Jubel für Soldaten zu ihrem Abschied. Auch im Bezirk herrschte anfänglich Begeisterung. Bereits im September 1914 der erste Gefallene aus Lilienfeld.

Von Astrid Krizanic-Fallmann. Erstellt am 30. Juli 2014 (14:01)
NOEN, Jägersberger
Diese Aufnahme zeigt Soldaten an der Südfront 1916.
BEZIRK LILIENFELD / ,,Als der Leichnam dem Schoße der Erde übergeben war, richtete der Prior des Stiftes, Hochw. Herr P. Alfred Edelbauer, eine vom Herzen kommende Ansprache an die Grabbegleiter, bei der kein Auge trocken blieb.

Josef Busecker war das erste Opfer unserer Heimat auf den russischen Schlachtfeldern, ein treuer Sohn seines Berufes und seiner Berge, der nach schmerzlichem Leiden den Heldentod erlitt und nun an der Stätte seines mehrjährigen Wirkens die ewige Ruhe fand.“

Keine zwei Monate nach Beginn des Ersten Weltkrieges berichtete „Der Lilienfelder Bezirksbote“ in der Ausgabe vom 27. September 1914 über den ersten Gefallenen hierzulande. Im Schrapnell-Hagel trafen den stiftlichen Forstadjunkten Josef Busecker am 8. September 1914 bei Lemberg 14 Kugeln sowie 21 Granatsplitter. Schwer verwundet musste der Lilienfelder drei Tage und zwei Nächte auf Hilfe ausharren.

„Nach der ersten ärztlichen Behandlung brachte ihn ein Sanitätszug nach Wien, wo er auf der Klinik des Hofrates Prof. Dr. Eiselsberg Aufnahme fand und nach Entfernung von 8 Kugeln aus dem rechten Ober- und Unterschenkel am 19. d. M. sanft entschlief.

In Anerkennung zufriedenstellender Dienstleistung veranlaßte das hochw. Stift seine Ueberführung hierher und hat am 23. d. M. um 4 Uhr nachmittags seine Beerdigung am Ortsfriedhofe stattgefunden“, so der Nachruf. Zugegen waren die Honoratioren, welche am 1. August 1914 die Soldaten feierlich zum Bahnhof begleitet hatten.

NOEN, Stiftsarchiv
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Wie in weiten Teilen Österreich-Ungarns herrschte in heimischen Gemeinden anfänglich ebenfalls große Begeisterung. „Auch in Traisen war die Bevölkerung vom Kriegstaumel erfasst. Als am 1. Mobilmachungstag der Abendzug Kernhof-St. Pölten in die Haltestelle Traisen-Markt mit hunderten von Reservisten aus dem oberen Traisentale mit großer Verspätung einfuhr, um die Einrückenden aus Traisen aufzunehmen, wurde er von einer nach Hunderten zählenden Menschenmenge erwartet.

Unter Hochrufen auf den Kaiser und Absingen der Volkshymne und nicht endenwollenden Jubelrufen der begeisterten Menge fuhr der Zug langsam weiter“, heißt es im Traisner Heimatbuch.

Die Folgen der Kriegserklärung auf das Leben im Bezirk zeigen weiters die Aufzeichnungen in der Lilienfelder Stiftschronik. In diesem Diarium schreibt der jeweilige Abt, damals Justin Panschab, die wichtigsten Ereignisse auf.

Mit „begreiflicher Spannung“ wartete man auf die täglichen Nachrichten von der Front. Diese wurden an die Postämter telegraphiert und davor angeschlagen. Dass „nur für uns günstige Nachrichten publiziert werden“, mutmaßte der Abt schon im Herbst 1914.

Italienische Flüchtlinge hatten eigene Schule 

Während die einen überzeugt waren, dass die Soldaten bald als Sieger wieder heimkehren würden, entstanden im September 1914 Rekonvaleszentenheime. Im Lilienfelder Krankenhaus wurde unter Einschränkung für die Zivilbevölkerung Platz für 40 Verwundete geschaffen, im Stift für 30, in der Firma Neuman für 25. Auch die Tavern war ein Lazarett.

Laut Rotem Kreuz waren zehn Rekonvaleszentenheime mit insgesamt 383 Betten in Betrieb, in denen über 6.000 Militärpersonen versorgt wurden. Das Rote Kreuz – in Lilienfeld 1886 von Gräfin Julie Walderdorff gegründet und seit 1890 von Mathilde v. Lindheim-Vivenot als Präsidentin geleitet – stellte Pflegepersonal und sammelte Geld- sowie Sachspenden.

Die Gefallenen wurden durch amtliche Verlustlisten bekannt gegeben. In Zeitungen erschienen Gedenkbilder „unserer Helden“.

Infolge der Kämpfe in Galizien, in Venetien und in Südtirol flüchteten viele Bewohner. Um die 50 Italiener aus Südtirol verschlug es nach Hohenberg. Manche waren ohne Beschäftigung, andere arbeiteten in den Fabriken der Umgebung.

Diese gehörten meistens zur Rüstungsindustrie. „Im Hause Thanner hatten sie eine eigene Schule. Italienische Lehrer und Lehrerinnen unterrichteten die Flüchtlingskinder. Zeitweise war auch ein italienischer Geistlicher im Orte. Die Hohenberger wunderten sich über die Lebensweise.

Erstmals lernten sie deren Nationalspeise – die Polenta – kennen“, ist aus Hohenberg überliefert. Flüchtlinge aus der Bukowina sowie aus Südtirol strandeten weiters in Hainfeld. „Wir waren erstaunt, dass die ,Italiener‘ den Löwenzahn aßen und Schnecken sammelten“, erinnert sich Karl Zalesky in „Erlebtes Hainfeld ab 1912“.

Verwundete bekamen Weihnachtsgeschenke 

Die Versorgung der Bevölkerung wurde mit der langen Kriegsdauer immer schlechter. Bald setzte ein Mangel bei Lebensmitteln ein, der empfindliche Preissteigerungen mit sich brachte, und Demonstrationen.

Zu Weihnachten 1914 erhielten indes die verwundeten Soldaten im Stift als Gaben lederne Zigarrentaschen von RK-Präsidentin Lindheim-Vivenot, Zigarettenetuis, Wollsachen, Bäckereien, Ansichtskarten und Bargeld. „Der Mittagstisch zu den Feiertagen wird wegen des Krieges möglichst einfach gehalten“, notierte Abt Panschab.