Bezirk Lilienfeld: „Reges Interesse an der Jagdprüfung“. Bei der Jagd zeigt sich ein vermehrter Waffengebrauch, weiß Schacherl. Steigerung im privaten Bereich ist nicht bemerkbar.

Von Teresa Lobinger. Erstellt am 13. Januar 2021 (03:41)
Grundsätzlich würde auch ein totales Waffenverbot Gewalttaten mit Schusswaffen nicht verhindern, ist Bezirksjägermeister Martin Schacherl überzeugt.
privat

2020 wurden 33 zusätzliche Waffenbesitzkarten und Pässe ausgestellt (Stand 1. Jänner), die Zahl der registrierten Waffen ist in einem Jahr von 5.855 auf 6.030 gestiegen. Von einem Waffenboom, wie etwa im Jahr 2016, bedingt durch Terrorangst und Flüchtlingskrise, kann aber keine Rede sein. Das Mehr an Waffen ist auf den Jagdbetrieb zurückzuführen.

„In den letzten Jahren besteht ein reges Interesse an der Jagdprüfung, rund 30 Personen beiderlei Geschlechts treten jährlich an“, bestätigt Bezirksjägermeister Martin Schacherl.

Eine Steigerung von Waffenkäufen im privaten Bereich könne Karl Teicher, Hegeringleiter und Betreiber eines Jagdgeschäftes in Eschenau, nicht erkennen: „Vielmehr kaufen Jäger neue, der Zeit angepasstere Waffen, Nachtsichtgeräte, vor allem um dem Schwarzwild, also Wildschweinen, Herr zu werden.“

Dass sich mehr Menschen für das Thema Jagd interessieren, erklärt sich Martin Schacherl so: „Meiner Meinung trägt ein erhöhter Wissensbedarf über ökologische und biologische Abläufe bei Wildtieren und deren Lebensraum zu dieser Nachfrage bei.“ Denn nur ein Teil derer, die die Jagdprüfung absolvieren, übt diese tatsächlich aus.

Bei der Ausbildung zum Jungjäger hat der Umgang mit Waffen einen hohen Anteil an theoretischen und praktischen Übungsstunden. Die Sicherheit, der vertraute Umgang auch im Dunkeln, das Hantieren mit der Waffe in Anwesenheit von Personen, etwa Jagdgästen oder bei Treibjagden, werde intensiv geübt: „Die Verwahrung, Pflege sowie praktisches Übungsschießen am Schießstand runden die Ausbildung ab. Fehler, die die Sicherheit betreffen, werden bei der Prüfung nicht toleriert, führen zu einem negativen Prüfungsergebnis“, betont Martin Schacherl.

„Meiner Meinung trägt ein erhöhter Wissensbedarf über ökologische und biologische Abläufe bei Wildtieren und deren Lebensraum zu dieser Nachfrage bei.“

Und er bestätigt den Eindruck von Karl Teicher, denn auf dem Gebiet der Jagdwaffen hat sich einiges verändert: „Hohe Schwarzwildbestände, entsprechende Schäden im Grünland, Nachsuchen auf krankgeschossenes Wild und die Schonung des Gehöres bei Jäger und Hund haben das Nachtsichtgerät, die Verwendung von Faustfeuerwaffen durch Jäger sowie den Einsatz von Schalldämpfern erfordert.“ Der Gesetzgeber habe diesen Bedürfnissen durch eine Änderung des Waffengesetzes Rechnung getragen. Und der Einsatz von Faustfeuerwaffen im Jagdbetrieb, etwa in sehr schwierigem Gelände, sei mit einer hohen Verantwortung der Jägerschaft verbunden.

Grundsätzlich wird zwischen Waffenbesitzkarte und Waffenpass unterschieden. Mit ersterer ist der Besitz einer Waffe erlaubt, die man außerhalb der eigenen vier Wände nicht tragen oder gar einsetzen darf. „Mehr darf man mit einer Waffenbesitzkarte nicht“, sagt Karl Teicher. Der Waffenpass berechtige indes, die Waffe im geladenen Zustand am Körper zu tragen, sie im Revier einzusetzen, erklärt Schacherl. Alle Waffen werden im zentralen Waffenregister eingetragen. Auch solche Schusswaffen mit glatten Läufen, also Schrotflinten. Es könne jeder Bürger eine Langwaffe kaufen, ohne Jagprüfung müsse er einen sogenannten Waffenführerschein absolvieren. Dazu komme noch die „Abkühlphase zwischen Anschaffung und Aushändigung der Waffe“, stellen die beiden Jäger fest.

Trotz großer gesetzlicher und sicherheitstechnischer Einrichtungen und Maßnahmen kann es zu Unfällen oder missbräuchlichen Handlungen kommen. Wer sich, aus welchen Gründen auch immer, selbst schützen möchte, für den sei das Tool der Stunde ein „Tierabwehrspray“, der falle nicht wie der Pfefferspray ins Gesetz, und könne auch von jungen Mädchen getragen werden — immer mit dem Aspekt der Verantwortung, so Karl Teicher.

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