Lilienfelder Raserparadies Kalte Kuchl. Exekutive und Bezirkshauptmannschaft wissen, wo die neuralgischen Punkte im Bezirk Lilienfeld liegen.

Von Teresa Lobinger. Erstellt am 08. September 2021 (05:06)
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Raffael, Daniela und Collin Ernst kennen die Problematik der Raserei auf der L 133.
Gemeinde Kleinzell

Ob mit Absicht oder aus Unachtsamkeit, ob Motorrad- oder Ausflugsverkehr: Der schwere Fuß am Gaspedal wird empfindlich teurer, die Strafen für Raser werden verdoppelt, sowohl die Geldstrafen als auch die Dauer des Führerschein-Entzuges.

Als klassische Raser-Strecken im Bezirk gelten laut Bezirkshauptmann Franz Kemetmüller und Bezirkspolizeikommandant Michael Hochgerner die Kalte Kuchl, die LB 18 am Gerichtsberg sowie auf der LB 20 die „Gerade“ bei Türnitz und der Türnitzgraben. Zu schnell sind viele Verkehrsteilnehmer außerdem auf der L 119 bei Klammhöhe unterwegs, weiters wird auf die Motorradstrecke über den Ochsattel besonderes Augenmerk gelegt.

„Die neuralgischen Punkte werden permanent von der Exekutive überwacht und Übertretungen verwaltungsstrafrechtlich geahndet. “ Bezirkshauptmann Franz Kemetmüller

Wie viele Strafen im Schnitt innerhalb dieser Raser-Paradiese verhängt werden, weiß Michael Hochgerner: „Je nach Intensität der Kontrollen, bei normalen Lasermessungen – Radarmessungen werden nur durch die Landesverkehrsabteilung durchgeführt – gibt es an Wochenenden im Schnitt auf der L 133 zwischen 10 bis 20 Beanstandungen, also Anzeigen beziehungsweise Organmandate, auf allen angeführten Raserstrecken insgesamt zwischen 20 bis 30 Beanstandungen.“

Bei Schwerpunktaktionen gemeinsam mit der Landesverkehrsabteilung würden sogar bis zu 500 zusammenkommen. Wie bei der letzten Aktion Mitte August in der Kalten Kuchl: Die Exekutive führte hier einen überregionalen Bikerschwerpunkt durch – 189 Motorräder wurden kontrolliert, davon 36 Zweiräder von den Motorradprüfzügen genauer unter die Lupe genommen.

Zwölf Lenker mussten ihre Kennzeichen wegen schwerer Mängel am Bike abgeben. 44 Anzeigen meldete die Polizei der Bezirksverwaltungsbehörde. Die Polizisten verhängten 524 Anzeigen wegen Übertretung der erlaubten Höchstgeschwindigkeiten, 55 Organstrafverfügungen gab es wegen diverser Übertretungen.

Ziel von Thomas Praschl, Kommandant der Polizeiinspektion St. Aegyd, ist es, „Schwerpunkte in der Verkehrsüberwachung insbesondere des Ausflugs- und Motorradverkehrs zu setzen, da sich im Überwachungsgebiet die beliebte Motorradstrecke über den Ochsattel befindet“. Und Bezirkshauptmann Franz Kemetmüller bestätigt: „Die vorgenannten neuralgischen Punkte werden permanent von der Exekutive überwacht und Übertretungen verwaltungsstrafrechtlich geahndet. Überdies gab und gibt es bei Bedarf Verkehrsverhandlungen der Bezirkshauptmannschaft Lilienfeld unter Beiziehung der erforderlichen Verkehrsexperten, insbesondere im Bereich Kalte Kuchl.“

Zuletzt bei Kontrolle 200 Übertretungen in 3,5 Stunden

Seit einem knappen Jahr besteht die 70 km/h-Geschwindigkeitsbegrenzung auf der L 133 im Bereich Außerhalbach 8. Der Großteil der Fahrer halte sich daran, so Raffael Ernst, der als Anrainer federführend an der Beantragung der Maßnahme beteiligt war. Raser gibt es aber noch immer genug: Erst Mitte Juni wurde ein Biker mit beachtlichen 145 Stundenkilometern von der Polizei gestoppt. Und zuletzt hagelte es Anzeigen, bei einer Radarkontrolle registrierte die Polizei innerhalb von dreieinhalb Stunden 200 Geschwindigkeitsübertretungen.

Kleinzells Bürgermeister Reinhard Hagen ist froh über die Unterstützung der Behörden: „Es werden sehr viele Kontrollen durchgeführt. Dennoch: Der Wunsch nach einer Section Control bleibt aufrecht.“

Zu schwierigen Bergungsarbeiten und schweren Unfällen, gerade im Bereich Kalte Kuchl wird auch die Feuerwehr gerufen. „Es sind vor allem die Biker, kaum eine Woche vergeht ohne schwere Unfälle“, weiß Bezirksfeuerwehrkommandant Anton Weiss. Es gebe auch eine Art Dunkelziffer: „Die Biker wollen mithalten, rutschen dann doch aus und sitzen einmal eine halbe Stunde. Und danach fahren sie einfach weiter“, so Weiss.

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