Auslaufmodell Schulskikurs? Nicht im Bezirk Lilienfeld. Keine Sorgen um den Skinachwuchs machen sich Pädagogen und Liftbetreiber.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 14. Januar 2020 (05:17)
Spaß im Schnee: Durch Schulskikurse kommen viele Kinder erstmals auf die Bretter, die die (Ski-)Welt bedeuten.
Fahrnberger

Weniger Schnee durch den Klimawandel. Weniger sportliche Kinder durch Bewegungsmangel. Weniger Bereitschaft von Eltern, für eine Woche Wintersport eine teure Skiausrüstung anzuschaffen, die das restliche Jahr im Keller verstaubt. Ist der einst heiß ersehnte Schulskikurs überhaupt noch zeitgemäß?

Die NÖN hat sich umgehört, wie es im Bezirk, an der Wiege des alpinen Skisports, um den Schulskikurs bestellt ist und welche Bedeutung er für den Tourismus in der Region einnimmt.

Lilienfelds Ortschef Wolfgang Labenbacher ist selbst Obmann des Union-Ski-Clubs.
NOEN

Die Freude am „schönsten Sport der Welt“, wie ihn Lilienfelds Bürgermeister Wolfgang Labenbacher, Obmann des Union-Ski- Clubs Lilienfeld, bezeichnet, wird in der Bezirkshauptstadt von klein auf gefördert. So werden die Skitage der Volksschule von der Gemeinde subventioniert.

Wintersport hat für Labenbacher eine hohe soziale Komponente: „Schulskikurse sind für junge Menschen persönlichkeitsbildend. Sie werden selbstständiger, weil sie ein paar Tage von zu Hause weg sind. Außerdem ist gemeinsame Sportausübung teambildend“, betont er.

„Sozial schwächer Gestellten wird die Teilnahme durch Förderungen vom Elternverein ermöglicht“Lilienfelds Gym-Direktor Josef Heindl

Martin Simader, Direktor der MD Lilienfeld, will auch die Skiangebote „vor der Haustüre“ schmackhaft machen: „Wir veranstalten seit vielen Jahren Skitage in Annaberg, um die gute Zusammenarbeit in der Region zu fördern.“ Von Vorteil ist auch, weiß er, „dass man dafür im Gegensatz zu Schulskikursen keine Mindestanzahl an Teilnehmern braucht. Von unseren 120 Mittelschülern fahren fast immer um die 70 mit.“

Schulskikurse werden auch in der dritten und vierten Klasse des Lilienfelder Gymnasiums durchgeführt. Ziele sind Zell am See und Flachau. Außerdem wird am Bezirksschülerskitag in Annaberg teilgenommen. Der Skikurs kostet zwischen 350 und 400 Euro.

„Sozial schwächer Gestellten wird die Teilnahme durch Förderungen vom Elternverein ermöglicht“, weiß Direktor Josef Heindl. Das bestätigt Theresia Platzer, Direktorin der Neuen Mittelschulen Hohenberg und St. Aegyd: „In St. Aegyd gibt es auch von der SP-Ortspartei einen Topf für verschiedene soziale Initiativen, der auch zur Ermöglichung eines Skikurses verwendet werden kann.“

Karl Weber von den Reidl-Liften verweist auf die Skischule vor Ort.
Franz Kessler/Annaberger Lifte

Karl Weber, Geschäftsführer der Annaberger Reidl-Lifte, weist „auf die hohe Bedeutung der dortigen Skischule für Schulskikurse und die bequeme Nächtigungsmöglichkeit im JUFA-Hotel hin“.

Bei der NÖVOG, Betreiber der Lifte und Sportattraktionen auf der Mitterbacher Gemeindealpe, weiß man, dass Schulklassen aus Kapazitätsgründen in Mariazell nächtigen, aber mit der Schulskikarte des Skiverbunds die Gemeindealpe genutzt wird. Lilienfeld ist für seine Bürger eine Top-Skiregion, auch wenn es mitunter an weißer Pracht mangelt.

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