Heinz Auer beendet seine Äthiopien-Hilfe

17 Jahre lang hat sich der Hohenberger (77) für die Ärmsten der Armen eingesetzt. Nun hört er altersbedingt auf und zieht im NÖN-Gespräch Bilanz.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:44
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Im Alter von 77 Jahren zieht sich Heinz Auer zurück.
Foto: NOEN

NÖN: Warum stellen Sie Ihre Äthiopien-Hilfe ein?

Heinz Auer: Die letzte Zeit ist nicht spurlos an mir vorübergegangen. Das zwingt mich dazu, im Alter von 77 Jahren diese Tätigkeiten mit Ablauf des Jahres einzustellen.

"Dass 17 weitere Reisen in dieses Land folgen sollten, war nicht geplant."

Wann waren Sie das 1. Mal in Äthiopien?

Im November sind es genau 17 Jahre, als ich zum ersten Mal Äthiopien besuchte. Dass 17 weitere Reisen in dieses Land folgen sollten, war nicht geplant.

Wie ist die Idee entstanden, in Afrika zu helfen?

Eine Thrombose im rechten Fuß ließ mich ein Krankenhaus aufsuchen, wo ich eine Woche verbrachte. Es war eine kritische Zeit, wie mir der Arzt später erzählte. Da wurde in mir der Plan geboren, der örtlichen Bevölkerung zu helfen.

Wie hat alles begonnen?

Zwei Jahre unterstützte ich eine 5-köpfige Familie. Es waren dies vier minderjährige Kinder, die von deren Tante betreut wurden. Mimi, die Älteste, packte mit ihren 15 Jahren sehr tatkräftig an. Beide Elternteile waren kurz zuvor verstorben. Das Haus zum Wohnen wurde von einem Gönner des Dorfes zur Verfügung gestellt, jedoch ohne Möbel, Toilette und Bad. Es ist mir schon nach meinem ersten Besuch gelungen, das Objekt grundbücherlich zu erwerben und Möbel sowie je eine Hütte für Dusche, Toilette und Küche zu errichten. Nun konnte jeder in seinem eigenen Bett schlafen. Ein Gerüst aus Eisen für einen Wassertank – und der Luxus war perfekt. In weiterer Folge ließ ich noch einen Schöpfbrunnen für meine Schützlinge und einen weiteren für die Nachbarn errichten, da schon etwas Neid zu spüren war.

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Augen-Operationen waren ein Schwerpunkt der Äthiopien-Hilfe von Heinz Auer (2. v. l.). Im Bild mit Reisebegleiter Franz Hinterkörner.
privat

Wie ist es weitergegangen?

Im Laufe der Jahre sorgte ich noch für zwei weitere Brunnen. Sie werden sehr geschätzt. Mitgebrachte Kleidung aus Österreich für die Kinder und auch die Tante waren sehr willkommen. Nun kehrte ein zufriedenstellender Alltag in der Familie ein. Nach Beendigung der Schule bekam Bajusch, die Zweitälteste, ein kleines Kinderkleidergeschäft von mir. Sie betreibt es heute noch sehr erfolgreich. Mimi lud ich nach einigen Jahren nach Österreich ein. Sie fühlte sich sofort wohl hier und war auch sehr beliebt bei uns. Dabei lernte sie ihren späteren Mann, er war ein Unterstützer meiner Tätigkeit, kennen. Ein Jahr danach fand ihre Hochzeit in St. Aegyd statt. Im Laufe der Zeit konnte ich in Jinka ein zweites Haus erwerben, welches mit Hilfe des Elektrikers Heinz Mosböck aus St. Aegyd sowie von Franz Hinterkörner aus Hohenberg auf den letzten Stand gebracht wurde. Nach Fertigstellung wurde es vermietet. Die Einnahmen dienen der Familie als Lebensgrundlage. Meine Aktivitäten hatten sich natürlich im Ort herumgesprochen. So lernte ich eine Frau kennen, die sehr selbstlos Waisenkinder betreut. Sie konnte durch meine Spenden Renovierungsarbeiten am Haus durchführen lassen.

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Dieses Haus in Jinka wurde auf Betreiben von Heinz Auer renoviert.
privat

Inzwischen ist Ihr Äthiopienprojekt im Bezirk Lilienfeld bekannt geworden?

Ja, aufgrund der Zeitungsberichte in der NÖN beteiligten sich an die fünfzig Personen an meinem Projekt. Nun konnte ich daran denken, den vielen Blinden in Äthiopien, die mir dort täglich begegneten, zu helfen. Ich begann in der Hauptstadt Addis Abeba mit diesem Projekt, da die Augenärzte sehr rar in diesem Land sind. Für 180 Euro pro Person konnte ich acht Personen operieren lassen. Da wäre das mitgebrachte Geld bald aufgebraucht gewesen. Durch Zufall erfuhr ich, dass es in Gondar im Norden des Landes einen Augenarzt gibt, welcher die Hälfte für diese Operation verlangt. Nun begann für mich die Erfolgsgeschichte. Es konnten im Laufe der Jahre weitere 203 Personen operiert werden. Eine Bekannte des Arztes brachte zum Teil die Patienten von der Umgebung in die Privatklinik. Viele hatten nicht einmal das Geld für die Anreise, geschweige denn für die notwendigen Medikamente. Dies wurde ebenfalls von den Spendengeldern bezahlt. Einige benötigten nur Augengläser, welche ebenfalls davon bestritten wurden.

Gab es weitere Schicksale, die Sie berührt haben?

Natürlich! An einem unserer seltenen freien Tage, als wir zu einem Besuch zum höchsten Berg im Land unterwegs waren, saßen wir zum Frühstück in einem Gastgarten eines Restaurants. Da erspähte uns ein kleiner Bub, der auf dem Weg zur Schule war und ein Lied vortrug. Er bekam dafür ein wenig Geld von uns, das er beim nahen Bäcker verkonsumierte. Unser Kellner erklärte uns, dass er nur eine Mutter und sieben Geschwister hat, daher war dies das erste Essbare an diesem Morgen. Solche Schicksale sind hier keine Seltenheit. Aufgrund dieser Begebenheiten wurde mir klar, dass es hier noch sehr viel zu tun gäbe.

Wie hoch ist die Summe, die durch Sie an Spendengeldern nach Äthiopien geflossen ist?

Bei den vielen Reisen meiner karitativen Tätigkeiten war Franz Hinterkörner mein ständiger Begleiter und Helfer. Im Laufe dieses Projektes wurden 94.237 Euro an Spendengeldern sinnvoll investiert. Durch die langjährigen treuen Unterstützer, die meine größte Hochachtung und meinen großen Respekt verdienen, konnte dieses Projekt für die Ärmsten Äthiopiens realisiert werden. Die notwendigen Reisen wurden ausschließlich von unserem Privatgeld finanziert.

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