Bezirk Lilienfeld: Fordernde Suche nach Personal. Die Gäste sind da, die 3G-Regel klappt problemlos. Groß sind aber die Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden.

Von Teresa Lobinger. Erstellt am 28. Juli 2021 (04:00)
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Im Moment läuft sein Geschäft gut: Traisens Volksheimwirt Christian Schluder hat zusätzlich zur Terrasse in einen kleinen Gastgarten investiert, in dem Stefan Karl seinen Kaffee genießt.
Wohlmann, Wohlmann

„Uns im Wirtshaus Leopold geht es Gott sei Dank nach der Wiedereröffnung sehr gut. Unsere Küche ist noch regionaler geworden und unsere Weinkarte noch spannender“, ist Rafael Pils in Lilienfeld recht guter Dinge. Für ihn ist ein gewisser Aufwärtsschwung im Bezirk spürbar – egal, ob Rad oder Wandertourismus in Lilienfeld: „Die Frequenz ist sehr gut und freut mich als Lilienfelder Wirt und Freund der Berge natürlich sehr.“

Pils wisse aus seinem gastronomischen Umfeld allerdings, dass die Personalsuche schwierig sei. Trotz eigenem großen Glück mit einem fixen Team brauche auch er ab September einen Servicemitarbeiter. „Die Gastronomie ist leider für sehr viele unattraktiv geworden, speziell in der Pandemie. Jung-Familien möchten Stabilität und das kann unsere Branche durch ein Hick-Hack der Politik leider nicht bieten“, stellt Rafael Pils klar und rechnet mit diesen Problemen gleich für die nächsten drei Jahre.

„Für Tipps bei der Mitarbeitersuche sind wir dankbar.“ Abt Pius als Letztverantwortlicher für die Stiftstaverne

Die Stiftstaverne Lilienfeld , ein „noch kleines Pflänzchen mit großem Wachstumspotenzial“, wie Abt Pius Maurer verbildlicht, hatte sofort viele Kunden, als sie aufsperrte: „Die gute Lage, die ausgezeichnete Küche und der gute Ruf des Wirte-Ehepaares Wochner tragen da wohl viel dazu bei.“ Allerdings kämpfe man nach wie vor mit großem Personalmangel. An alle Kellner, ob geringfügig oder in Teilzeit: „Wir bieten einen sehr sicheren Job, weil die Stiftstaverne vom Stift Lilienfeld selbst, und nicht von Pächtern, betrieben wird. Für Tipps bei der Mitarbeiter-Suche sind wir durchaus dankbar“, gesteht Abt Pius.

Die Gäste genießen also wieder, die 3Gs werden kontrolliert und angenommen: „Für uns kein Problem, unsere Gäste verhalten sich gegenüber dem Servicepersonal mit der Kontrolle gut“, urteilt Rafael Pils vom Wirtshaus Leopold. Bei rund 15 Veranstaltungen, ob Tapas-Abend oder Hochzeit, gab es keinen einzigen positiven Corona-Fall, „ich denke, das spricht alles für eine normale und geregelte Öffnung der Gastronomie“. Abt Pius ergänzt: „Wir müssen es nehmen, wie es ist, und das Beste daraus machen. Die Corona-Pandemie ist offensichtlich noch nicht vorbei.“ Im Stift fand sein eigenes Silbernes Priesterjubiläum schon statt, Hochzeiten sind geplant, die Feierliche Profess von Frater Hermann und seine Diakonenweihe wird erfolgen, alles unter Erfüllung der behördlichen (und kirchlichen) Auflagen. Wobei aber immer ein Gefühl der Ungewissheit dabei sei, „ob man nicht in den nächsten Tagen wegen eines Clusters in der Zeitung stehen wird“, meint Abt Pius.

Etwas düsterer sieht Volksheimwirt Christian Schluder in Traisen die Gesamtsituation: „Das Ganze ist nur noch ein Kasperltheater. Im Herbst wird wahrscheinlich wieder alles wie im Vorjahr sein“, mutmaßt er. Und: „Wenn wieder alles geschlossen wird, werden die Leute einfach wieder daheim mehr feiern“, gibt er zu bedenken. Im September plant er einen Grillabend mit Live-Musik. Der Termin dafür wird eine Woche vorher bekannt gegeben, denn „man weiß nicht, wie sich die Situation weiterentwickelt“, so Schluder.

„Das Ganze ist nur noch ein Kasperltheater. Im Herbst wird wahrscheinlich wieder alles wie im Vorjahr sein“

Nicht d‘accord sind die Gastronomen beim Thema Impfpflicht, angesprochen vom eigenen Spartenobmann Mario Pulker. „Ich kenne Mario Pulker persönlich, daher bin ich von seiner doch sehr polarisierenden Aussage schon geschockt“, so Rafael Pils. Jeder solle frei entscheiden, ob er geimpft werden möchte oder nicht. „Eine Impfpflicht wird das Land ziemlich spalten“, meint Pils und rät: „Ruhig Blut.“ Blutig bleiben voerst nur die Steaks.

Bei einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung sei es normal, dass es unterschiedliche Aussagen und Lösungsvorschläge gibt: „Auch wenn ich persönlich mit meinen beiden Corona-Schutz-Impfungen nur gute Erfahrungen gemacht habe, würde ich niemandem die Impfung aufzwingen wollen. Die Entscheidungs-Freiheit eines jeden sollte unbedingt respektiert werden. Wer jemanden überzeugen will, kann das mit Argumenten versuchen, aber nicht mit Zwang“, so Abt Pius.

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