Marlene Groihofer präsentiert ihr Erstlingswerk. „Sie hat wachgerüttelt“: Marlene Groihofer schrieb in ihrem Buch die Erinnerungen der Holocaust-Überlebenden Gertrude Pressburger nieder.

Erstellt am 30. Januar 2018 (05:20)
NOEN, Lukas Beck/Zsolnay
Unter dem Titel „Gelebt, erlebt, überlebt“ zeichnete die Kleinzeller Journalistin Marlene Groihofer die Autobiographie von Gertrude Pressburger auf.

„Über mein privates Umfeld erfuhr ich vom erschütternden Schicksal der Familie und fragte an, ob Gertrude Pressburger mir ein Interview für radio klassik Stephansdom geben würde“, erzählt Marlene Groihofer über den Anfang des Kennenlernens.

Damals – im Februar 2016 – ahnten die beiden nicht, welche Wellen das Radioporträt schlagen wird. Die Kleinzeller Journalistin wurde dafür mehrmals und auch international ausgezeichnet, darunter mit dem „Prälat-Leopold-Ungar-Preis 2016“ sowie dem „New York Festivals International Radio Awards 2017 – Gold“.

„Gertrude Pressburger hat in Worte gefasst, was viele in sich gespürt haben, selbst jedoch nicht in dieser Klarheit formulieren konnten.“ Autorin Marlene Groihofer

In der Folge von den zwei aufgegriffen wurde indes eine bereits Monate zuvor entstandene Idee: Gertrude Pressburgers Erinnerungen schriftlich aufzuzeichnen. „Ich habe im Jänner 2017 begonnen, am Buch zu arbeiten und habe bis März 2017 die Interviews geführt. Danach habe ich zu schreiben begonnen“, schildert Groihofer. Pressburger und sie waren während des Schreibprozesses ebenfalls eng in Kontakt. „Ich habe sie sehr oft angerufen, wenn ich beim Schreiben gemerkt habe, da fehlt mir noch was“, sagt die 28-jährige Buchautorin.

Nun liegt die Neuerscheinung unter dem Titel „Gelebt, erlebt, überlebt“ vor. Gertrude Pressburger war zehn Jahre alt, als Hitler in Österreich einmarschierte. Obwohl die jüdische Familie katholisch getauft worden war, musste sie fliehen. Fast sechs Jahre dauerte die Odyssee, welche 1944 in Auschwitz endete. Pressburger überlebte den Holocaust – ihre Eltern und die zwei jüngeren Brüder wurden von den Nationalsozialisten umgebracht.

„Ich bin nicht zurückgekommen, um dasselbe noch einmal zu erleben“

Jahrzehntelang hat Gertrude Pressburger über ihre tragischen Erfahrungen geschwiegen. Erst ihre Besorgnis über aktuelle politische Entwicklungen führte dazu, sich öffentlich zu äußern und mit der Kleinzeller Journalistin ihre Autobiographie zu verfassen: „Ich bin nicht zurückgekommen, um dasselbe noch einmal zu erleben“, so Gertrude Pressburger, welche sich durch so manche getätigten Bemerkungen in die 1930er-Jahre zurückversetzt wähnt.

Weltweite Aufmerksamkeit erzeugte die Wienerin auch mit einer Videobotschaft, in welcher sie vor einer Rhetorik der Extreme warnte. „Gertrude Pressburger hat in Worte gefasst, was viele in sich gespürt haben, selbst jedoch nicht in dieser Klarheit formulieren konnten“, sagt Marlene Groihofer, „sie hat wachgerüttelt.“