Angezündet! Opfer meldet sich nicht. Unklar bleibt, wen vier junge Männer in Traisen anzünden wollten. Ein Bosnier distanziert sich klar von der Tat.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 09. Juli 2019 (04:32)
Shutterstock.com/Piotr Zajda
Mit einem Feuerzeug versuchten vier junge Männer, einem Unbekannten die Haare anzusengen.

Es war ein vermeintlicher Scherz, der nun als „versuchte absichtlich schwere Körperverletzung“ beim St. Pöltner Landesgericht angezeigt wurde. Vier junge Männer im Alter zwischen 18 und 20 Jahren haben versucht, am Traisner Radweg einem schlafenden Mann die Haare anzuzünden ( wir berichteten, siehe hier und unten).

Aufgeflogen ist der Vorfall, weil die jungen Erwachsenen, drei Österreicher und ein Kosovare, ihre Tat mit dem Handy gefilmt und im Internet veröffentlicht haben. Ein Feuerwehrmann soll auf das Video aufmerksam geworden sein. Zugetragen hat sich der Vorfall am Sonntag gegen 3.50 Uhr am Rande der Landesfeuerwehrbewerbe (NÖN/27).

„Ich distanziere mich klar von diesem wirklich zutiefst abscheulichen Akt eines barbarischen Verbrechens.“Ein Bosnier in einem Schreiben an Medien

„Weil der Mann die Haare sehr kurz hat, fingen diese nicht Feuer“, informiert Polizeisprecher Raimund Schwaigerlehner, dass die Tat glimpflich ausging. Der Mann sei dann wach geworden, die Täter seien geflüchtet, auch das Opfer hätte das Weite gesucht. „Die Verdächtigen waren rasch ausgeforscht und zeigten sich bei den polizeilichen Einvernahmen geständig“, sagt Schwaigerlehner.

Ungeklärt war bis Redaktionsschluss die Identität des Opfers. „Es steht nicht fest, wer das Opfer ist, auch nicht, ob es sich bei der Person um einen Feuerwehrmann handelt“, bestätigte der St. Pöltner Staatsanwalt Leopold Bien. Das unterstreicht der Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos, Franz Resperger: „Wir wissen weder, wer der Mann ist, noch ob er ein Feuerwehrmitglied ist.“

Sponsorlogo am Shirt des Opfers?

Gerüchte, dass am Video am T-Shirt des Opfers ein Sponsorlogo zu sehen sei und es deswegen ein FF-Mann sei, will weder die Staatsanwaltschaft noch das Landesfeuerwehrkommando bestätigen.

Mit mehr „Fakten“ als Staatsanwaltschaft und Feuerwehr ließ indes FP-Landesrat Gottfried Waldhäusl in einer Presseaussendung aufwarten. Dabei unterstreicht er seine „Abscheu gegenüber dem offensichtlich schlecht integrierten Quartett“, wie er es bezeichnet. Er ortet sogar eine neue „Qualität“ der Gewalt: „Ich bin entsetzt angesichts des brutalen Gewaltübergriffs auf einen Feuerwehrmann“, reagierte dieser schockiert, wonach, so seine Angaben, „drei junge Männer mit türkischen Wurzeln und ein Bosnier den Florianijünger anzünden wollten“.

Dem klar widersprechen auch die Angaben „des einzigen Bosniers in Traisen“, wie sich ein Mann in einem Schreiben selbst bezeichnet: „Ich distanziere mich klar von diesem wirklich zutiefst abscheulichen Akt eines barbarischen Verbrechens.“ So ein Verhalten sei nicht nationalitätsbezogen. Aufgrund des – wie auch in der FP-Aussendung kolportierten — „bosnischen Täters“ befürchtet er Auswirkungen auf seine Person, wie Verdächtigungen durch Mitbürger, Pöbeleien, Androhung von Gewalt oder den Verlust seines Jobs. Er betont, dass er zur Tatzeit gar nicht in Österreich war.

Die Ermittlungen zur Opferfeststellung gehen weiter. Ob sich dieses noch selbst melden wird, ist fraglich.