Abschiebung aufgehoben: Die Angst bleibt im Kopf. Beschwerden gegen Abschiebung wurde stattgegeben: Einen positiven Asylbescheid gibt es für die Tavsultanovs aber noch nicht. Verfahren wird neu aufgerollt.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 16. März 2019 (04:34)
Gravogel
Yasmina, Selima, Radmila, Muhamad und Aslan Tavsultanov (von links) dürfen vorerst in Hohenberg bleiben.

Ein kleiner Lichtblick, doch das Bangen geht weiter. Die tschetschenische Flüchtlingsfamilie Tavsultanov, die von der Abschiebung in ihre tschetschenische Heimat Grosny bedroht war, darf bleiben – vorerst zumindest.

Im Rechtsinformationssystem (RIS) ist der Entscheid des Bundesverwaltungsgerichtes veröffentlicht. „Den Beschwerden wird stattgegeben und die angefochtenen Bescheide werden ersatzlos behoben“, informiert dazu Rosina Hecher vom Bundesverwaltungsgericht. Somit sei nun der Verfahrensstand vor Einbringen der Beschwerden gegen die Abschiebung eingetreten.

Ob die Familie nun fix in Österreich leben darf, kann nicht bestätigt werden, denn der Ball wurde somit wieder dem Bundesasylamt zurückgespielt. „Das Warten ist sehr zermürbend“, sagt der dreifache Familienvater Aslan Tavsultanov. Während er im NÖN-Gespräch „von großen Problemen in der Heimat“ spricht und man „Angst habe, zurückzukehren zu müssen“, werden im RIS genau seine Angaben zur Flucht offengelegt.

Sein Vater sei 2002 von Soldaten verschleppt und wahrscheinlich umgebracht worden. Man habe es jedoch so dargestellt, dass sich der Vater den Kämpfern in den Bergen angeschlossen habe. Nunmehr wurde ihm unterstellt, Gehilfe der Rebellen zu sein und er wurde von tschetschenischen Sondereinheiten verfolgt, da er sich an das Militär gewandt habe, um den Aufenthalt des Vaters zu ermitteln.

2013 wurde er verschleppt, bis zur Bewusstlosigkeit verprügelt, in einem Keller festgehalten und über seinen Vater befragt. Seine Tante und seine Mutter kauften ihn für 6.000 US-Dollar frei. Im Jänner 2014 wurde er wieder rund zehn Tage in einer Zelle festgehalten. Abermals sei er von seiner Mutter und seiner Tante gegen Bezahlung weiterer 5.000 Dollar freigekauft worden.

Als im Oktober 2014 in Grosny ein Selbstmordanschlag verübt wurde und das Militär ihn wieder suchte, ergriff die Familie die Flucht. Seine Gattin sei damals, so ihre Ausführungen, vergewaltigt worden, da sie Tatarin sei.

Doch trotz aller Angaben wurde der Antrag auf Bleiberecht und subsidiären Schutz der Kinder „wegen widersprüchlicher, unplausibler und vager Ausführungen“ abgelehnt.

SP-Ortschef: „Kann das nicht nachvollziehen“

SP-Bürgermeister Heinz Preus kann es nicht fassen, dass es noch immer keinen positiven Asylbescheid für die Familie gibt: „Wir wollen sicher kein Asylheim mit 60 jungen Männern im Ort. Wir brauchen kein Ghetto. Aber wenn eine Familie wie diese bei uns keine Probleme macht und integrationsbereit ist, kann ich das nicht nachvollziehen.“