglichen Bedarfs werden ebenfalls über die Gemeinde organisiert. Und Bürgermeister Johann Gastegger bringt auf den Punkt, was aktuell in allen Gemeinden angebracht ist: „Mein Dank gilt allen Freiwilligen, die sich in dieser schwierigen Zeit für ihre Mitmenschen einsetzen. Dank auch an alle, die die Versorgungsinfrastruktur aufrechterhalten.“