Diskussion zeigte: Lilienfelds Politiker haben viel vor. Eine Downhillstrecke am Muckenkogel kündigt Wolfgang Labenbacher bei der NÖN-Podiumsdiskussion an. Primärversorgungszentrum ist für Martin Trattner eine Option.

Von Astrid Krizanic-Fallmann. Erstellt am 15. Januar 2020 (05:36)
Mit NÖN-Lilienfeld-Redaktionsleiter Markus Zauner debattierten Wolfgang Labenbacher (l.) und Martin Trattner (r.) letzten Dienstag im Veranstaltungssaal des Gemeindeamtes.
Krizanic-Fallmann

Zur Diskussion anlässlich der Gemeinderatswahl lud die NÖN ins Rathaus. Die Spitzenkandidaten von ÖVP und SPÖ, VP-Bürgermeister Wolfgang Labenbacher und SP-Stadtrat Martin Trattner, stellten sich den Fragen von NÖN-Redaktionsleiter Markus Zauner. FPÖ-Spitzenkandidat Gemeinderat Andreas Bachkönig war krankheitsbedingt entschuldigt. Die Themen reichten von Infrastruktur über Nahversorgung bis zum Tourismus, wobei sich die beiden Politiker weitgehend auf ähnlicher Linie zeigten.

Abwanderung: „Wir tun alles, um diese zu stoppen“, betonte Wolfgang Labenbacher. Punkto Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten, Schulen sowie Behörden sei Lilienfeld aber gut aufgestellt. „Um Abwanderung entgegenzusteuern, braucht es einen Mix an Maßnahmen“, sagte Martin Trattner, „da gehört die Ganzjahres- und Ganztagskinderbetreuung genauso dazu wie Freizeitangebote.“ Eine „kleine, aber feine Lokalszene“ wäre für ihn ein Atout. Wolfgang Labenbacher fände es „schön, wenn das Kellerstüberl wieder in Betrieb gehen würde“. Ein Plus von Lilienfeld ist indes für den Zugfahrer Martin Trattner die Anbindung an den öffentlichen Verkehr im Zentralraum.

Bezirksgericht: Klar gegen eine Schließung sprach sich Wolfgang Labenbacher aus: „Das Gericht braucht man, so wie das Finanzamt.“ Mit dem Land NÖ und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner habe man in dieser Sache einen „perfekten Partner mit mehr Kraft“. Eine Resolution des Gemeinderates für den Erhalt kann sich der VP-Bürgermeister vorstellen. Diese hätte auch seine Unterstützung, antwortete Martin Trattner. „Die SPÖ ist gegen die Ausdünnung des ländlichen Raumes und für eine Stärkung.“ Zu Letzterer tragen Behörden nahe an der Bevölkerung bei. „Man kann nicht alles online oder per Brief machen, persönliche Kontakte sind eine Notwenigkeit“, meint der rote Stadtrat. Außerdem gehört für ihn ein Bezirksgericht zu einer Bezirkshauptstadt dazu.

Kinderarzt: Bezüglich Wiederbesetzung der Kassenstelle habe er alles probiert und alles war „fruchtlos“, berichtete Bürgermeister Wolfgang Labenbacher. Ein Problem sei zudem die schlechte Honorierung dieses Facharztes. „Es werden zu wenige ausgebildet“, konterte Martin Trattner. Da für ihn der Allgemeinmediziner die Drehscheibe der medizinischem Versorgung ist, schlug der SPÖ-Stadtrat die Lanze für ein Primärversorgungszentrum mit verschiedenen Fachrichtungen und ausgedehnten Öffnungszeiten, bei dem sich ein Kinderarzt ansiedeln könnte. Ein Primärversorgungszentrum sei zukünftig weiters ein Thema für Lilienfeld, da die beiden jetzigen praktische Ärzte bald im Pensionsalter wären, so Trattner.

Muckenkogel: Ein Bekenntnis zum Sessellift legte Wolfgang Labenbacher ab, ins Blaue hinein investieren will er jedoch nicht. Beim Radfahren könnte man aber mehr machen. Ein Schritt für ihn ist daher die mündliche Zusage zur Errichtung einer Downhill-Strecke 2021. „Die darf aber nicht zu schwer sein“, sagte Labenbacher. „Kein Gewinngeschäft und ein teures Hobby“, urteilt Martin Trattner über den Lift. Wenn man sich diesen leisten möchte, dann „vernünftig“. Bei der Downhill-Strecke könnte er sich unterschiedliche Schwierigkeitsstufen vorstellen, da auch der Berg für die Wanderer oder Tourenskigeher unterschiedliche Anforderungen biete. Zusätzliche Attraktionen sind für ihn ebenfalls wünschenswert. „Man kann sich von anderen Orten was abschauen, ohne zu kopieren“, regt Trattner an.

Unterkünfte: Im Zusammenhang mit dem Muckenkogel kamen außerdem die Quartiere in Lilienfeld aufs Tapet. „Wir brauchen Fremdenzimmer, auch mit kleinem Wellnessbereich“, hätte Martin Trattner potenziellen Betreibern gegenüber ein offenes Ohr. Mit Hotel Leopold, Stift und Zeidelhof habe Lilienfeld schon einiges vorzuweisen, erwiderte Wolfgang Labenbacher.

Wohnen: Hier sei laut ÖVP-Ortschef ein „massives Programm“ im Gange. Neben den 80 Wohnungen am Sägewerksgelände könnten die Pläne für „Junges Wohnen“ im ehemaligen Flüchtlingsheim „Lolita“ voraussichtlich im Sommer/Herbst zur Umsetzung kommen. Zusätzlich werden Gemeindewohnungen saniert. Das Gemeindewohnhaus Marktler Straße 24 und 26 wurde an die Firma Domus verkauft. „In fünf leer stehende Wohnungen wollte niemand mehr einziehen“, weiß Labenbacher. Baugründe gebe es noch auf den Arealen Berghof und Spitalsacker. In die alte Forstdirektion des Stiftes könnte eine neue Zentrale des Roten Kreuzes einziehen. Auch eine Art „Betreutes oder Betreubares Wohnen“ ist vorstellbar. „Beim Wohnen schauen wir auf alle Altersgruppen“, erklärte der ÖVP-Listenerste, „aber da gute Qualität Geld kostet, ist auch die Gemeinde gefragt, leistbares Wohnen zustande zu bringen.“ Nicht ausreichend findet hingegen Martin Trattner die Vorhaben, da die Preise der Wohnungen zu hoch wären. Er fordert überdies die Einbeziehung mehrerer Bauträger, welche ihre Konzepte vorlegen sollen.

Und was erwarten sich die beiden vom Urnengang am 26. Jänner? „Dass es so bleibt, wie es ist“, spielt Wolfgang Labenbacher auf die satte ÖVP-Mehrheit an. „Stärker werden, wäre nicht schlecht“, sieht Martin Trattner für die SPÖ Luft nach oben.