Kinderarzt-Misere im Bezirk Lilienfeld hält an. Seit Ende 2016 vakante Stelle erneut ausgeschrieben, Debatte um Verdienst für Kinderarzt.

Von Markus Zauner. Erstellt am 01. August 2019 (03:16)
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„Nicht einmal mehr in Wien können die Kinderarzt-Stellen besetzt werden“, verweist Bürgermeister Wolfgang Labenbacher auf die generelle Problematik, die sich auch in heimischen Gefilden wie ein roter Faden durchzieht. Seit über zweieinhalb Jahren ist die einzige Kinderarzt-Kassenstelle für den Bezirk nun schon vakant. Sämtliche Ausschreibungsversuche, so auch der jüngste Anlauf, verliefen bis dato im Sand.

„Nicht einmal mehr in Wien können die Kinderarzt-Stellen besetzt werden“

Aktuell ist der freie Posten, der bis Ende 2016 von Bettina Steininger ausgefüllt worden war, wieder ausgeschrieben. Gesucht wird ein Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, der Mindestordinationszeiten von zehn Stunden an zwei Tagen pro Woche bietet. Die Bewerbungsfrist endet diesmal am 14. August.

Unter den NÖN-Lesern herrscht offensichtlich wenig Optimismus, jemals noch einen Kinderarzt mit Kassenvertrag für den Bezirk zu finden. So schreibt etwa Franz Gruber sarkastisch an die NÖN: „Eher wird Österreich Fußball-Weltmeister, als dass sich unter den derzeitigen Verdienstmöglichkeiten noch ein Kinderarzt für Lilienfeld findet.“

„Eher wird Österreich Fußball-Weltmeister, als dass sich unter den derzeitigen Verdienstmöglichkeiten noch ein Kinderarzt für Lilienfeld findet."

Die NÖ Gebietskrankenkasse (NÖGKK) spricht beim Fach „Kinder- und Jugendheilkunde“ von einem „österreichweiten Problem“. „Denn in der Vergangenheit wurden zu wenig Kinderärzte ausgebildet“, weiß NÖGKK-Sprecherin Barbara Mann. Hier seien Politik, aber auch die Spitäler gefordert. Die Kasse versuche, dem gegenzusteuern, indem man Anreize schaffe und den Beruf attraktiver mache.

„Die NÖGKK hat in den vergangenen Jahren viele Maßnahmen gesetzt, um Kassenplanstellen aufzuwerten und unseren Ärzten eine bessere Work-Life-Balance zu verschaffen. Zum Beispiel schreiben wir, wie in Lilienfeld, halbe Planstellen mit reduzierten Mindestordinationszeiten aus, das sind Mindestordinationszeiten von zehn Stunden an zwei Tagen pro Woche“, sagt Mann.

Zudem biete man die Möglichkeit, dass sich mehrere Ärzte in Gruppenpraxen zusammenschließen. „Das bringt den Medizinern nicht nur mehr Freizeit, sondern begrenzt auch ihr unternehmerisches Risiko. Viele Ärzte wollen nicht als Kleinunternehmer tätig sein. Derzeit arbeiten wir in Niederösterreich außerdem daran, in der Primärversorgung Kinderfachärzte einzubinden“, erklärt Mann.

Die Wertschätzung der NÖGKK gegenüber den Kinderärzten müsse sich aber natürlich auch im Honorar widerspiegeln. „Seit dem Jahr 2012 haben wir immer wieder Honorare für Kinderärzte im Vergleich zu anderen Fachgruppen deutlich angehoben. Zuletzt auch Ende des vorigen Jahres mit einer deutlichen Steigerung um sechs Prozent, und das rückwirkend für 2017“, rechnet Mann vor.