gegen Bikerklage!. Deklariertes Ziel ist die Straffreiheit für die Mountainbiker am Muckenkogel.

Von Markus Zauner. Erstellt am 04. März 2014 (23:59)
Von Markus Zauner

LILIENFELD / Im Sommer soll der Prozess gegen jene vier Mountainbiker fortgesetzt werden, die am Muckenkogel unterwegs waren und vom Jagdpächter auf Unterlassung samt Zahlung von 15.000 Euro geklagt worden sind.

,,Mich hat es sehr frustriert zu hören, wie mit den Mountainbikern umgegangen wird und dass in diesem Rahmen kein Weg an einer gerichtlichen Lösung vorbeizuführen scheint“, reagierte Ewald Maier spontan auf den diesbezüglichen NÖN-Exklusivbericht. Via Internet hat der NÖN-Leser die Unterschrifteninitiative „Straffreiheit für die Mountainbiker am Muckenkogel“ gestartet. Mit Riesenecho: Binnen sechs Tagen wurden im Rahmen der per AVAAZ gestarteten Aktion über 5.000 Online-Unterschriften geleistet.

Über 20.000 Klicks auf Online-Artikel

,,Es gibt Leute aus Deutschland, der Schweiz, aus Spanien und sogar aus den USA, die sich für den Fall interessieren. Ländergrenzen wurden überschritten“, berichtet Maier.

Deklariertes Ziel ist das Fallenlassen der Klage gegen die Mountainbiker. Die Petition, die online auf  avaaz.org  noch bis Mitte März unterstützt werden kann, soll in der Folge Lilienfelds Bürgermeister Herbert Schrittwieser überreicht wrden. Der Gemeindechef zur großen Resonanz auf den NÖN-Bericht, der innerhalb weniger Tage über 20.000 Klicks auf www.noen.at gebracht hat: ,,Man kann daraus schließen, dass der Mountainbiker-Markt sehr groß und interessant ist. Wenn spezifische Angebote erstellt und mit entsprechenden Regeln gesteuert werden, besteht die Möglichkeit, touristisch sehr viel in Bewegung zu bringen.“ Und: ,,Mountainbiker suchen Orte, wo sie den Sport korrekt ausüben können — ohne Gesetze zu verletzen“, stellt Schrittwieser fest.

"Vernünftige Lösung, die von allen getragen werden kann"

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Lilienfelds Bezirkshauptmann Ernst Anzeletti plädiert auf NÖN-Anfrage in der Causa Mountainbiken am Muckenkogel für ,,eine vernünftige Lösung, die von allen getragen werden kann“. Funktionieren könne das freilich nur, wenn ,,gewisse Spielregeln eingehalten werden“, weiß Anzeletti. Es müsse ,,im Interesse der Stadt wie auch der Freizeitsuchenden, des Grundeigentümers und des Jagdpächters sein, die Freizeitnutzung am Muckenkogel so zu regeln, dass Jagd und Wild möglichst wenig beeinträchtigt werden und die Freizeitsportler auch zu ihrem Hobby kommen können“, erklärt der Bezirkshauptmann.

Jagdpächter Rudolf Gürtler war zu keiner Stellungnahme erreichbar.

Klicken Sie weiter: Was Abt Matthäus Nimmervoll vom Grundeigentümer, dem Stift Lilienfeld, und Bezirksjägermeister Martin Schacherl zur aktuellen Mountainbiker-Debatte sagen, lesen Sie in den folgenden Interviews.

Abt Matthäus Nimmervoll über die Freigabe des Mountainbikens am Muckenkogel.

