Bezirk Lilienfeld: Impfstoff reicht nicht aus. Ärzte und Apotheker im Bezirk sind überzeugt, dass heuer die Nachfrage größer sein wird als das Angebot. Alle empfehlen, sich nach Möglichkeit impfen zu lassen.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 23. September 2020 (03:17)
Apothekerin Ute Seidl bekommt viel weniger Impfstoff, als sie im Frühjahr bestellt hat. Sie hat schon Listen mit Interessenten für einen Grippeimpfstoff.
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Die Corona-Pandemie hält noch immer die ganze Welt in Atem. Auswirkungen hat diese auch auf die bevorstehende Grippezeit. Das Interesse an der Grippeimpfung ist heuer wesentlich größer als in den letzten Jahren, da sind sich Mediziner und Apotheker einig. Lieferengpässe sind daher vorprogrammiert.

„Ich musste schon im Frühjahr bestellen und wollte mehr bestellen. Ich werde aber davon nur einen Bruchteil bekommen“, berichtet Ute Seidl von der Kronen Apotheke in Lilienfeld. Sie habe sogar bei verschiedenen Großhändlern bestellt, um möglichst viel zu bekommen. „Es gibt derzeit auch Gespräche darüber, dass es im Dezember vielleicht eine zweite Lieferung geben wird. Sicher ist das aber nicht“, so Seidl. Für die Apothekerin ist die Situation sehr unbefriedigend, weil ja zur Grippeimpfung geraten werden, man aber sicher nicht allen Anfragen entsprechen könne. „Wir haben bereits Listen von Interessenten. Sobald wir die Lieferung bekommen, werden wir alle informieren“, erklärt Seidl. Mit der Lieferung rechnet sie in etwa eineinhalb Wochen.

„Die Influenza ist nicht harmlos, es gibt auch immer wieder schwere Verläufe.“ Richard Friewald, Bezirksärztevertreter

Auch bei den Ärzten in der Region herrscht Unsicherheit bezüglich der ausreichenden Verfügbarkeit des Impfstoffes. In den letzten Jahren sei die Nachfrage nach der Grippeimpfung im Bezirk eher mäßig gewesen. „Dieses Jahr besteht schon vor dem Erhalt von Impfstoffen große Nachfrage“, weiß der Vertreter der Allgemeinmediziner im Bezirk Lilienfeld, Merten Gareiß. Er erwartet heuer einen besonderen Ansturm, nicht zuletzt weil seitens der Politik eine Empfehlung ausgesprochen wurde und auch eine allgemeine Angst vor der Krankheit besteht.

Gareiß empfiehlt heuer, insbesondere wegen der Corona-Pandemie, allen sich Grippeimpfen zu lassen. „Es gibt auch keine nennenswerten Nebenwirkungen. Das manchmal kolportierte Dauerkrankfühlen nach der Impfung würde ich eher der Winterdepression zuordnen“, sagt Gareiß und führt die Menschengruppen an, denen die Impfung insbesondere empfohlen wird: Kindern, chronisch Kranken, Menschen mit viel Kontakten wie Lehrern, Beschäftigte im Gesundheitswesen und Menschen über 60 Jahren.

„Die Impffreudigkeit hat mit Corona zugenommen. Jetzt haben dir das Problem, es gibt zu wenig Impfstoffe“, weiß Bezirksärztevertreter und Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie, Richard Friewald. Er stellt die Impfung seinen Mitarbeitern jedes Jahr kostenlos zur Verfügung. Heuer ist er, wie er selbst sagt, „schon etwas unentspannt, ob der schweren Verfügbarkeit der Impfstoffe. Friewald ist auch ein Verfechter der Grippeimpfung. „Die Influenza ist nicht harmlos, es gibt auch immer wieder schwere Verläufe“, weiß der Facharzt. Insbesondere heuer empfiehlt er auch abseits der Risikogruppen die Impfung. „Alles was möglich ist, sollte geimpft werden“, betont Friewald. Bei den meisten Allgemeinmedizinern liege der Impfstoff auf oder man bringe ihn selbst aus der Apotheke mit: „Zu mir als Facharzt bringen die Patienten den Impfstoff mit, wenn sie von mir geimpft werden wollen.“

Bedarf bei Lehrern noch nicht abschätzbar

Seitens des Ministeriums wurde eine Gratis-Impfung für Lehrer versprochen. Auch für Kinder und Jugendliche soll die Impfung heuer kostenlos sein. Das Interesse daran kann noch nicht abgeschätzt werden. „Das Interesse an den Schulen wird noch erhoben“, weiß Schul- und Gemeindeärztin Ruth Eder-Harm. Allerdings gebe es in ihrer Ordination eine große Nachfrage nach dem Grippeimpfstoff. „Wir haben eine Anmeldeliste für die Grippeimpfung angelegt und Impfstoffe vorreserviert“, betont die Türnitzer Gemeindeärztin. Auch sie kennt die Bedenken mancher Patienten, die fürchten, sich dauernd krank zu fühlen. „Die Grippeimpfung schützt einzig und allein nur vor der echten Grippe, der Influenza. Auch wenn man geimpft ist, kann man jeden banalen Schnupfen bekommen. Aber wer einmal die echte Grippe hatte, lässt sich gerne impfen“, erklärt Eder-Harm. Das wisse sie aus eigener Erfahrung. Als Studentin erkrankte Eder-Harm sogar zwei Mal an der Influenza. Obwohl sie jung, gesund, keine Risikopatientin war und rechtzeitig antivirale Medikamente eingenommen hatte, war die heutige Gemeindeärztin lange krank und hat danach noch gute zwei Wochen gebraucht, bis sie wieder voll leistungsfähig war.

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