„Jeder ist bei mir willkommen“: Fotografin schloss schon vor Lockdown

Fotografin Marlies Rauch hat ihr Geschäft schon vor dem Lockdown geschlossen – als Zeichen gegen die Spaltung der Gesellschaft.

Erstellt am 25. November 2021 | 04:56
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Fotografin Marlies Rauch arbeitet derzeit bestehende Aufträge im Homeoffice ab. Sie verwehrt sich, Leute nach ihrem Impfstatus zu befragen.
Foto: privat

Fotografin Marlies Rauch hat ihr Geschäft seit einigen Tagen vorübergehend geschlossen, noch vor dem Lockdown. Der Grund: Sie kann sich mit den Corona-Verordnungen der Regierung nicht identifizieren.

„Seit 25 Jahren sind in meinem Geschäft alle willkommen, unabhängig von Herkunft, Glauben, sozialem Status oder sexueller Neigung. Ich empfinde es als Eingriff in die Persönlichkeit, wenn ich meine Kunden nach ihrem Impfstatus befragen müsste“, begründet sie ihren Schritt.

Fotografin möchte „Machtspiel“ nicht mitspielen

Die ihrer Meinung nach „menschenverachtende Spaltung der Gesellschaft“ möchte sie daher nicht weitertragen, wie sie es auch auf ihrer Geschäftstüre verlautbart. „Die Herabwürdigung beider Seiten nimmt mittlerweile Formen an, die für mich nicht mehr tragbar sind“, betont sie. Sie arbeitet daher derzeit im Homeoffice weiter. „Ich habe noch laufende Anträge abzuarbeiten“, sagt sie.

Aufgrund des Lockdowns sind nur telefonische Anfragen möglich. „Ich schicke Fotos zur Ansicht. Diese können dann mit ,Click+collect‘ abgeholt oder auch geliefert werden. Ob Fototermine stattfinden können, ist noch nicht klar definiert.“ Sie hat sich bei der Innung erkundigt, vieles ist für sie überhaupt unklar definiert.

Das „Machtspiel, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden“, möchte sie nicht mitspielen. Dass ihr durch den Lockdown das Weihnachtsgeschäft wegfällt, trifft sie sehr. „Die Weihnachtware ist da und vorfinanziert; es gibt keine Kommissionsware“, bedauert sie – auch, dass der Online-Handel profitiert. Und eins stellt sie noch klar: „Es ist eine große Strafe für mich, nicht in gewohnter Weise arbeiten zu dürfen.“