Pastoralpraktikant Henry: Von Nigeria nach St. Veit

Henry Uchechukwu Igbokwe ist Pastoralpraktikant im Bezirk Lilienfeld. Er erzählt über Unterschiede zu seinem Heimatland.

Erstellt am 13. Januar 2022 | 04:55
Lesezeit: 3 Min
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Pastoralpraktikant Henry Uchechukwu Igbokwe wurde zum Diakon geweiht.
Foto: privat

„Meine Ankunft in Österreich eröffnete mir einen neuen Horizont über das Leben und die Menschen. Ich begann meine Reise der Integration, indem ich einige Freunde fand und das Land kennenlernte“, erzählt Henry Uchechukwu.

Heute ist der gebürtige Nigerianer Pastoralpraktikant in St. Veit. 2016 kam er fix nach Österreich, nachdem er im Juli 2015 als Seminarist in der Diözese St. Pölten aufgenommen wurde. Sabinus Iweadighi, Pfarrer von Pottenbrunn, stellte den Kontakt zwischen dem Pastoralpraktikanten und der Diözese St. Pölten her.

Im Gölsental, in der Pfarre St. Veit, habe ich eine neue Heimat gefunden.“ Henry Uchechukwu Igbokwe Pastoralpraktikant

Henry Uchechukwu Igbokwes Leben war schon von Kindheit an tief vom katholischen Glauben geprägt. Er wurde 1991 im östlichen Teil von Nigeria in eine streng gläubige Familie geboren. Er ist das drittälteste von acht Kindern. Im Jahr seiner Geburt fand seine Taufe auf den Namen Henry statt. Dabei gab man ihm überdies den Namen Uchechukwu, was so viel wie „Gedanke“ oder „Wille Gottes“ bedeutet.

Nach seiner Grundschulzeit wurde Henry Uchechukwu Igbokwe in das sogenannte Knabenseminar aufgenommen. „Dort machte ich wunderbare Erfahrungen, die meinen christlichen Glauben stärkten und meine Weltanschauung in größerem Maße prägten“, schildert der Pastoralpraktikant im NÖN-Interview.

Dieses Knabenseminar besuchen Burschen im Alter von elf bis 17 Jahren und schließen dort mit der Matura ab, so auch Henry Uchechukwu Igbokwe. Nach dem Abschluss des Seminars studierte er dann zwei Jahre Philosophie und führte, wie er es bezeichnet, ein „normales Leben“.

Das ferne Österreich lernte der Afrikaner bereits als Kind kennen und pflegte schon vor seinem Wechsel hierher Kontakte zu österreichischen Freunden und der Diözese St. Pölten. Umso größer war dann seine Freude, fix seinen Lebensmittelpunkt hierher verlegen zu können. Sein großer Wunsch: das Theologiestudium an der Universität Wien.

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Pfarrer Christian Gimbel (hinten, links) mit Pastoralpraktikant Henry Uchechukwu Igbokwe (hinten, rechts) und dessen Familie. Diese gratulierte Henry zur Diakonweihe.
Foto: privat

2017 legte er das Deutschzertifikat C1 ab – die Voraussetzung, um auf der Uni Wien überhaupt das Studium beginnen zu dürfen. Gesagt, getan. Auch das Studium schaffte er in Windeseile. 2020 schloss er es mit dem Magister der Theologie ab. Darauf ist er sehr stolz. Danach startete Henry Uchechukwu Igbokwe sein Pastoralpraktikum in der Pfarre St. Veit, wo er sich auf die Diakon- und Priesterweihe vorbereitete. Erstere erfolgte erst kürzlich. Er ist übrigens der erste Afrikaner, der für die Diözese St. Pölten geweiht wurde.

Auf die Frage, warum er Priester werden möchte, antwortet Henry Uchechukwu Igbokwe, dass ihn „die innere Freude und das Interesse am Glauben dazu bewegen“. Die christliche Religion wurde in seiner Familie stets gelebt und sehr gepflegt. Zudem spielen die oft herausfordernden Lebensumstände in Afrika eine große Rolle, wodurch die Menschen dort viel stärker an Gott und dem Glauben hängen als in Österreich, meint er.

„Die meisten Menschen in Afrika kämpfen um das tägliche Brot, weshalb das Gebet und der Glaube an Gott ihnen Hoffnung und Kraft für die Zukunft geben“, erzählt er. In Nigeria gehört es auch zum Tagesablauf, in der Früh und am Abend mit der ganzen Familie gemeinsam zu beten.

Seit er hier, mitten in Europa, lebt, weiß er: Die Unterschiede des Lebens und Glaubens in Österreich und Nigeria sind groß. „In Nigeria ist der Gottesdienst viel lauter und fröhlicher als hier bei uns“, stellt er fest. Sein großes Ziel ist es, nicht nur hier Priester zu werden und den Glauben zu vermitteln, sondern ebenso afrikanische Lebensfreude zu verbreiten.