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NÖN: Wie sieht das Stift Lilienfeld als Grundeigentümer die aktuelle Debatte um das Mountainbiken am Muckenkogel?
Nimmervoll: Wir sind nicht gegen den Tourismus und nicht gegen die Jagd. Es geht um die Erfüllung des notwendigen Abschussplans als eine behördliche Vorgabe — zum Schutz des Waldes, der für alle ein Erholungsbereich als Wanderer ist. Es geht weiters um die Fragen der Haftung und der Straßenmiterhaltung. Solange diese Fragen nicht geklärt sind, kann es keine offizielle Freigabe für das Mountainbiken geben. Im Übrigen bin ich für ein Miteinander, nicht für eine Konfrontation — ebenso für eine umfassendere Information.

Wird seitens des Stiftes daran gedacht, den Jagdpachtvertrag so zu ändern, dass der Pächter künftig keine Möglichkeit hat, zu klagen?
Die Änderung des Jagdpachtvertrages ist derzeit nicht möglich. Er ist bis Ende 2019 rechtsgültig.

 

Bezirksjägermeister Martin Schacherl über Jagd und Biken.

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NÖN: Wie störend ist das Mountainbiken aus Sicht der Jagd?
Schacherl: Jedes Eindringen in den Lebensraum der Wildtiere ist störend. Es gibt aber eine unterschiedliche Wahrnehmung der Tiere über den Störfaktor. Wenn sich die Störung immer auf der gleichen Strecke oder gleichen Fläche zeigt, ohne böse oder verlustreiche Folgen für das Wildtier, so entsteht ein gewisser Gewöhnungseffekt. Darüber können vor allem Waldarbeiter oder Landwirte, die mit ihren Traktoren im Wald unterwegs sind, berichten. Am schlimmsten ist die Störung, wenn man unkontrolliert und zu den sensibelsten Zeiten fährt oder geht. Das ist die Zeit eineinhalb Stunden vor Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang. Ebenso störend wirkt sich das Fahren oder Gehen abseits von Wegen querfeldein oder quer durch den Wald aus. Außerdem störend sind die immer wieder angebotenen Vollmondwanderungen.

Ein Miteinander von Radfahrern und Weidmännern ist möglich?
Bei gutem Willen ist ein Miteinander möglich. Viele Naturnutzer bedenken nicht, dass sie „Gäste“ im Lebensraum der Wildtiere und Grundbesitzer sind — und sich als solche an gewisse Regeln zu halten haben. Wenn ein Verbot, aus welchem Grund auch immer, vom Grundbesitzer ausgesprochen wird, ist es einzuhalten. Das gilt ja auch in allen anderen Lebensbereichen. Meine Erfahrung als Hüttenwirt auf der Reisalpe, die ebenfalls von Mountainbikern besucht wird, zeigt mir zudem, dass viele aus Unwissenheit ihre Handlungen setzen. Natürlich gibt es auch die Rücksichtslosen und Besserwisser. Das Wild wird immer mehr nachtaktiver. Es wird in den Wald verbannt, dort steigen die Schäden, die die Waldbesitzer auf die Barrikaden treiben, dazu kommen waldbauliche Veränderungen und eine hohe Aufschließung der Wälder. In diesem Spannungsfeld soll der Jäger seinem Auftrag, die Wildbestände lebensraumverträglich zu regulieren, nachkommen. Es bedarf guten Willens von beiden Seiten und klarer Regeln — zum Schutz der Wildtiere, zur Erholung unserer Besucher und zur Erhaltung einer nachhaltigen Jagd.

Werden Sie sich als Vermittler in der verfahrenen Situation am Muckenkogel einbringen?
Ich kenne den Sachverhalt nur aus Erzählungen. Es gibt auch keine Einladung an mich, vermittelnd einzugreifen. Ich denke aber, dass die Patres des Stiftes — die Grundsätze der Toleranz und der Nächstenliebe lebend — und ein Jagdpächter, der sich als Anwalt des Wildes Verdienste erworben hat, einen Teil seines Lebensmittelpunktes in unserem Bezirk hat und somit die Lebensgewohnheiten und die damit verbundenen Sorgen und Nöte unserer Leute kennt, keinen Vermittler brauchen sollten.