Bezirk Lilienfeld: Geduld der Wirte ist am Ende. Trotz Geschäft mit Abholungen und Auslieferungen bleibt Umsatz bescheiden. Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Bürokratie bei Ersatzzahlungen als Kritikpunkt.

Von Bernhard Herzberger. Erstellt am 24. Februar 2021 (03:51)
Dieter und Franziska Nathaniel aus St. Veit sind den Stammgästen sehr dankbar, die drei- bis viermal pro Woche Essen abholen. 
Hörtzer

BEZIRK LILIENFELD Bei 15 Gastwirten im Bezirk hat sich die NÖN umgehört. Zwei Drittel kochen auch während der Corona-bedingten Sperre ihrer Gaststuben. Die Möglichkeit zur Essensabholung oder -lieferung nehmen vor allem Stammkunden in Anspruch. Über ein Drittel des normalen Umsatzes erzielt damit aber keiner.

Fünf bis zehn Prozent im Vergleich zum Normalbetrieb könne er mit Pizza, Burger und ein wenig Hausmannskost zur Abholung wettmachen, erklärt Mario Streimetweger vom „Haginvelt“ in Hainfeld : „Für uns ist es eine Beschäftigungstherapie, mehr nicht!“ Das Geschäft laufe nicht so gut, wie während es ersten Lockdowns und sei tageweise sehr mühsam. Vor allem die schwankende Nachfrage mache die Situation nicht einfacher.

„Gestern sind wir mit 100 Euro nach Hause gegangen.“ Alkis Yasar, Pizzeria Lorenzo

„Einmal sind es zehn Pizzen am Tag, einmal 20“, bestätigt auch Chamram Adam von der Pizzeria Bella Italia in Traisen die variierende Kundenfrequenz. Sie hat durch Corona mit Lieferservice und Abholung einen neuen Geschäftszweig entdeckt. Sobald sie das Lokal wieder öffnen dürfe, werde sie ihre Speisen auch über einen bekannten Online-Anbieter vertreiben. Denn, ob bei Gastro-Öffnung mit Test-Pflicht gleich wieder alle Leute ins Lokal kommen, das stehe noch in den Sternen, meint sie. Adam glaubt, dass es vor Ostern zu keiner Öffnung der Gastronomie kommen werde. Da möchte dann auch Neo-Wirt Hubert Horak im Goldenen Löwen in Türnitz die Sanierungsarbeiten abgeschlossen haben und losstarten.

Im „Wirtshaus“ von Familie Nathaniel in St. Veit wird bis auf Donnerstag täglich zu Mittag ausgekocht, mit zwei Menüs und einer verkleinerten Speisekarte. Franziska Nathaniel ist froh, dass die Stammkundschaft die Treue hält. Das macht es etwas leichter. Die Zeit bis zur Auszahlung des Fixkostenzuschusses für die vergangenen Monate muss sie mit einem Bankkredit überbrücken.    

Kirchenwirt Walter Halbwax aus Kaumberg freut sich, dass seine „Spezialwochenenden“ mit Pizza, Grillhenderl oder Schnitzerl recht gut angenommen werden. Trotzdem wird er langsam ungeduldig. Denn mehr als ein Drittel des normalen Gesamtumsatzes lasse sich ohne Bewirtung vor Ort und Ausschank nicht erwirtschaften. Als Mischbetrieb mit Lebensmittelhandel bekommt er keinen Fixkostenzuschuss. Anstatt gesellige Zusammenkünfte in den privaten Rahmen abzudrängen, wo die meisten Ansteckungen passierten, solle man doch die Gastronomie wieder aufsperren lassen, wo darauf geachtet werde, dass die Vorgaben eingehalten würden, fordert er.

Speisenabholung beim Kirchenwirt in Kaumberg: Dominik Mohnl (r.) weiß das Angebot von Gastronom Walter Halbwax (l.) zu schätzen.  
NÖN

In der Bezirkshauptstadt Lilienfeld bieten Lilienfelder Stüberl, Stiftstaverne, Gasthaus Ebner und Pizzeria Lorenzo Speisen zur Abholung an. Alexandra Fahrngruber vom Lilienfelder Stüberl setzt neben den Mittagsmenüs für umliegende Büros und die Bezirkshauptmannschaft auch auf Sonderaktionen wie zuletzt den Heringsschmaus. Bei Martina Ebner ist jeden Donnerstag Backhenderl-Tag und sie lockt mit Schmankerln wie Ripperlessen am Wochenende. Recht mager läuft das Pizza-Geschäft bei Alkis Yasar im Einkaufszentrum: „Gestern sind wir mit 100 Euro nach Hause gegangen“, beklagt er.

Claudia Wochner von der Stiftstaverne  fürchtet, dass eine Öffnung der Gastronomie mit strengen Auflagen und Testpflicht nicht unbedingt zu mehr Kundschaft führen werde: „Jetzt holen sich halt oft ganze Familien das Essen“, ist sie sich nicht sicher, ob die dann alle gemeinsam Platz nehmen dürften.

Es gebe Leute, die Panik haben, aber auch sicher genug, die für den Gasthaus-Besuch testen gehen würden, meint Natascha Gruber, Geschäftsführerin des „Wiazhaus“ Landsthal in Hainfeld , wo Mittwoch bis Sonntag ausgekocht wird. Man sei bereit, Mitte März aufzusperren, „aber wir rechnen nicht damit, weil es wurde jetzt jedes Mal wieder verschoben“, ist sie skeptisch.

Gemeinsam ist allen befragten Gastro-Betrieben im Bezirk, dass sie für ihre Mitarbeiter die Kurzarbeit in Anspruch nehmen. „Man will ja das Personal halten, auch wenn es schwierig ist, meint Gruber. 

„Die Lage wird immer bescheidender“, klagt Christian Schluder, Café-Restaurant-Betreiber im Volksheim Traisen . „Wir führen ein wenig Essen aus, aber das macht das Kraut halt nicht fett.“ Schleppende Förderungsauszahlung und die Bürokratisierung bei den Ansuchen machen ihm zu schaffen.

„Die Lage wird immer bescheidender“

Bis Dezember habe das mit den Ersatzzahlungen gut funktioniert, aber die ab Jänner geltenden Regelungen mit komplizierter Gegenrechnung von Fixkostenzuschuss und Verlustersatz wäre eine Katastrophe, meint auch Robert Schüller. Er hat in seinem Landgasthaus in Hainfeld den Küchenbetrieb derzeit stillgelegt.

Geschlossen haben auch Brau-Gastwirt Peter Linko in Traisen und Karl Pils mit seinem Gasthof in Eschenau . Linko hofft auf baldige Öffnung der Gaststätten, um sein gebrautes Bier wieder in Umlauf zu bringen. Familie Pils bleibt derzeit lediglich die Zimmer-Vermietung für Arbeiter als karge Einnahmequelle.

Die R&R-Residenzen in Mitterbach planen Gastronomie und Hotel überhaupt erst im Mai zu öffnen, teilt Geschäftsführerin Diana Pomberger mit. Bis dahin hofft auch Mario Streimelweger vom „Haginvelt“ wieder auf Einnahmen aus der Zimmer-Vermietung.

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