Maria Feichtinger: Die Frau für jede Wetterlage. Maria Feichtinger aus Traisen erhielt für ihre statistische Erfassung von Wetterlagen den Wissenschaftspreis 2020.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 06. Januar 2021 (04:30)
Die Stadt Wien zeichnete Maria Feichtinger für ihre Forschungsarbeit aus.
Feichtinger

Eine besondere Auszeichnung wurde Maria Feichtinger zuteil: Sie erhielt den wissenschaftlichen Förderpreis 2020 der Stadt Wien, Abteilung Umweltschutz.

Das Wetter entwickelte sich in den letzten Jahren zur Passion der 26-Jährigen. Nach ihrer Matura am BORG St. Pölten hat sie ihren Bachelor in Geografie an der Universität Wien sowie Master in Gebirgs- und Klimageografie an der Karl-Franzens-Universität Graz absolviert. „Während meines Masterstudiums fand ich eine gewisse Passion für Daten. Die Aufbereitung, Analyse und grafische Darstellung klimatologischer Daten begeistert mich“, erzählt sie.

„Während meines Masterstudiums fand ich eine gewisse Passion für Daten"

Auch für ihre Masterarbeit zum Thema „raum-zeitliche Interpolation meteorologischer Daten im Gebirge“ schrieb sie lange Skripte in „R“, einer Programmiersprache für statistische Berechnungen und Grafiken. Während ihres letzten Studienjahres arbeitete sie an ihrer Masterarbeit und absolvierte ein sechsmonatiges FEMTech-Praktikum an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). FEMTech-Praktika werden vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) gefördert. Hierbei sollen junge Nachwuchswissenschafter für Karrieren in der angewandten Forschung im naturwissenschaftlich-technischen Bereich gewonnen werden.

„Ich hatte dort tolle Betreuer, besonders meine Betreuerinnen auf stadtklimatologischer Seite. Sie sind bis heute Vorbilder für mich. Selten habe ich so motivierte Frauen in der Wissenschaft erlebt, die so für ihre Arbeit brennen“, erzählt sie. Gegen Ende ihres Praktikums bekam sie die Chance, mit Kollegen als Co-Autoren, ihren ersten wissenschaftlichen Artikel zu verfassen. Dieser wurde im wissenschaftlichen Journal „Urban Climate“ veröffentlicht. Der Titel: „Fallstudie über urbane Lufttemperatur auf kleinräumiger Skala im Sommer in Wien unter Verwendung von Daten aus Crowdsourcing“.

„Ich hatte dort tolle Betreuer, besonders meine Betreuerinnen auf stadtklimatologischer Seite. Sie sind bis heute Vorbilder für mich. Selten habe ich so motivierte Frauen in der Wissenschaft erlebt, die so für ihre Arbeit brennen“,

„Die Studie behandelt Daten aus Crowd-Sourcing; also Daten, die von der allgemeinen Bevölkerung erhoben werden. Im Speziellen geht es um Wetterstationen von Netatmo, die jeder erwerben und auf privatem Grund aufstellen kann. Auf freiwilliger Basis können diese Daten online zur Verfügung gestellt werden. Solche Stationen existieren viel häufiger als jene der ZAMG selbst“, führt sie aus. Wenn man viele Stationen und ausreichend Messwerte, auf relativ kleinem Raum hat, bietet das die Möglichkeit, stadtplanerische Anpassungsmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung wie zur Hitzeminderung zielgerichteter zu planen.

Von Studienabbrecherin zur Preisträgerin

„Wir haben in diesem Projekt geprüft, wie gut die Qualität dieser Daten in Wien ist. Wetterstationen sind anfällig für Fehler aufgrund von falscher Positionierung der Station. Dies zeigt sich dann in auffälligen Werten“, weiß Feichtinger. Und: „Im professionellen Umfeld existieren internationale Richtlinien zur Aufstellung einer Station, welche klarerweise nicht von privaten Personen eingehalten werden können.“ Um nun solche Daten verwenden zu können, bedarf es eben einer Qualitätskontrolle. Und diese hat sie aufbauend auf Arbeiten der technischen Universität Berlin geschaffen. Inzwischen arbeitet Feichtinger seit fast einem Jahr bei Weatherpark GmbH, einem Ingenieurbüro für Meteorologie, in Wien.

„Wir beschäftigen uns mit Fragestellungen der Stadtklimatologie, Wind- und Sommerkomfort“, informiert sie. Auch hier kann die junge Wissenschafterin ihre Begeisterung für die Aufbereitung, Analyse und grafische Darstellung klimatologischer Daten ausleben. Eigentlich hatte sie ja Lehramt Englisch und Geografie/Wirtschaftskunde begonnen zu studieren, doch abgebrochen. „Ein Studienabbruch hat einen bitteren Beigeschmack“, meint sie. Dennoch appelliert sie an junge Leute: „Man kann etwas Neues wagen, um etwas zu finden, das einen begeistert.“