Lilienfelder Arzt Störck rettet Flüchtling einen Finger. 22-Jährigem drohte nach Messerattacke Amputation: Zweistündige Operation von Oberarzt des Landesklinikums Lilienfeld in Bosnien war erfolgreich.

Von Markus Zauner. Erstellt am 14. Januar 2020 (05:56)
Doktor Michael Störck mit seinem Patienten Hocine, den er zwei Stunden lang erfolgreich operiert hat, und Flüchtlingshelferin Brigitte Holzinger. Für weitere Hilfskonvois sei man auf Spenden angewiesen, so Holzinger.
Ben Owen-Browne

Er ist soeben von seinem humanitären Einsatz in Bosnien zurückgekehrt. Zwei Stunden lang operierte Michael Störck, Oberarzt am Landesklinikum Lilienfeld, in der Poliklinik Muminovic in Bihać den 22 Jahre alten algerischen Flüchtling Hocine.

Der junge Mann war bei einer Messerattacke verletzt worden. Danach blieb die Beugesehnenverletzung an zwei Fingern der linken Hand unbehandelt, sie infizierte sich. Im schlimmsten Fall drohte die Amputation. Störcks Eingriff war von Erfolg gekrönt. „Die Operation ist gut verlaufen, dem Patienten geht es gut“, freut sich der Arzt. Nun gelte es, vor Ort für die notwendige Nachbehandlung zu sorgen, damit der Heilungsverlauf gewährleistet ist — was allerdings nicht einfach wird, weiß Störck.

„Ohne die Flüchtlingshelfer wären die Menschen hier wirklich verloren“

Der Chirurg des Landesklinikums Lilienfeld war bei seinem dreitägigen humanitären Einsatz Teil eines Hilfskonvois der Flüchtlingshelferin Brigitte Holzinger aus Kremsmünster. Diese hatte auf Facebook einen Hilfeaufruf geteilt, dem Störck folgte.

Von den Zuständen in Bihać, das nur wenige Kilometer vom ehemaligen Flüchtlingslager Vučjak entfernt liegt, zeigt sich der Arzt erschüttert: „Es ist unvorstellbar, wie die Flüchtlinge an der Balkanroute leben — in Ruinen, ohne ärztliche Versorgung. Es fehlt am Notwendigsten. Ohne die Flüchtlingshelfer wären die Menschen hier wirklich verloren.“ Nach Hocines OP — Störck übernahm auch die Kosten für den Operationssaal — kümmerte sich der 67-Jährige in einem „wilden Camp“ um weitere Flüchtlinge. Bei so vielen kranken Menschen hätte er hier Tag und Nacht arbeiten können, seufzt Störck.

Entsetzt zeigt er sich auch von der Push-Back-Praxis der kroatischen Polizisten: „Sie verprügeln die Flüchtlinge, stehlen Geld und Handys und setzen die Armen im Wald aus, wo sie von den Flüchtlingshelfern aufgelesen werden.“